Asiens Börsen zeigen sich nach divergierenden Signalen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) mit Kursgewinnen. Die Aussagen von Fed-Gouverneur Christopher Waller, der Erwartungen an eine baldige Zinserhöhung dämpfte, stützen die Märkte, insbesondere die Technologiewerte. Dies steht im Kontrast zu Äußerungen von Fed-Chef Kevin Warsh, die als restriktiver wahrgenommen wurden.

Die unklare geldpolitische Richtung der Fed sorgt für Volatilität. Marktteilnehmer warten auf neue Indikatoren.

Divergierende Signale aus der US-Notenbank

Jüngste geldpolitische Äußerungen aus den USA prägen die globale Marktstimmung. Fed-Gouverneur Christopher Waller dämpfte die Erwartungen einer baldigen US-Zinserhöhung. Auf einer Veranstaltung der Nachrichtenagentur Reuters wies er darauf hin, dass aktuelle Daten Anzeichen einer nachlassenden Inflation zeigten.

Sollten kommende Berichte diesen Trend bestätigen, befürworte er es, die Zinsen bei der Sitzung im laufenden Monat stabil zu halten.

Anleger schraubten daraufhin ihre Erwartungen für eine Zinserhöhung im aktuellen Monat deutlich zurück. Die Wahrscheinlichkeit fiel von zuvor über 60 Prozent auf etwa 50 Prozent.

Dem entgegen steht die Position von Fed-Chef Kevin Warsh. Er betonte zuvor in einer als „hawkish“ empfundenen Rede in Jackson Hole, dass die Bekämpfung der hohen Inflation Priorität habe. Er bezeichnete die aktuelle Inflationsrate von 3,7 Prozent (gemessen am von der Fed bevorzugten PCE-Index) als „besorgniserregend“.

Anleger interpretierten seine Hinweise so, dass er zu Leitzinserhöhungen bereit wäre. Nach seiner Rede stiegen die Erwartungen für eine September-Anhebung an den Terminmärkten.

Analysten von JPMorgan sahen in Wallers Aussage einen Widerspruch zu Warshs Kernbotschaft. John Williams, Präsident der Federal Reserve Bank of New York, dämpfte ebenfalls die Erwartungen an eine Zinserhöhung im laufenden Monat.

Asiatische Märkte reagieren mit Aufschlägen

Die nachlassenden Zinssorgen in den USA stützten die asiatischen Aktienmärkte. Technologiewerte führten die Erholung an. Der japanische Leitindex Nikkei 225 stieg am Freitag um 0,4 Prozent auf 66.405,56 Punkte. Ein anderer Bericht nennt für den Tag einen Anstieg von 1,4 Prozent. Der breitere Topix-Index legte um 1,1 Prozent zu.

In Südkorea verzeichnete der Kospi einen Anstieg von 1,5 Prozent. Schwergewichte wie SK Hynix und Samsung Electronics zogen um 4,8 beziehungsweise 2,8 Prozent an. Der taiwanische Taiex gewann 0,6 Prozent, der Straits Times Index in Singapur ebenfalls 0,6 Prozent.

Der Hang Seng Index in Hongkong stand leicht im Plus (0,1 Prozent auf 25.584,79 Punkte). Eine andere Quelle berichtet von plus 0,3 Prozent. Der Shanghai Composite fiel um 0,1 Prozent, während der CSI 300 um 0,4 Prozent zulegte. Die unterschiedlichen Entwicklungen in China spiegeln lokale Faktoren neben globalen Einflüssen wider.

Technologiewerte als Zugpferde

Technologiewerte führten die Erholung in Asien an. In Tokio stiegen die Aktien des japanischen Technologiekonzerns Softbank um fast 10 Prozent. Trend Micro legte um 5,9 Prozent zu, Recruit verzeichnete ein Plus von 4,9 Prozent. Der Halbleiter-Spezialist Advantest gewann 1,9 Prozent.

Ein konkretes Beispiel für langfristige Investitionen in den Sektor ist die geplante Investition von Kioxia und Sandisk. Bis 2032 sollen über 31 Milliarden US-Dollar in Japan fließen, um die Produktion von NAND-Speicherchips auszuweiten. Ein neues Werk in Kitakami soll im Geschäftsjahr 2029 in Betrieb gehen.

Blick auf Währungen und Rohstoffe

Der japanische Yen wertete in dieser Woche um 2,6 Prozent auf 155,7 zum US-Dollar auf, da der US-Dollar unter Druck geriet. Gleichzeitig meldete eine andere Quelle, dass der US-Dollar bei 160,07 Yen notierte. Die kurzfristige Entwicklung ist damit widersprüchlich.

Japans Finanzministerin Satsuki Katayama kündigte ihre Teilnahme am G20-Finanzministertreffen an. Im Fokus dürfte der schwache Yen stehen. Katayama betonte, die gemeinsame Erklärung mit US-Finanzminister Scott Bessent sei weiterhin gültig, was auf eine mögliche Währungsintervention hindeutet.

Die Ölpreise schlossen leicht niedriger. Brent Nordseeöl sank um 0,4 Prozent auf 89,31 US-Dollar je Barrel, West Texas Intermediate fiel um 0,2 Prozent auf 83,40 US-Dollar je Barrel. Marktteilnehmer gewichten gemischte Signale zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus und die geopolitische Lage im Iran, was Unsicherheit am Ölmarkt erzeugt und die Risikoprämie beeinflusst.

Ausblick und anstehende Entscheidungen

Marktteilnehmer blicken auf den richtungsweisenden US-Arbeitsmarktbericht, der am Freitag erwartet wird. Schwache Arbeitsmarktdaten würden Gegnern einer baldigen Zinserhöhung ein Argument liefern. Analyst Timo Emden von CapTrader weist darauf hin, dass die Arbeitsmarktdaten entscheidende Hinweise auf die zukünftige Geldpolitik der Fed geben werden.

In der Eurozone stehen die vorläufigen Verbraucherpreisdaten für August im Fokus. Die deutschen Zahlen werden am Montag erwartet, die für den gesamten Euroraum am Dienstag. Die Commerzbank erwartet, dass die Inflation in der Eurozone von 2,9 Prozent im Juli auf 3,3 Prozent im August steigt, getrieben durch höhere Energiepreise.

Viele Anleger rechnen damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Sitzung am 10. September den Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent anheben wird.

Die unterschiedlichen geldpolitischen Ausrichtungen der großen Notenbanken bleiben ein zentraler Faktor für die globalen Finanzmärkte. Die weitere Entwicklung der Inflation und die Reaktion der Zentralbanken darauf werden die Märkte in den kommenden Wochen beeinflussen.