Der Immobilienprojektentwickler FBW aus Dreieich bei Frankfurt befindet sich in einer sich zuspitzenden Krise. Mehrere Prestigeprojekte im Rhein-Main-Gebiet verzögern sich seit Jahren, die Mitarbeiterzahl sank deutlich. Zudem tauchen FBW-Gesellschaften wiederholt im staatlichen Schuldnerregister auf.
Gläubiger wie gesetzliche Krankenkassen und private Wohnungskäufer sehen sich nun mit der ungewissen Rückzahlung von Darlehen sowie mit Rechtsstreitigkeiten konfrontiert.
Finanzielle Schieflage und Projektstillstand
FBW, das Unternehmen von Pietro-Fabrizio Floresta, steht vor erheblichen Herausforderungen. Floresta stellte nach Recherchen über zehn Millionen Euro aus eigenem Vermögen zur Verfügung, um die Krise zu bewältigen, Kredite zurückzuzahlen und Zinsverpflichtungen zu bedienen. Die Mitarbeiterzahl reduzierte sich von 103 auf 35 Personen.
Seit Anfang 2025 sind FBW-Gesellschaften mindestens fünfmal im staatlichen Schuldnerregister verzeichnet.
Gläubiger wie gesetzliche Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen investierten über den Verius-Immobilienfonds zweistellige Millionensummen in FBW-Projekte. Sie sehen sich nun mit der ungewissen Rückzahlung dieser Darlehen konfrontiert. Ein prominentes Beispiel ist das Projekt am Günthersburgpark in Frankfurt.
Der Verius-Fonds stellte ab 2019 rund 17,7 Millionen Euro zu einem Zinssatz von 15,5 Prozent bereit. Die ursprüngliche Rückzahlung war für 2023 geplant.
Die zu diesem Projekt gehörende FBW-Tochter „Projektgesellschaft Günthersburgpark“ tauchte mit zwei nicht abgegebenen Vermögensauskünften im Schuldnerregister auf. Für die FBW Projektbau, eine Firma der Gruppe, vergab Creditreform die schlechteste Bonitätsnote und rät von einer Geschäftsverbindung ab. Firmenchef Pietro-Fabrizio Floresta betont überdies: „Wir machen auch kein Geheimnis daraus, dass wir einen Großteil unserer Vorratsgrundstücke verkauft haben.“
Kunden im Rechtsstreit
Private Wohnungskäufer berichten von jahrelangen Verzögerungen bei ihren Bauvorhaben, teils mehr als fünf Jahre, sowie von rechtlichen Auseinandersetzungen mit dem Bauträger. Kunden kritisieren, dass FBW Einigungsangebote zur Schadenersatzforderung regelmäßig ablehnte und sich Verfahren durch immer wieder neue Einwände und Fristverlängerungen in die Länge zogen.
Ein Kunde berichtet, dass sich FBW selbst nachdem das Oberlandesgericht die Rechtmäßigkeit seiner Schadenersatzforderung bestätigt hatte, nicht rührte. Dies führte in dem Fall zu einer Kontopfändung. Die FBW-Sprecherin weist den Vorwurf der juristischen Verzögerungstaktik entschieden zurück.
Sie erklärt, in Einzelfällen sei ein gerichtliches Vorgehen wirtschaftlich sinnvoller gewesen als ein Vergleich.
Im Juni 2025 kündigte Pietro-Fabrizio Floresta die Fertigstellung des Kureck-Turms in Wiesbaden bis zum ersten Quartal 2026 an. Das Projekt sollte ursprünglich bereits 2023 abgeschlossen sein. Die Stadt Wiesbaden teilte hingegen mit, dass Ende September 2026 noch keine Fertigstellungsanzeige vorlag.
Parallel dazu sind Schreiben von FBW an Wohnungskäufer dokumentiert. Darin spricht das Unternehmen Käufer an, die bei Verzug fälligen fünf Prozent des Kaufpreises bereits jetzt zu zahlen. FBW begründet dies mit der Aussage: „Die finanzielle Situation durch die Einbehalte bei einigen Käufern, die über den tatsächlichen Verzugsschaden hinausgehen, schränkt uns in der Abwicklung enorm ein.“
In einem Schreiben heißt es weiter: „Aufgrund der Bereitschaft einiger Käufer, diese fünf Prozent bereits zum jetzigen Zeitpunkt zu bezahlen, um eine schnellere Fertigstellung herbeizuführen, haben wir uns entschieden, die restlichen Käufer anzusprechen.“
Widersprüche und offene Fragen
Die FBW-Sprecherin sagte auf Anfrage, dem Unternehmen sei kein Fall bekannt, in dem eine FBW-Gesellschaft zur Abgabe einer Vermögensauskunft verpflichtet gewesen sei. Sie ergänzte: „Unsere laufenden und berechtigten Rechnungen werden bezahlt.“ Diese Aussage steht jedoch im Widerspruch zu Recherchen, die von mindestens fünf Einträgen im staatlichen Schuldnerregister berichten.
Die Registereinträge resultieren nach den vorliegenden Informationen aus der Verweigerung der Abgabe von Vermögensauskünften durch Pietro-Fabrizio oder Alfio Floresta. Auch die Tatsache, dass die FBW-Tochter „Projektgesellschaft Günthersburgpark“ mit zwei nicht abgegebenen Vermögensauskünften im Schuldnerregister auftaucht, widerspricht der Darstellung der Sprecherin.
Die Situation bei FBW findet vor dem Hintergrund eines breiteren Drucks auf den Immobilienmarkt statt. Dieser Druck entsteht etwa durch gestiegene Zinsen, hohe Baukosten und sinkende Nachfrage. Dennoch ist die Verschärfung der Krise bei FBW mit der deutlichen Personalreduktion und den mehrfachen Einträgen im Schuldnerregister auffällig.
Andere Marktteilnehmer berichteten im Juni 2022, trotz Herausforderungen keinen Krisenmodus beim Personal zu sehen und weiter einzustellen.
Offen bleibt unter anderem die Frage der Begleichung der Verbindlichkeiten gegenüber dem Verius-Fonds und die künftige Bonitätsentwicklung der FBW-Gesellschaften. Marktbeobachter werden die weitere Entwicklung der Projektfertigstellungen und die Reaktion der Gläubiger genau verfolgen.







