Ferrari festigt seine Ausnahmestellung: Rekordmargen und angehobene Prognosen untermauern Luxusstrategie
Ferrari, gemessen an seinen Margen das wertvollste Automobil- und Luxusgüterunternehmen, demonstriert weiterhin hohe Profitabilität. Der italienische Hersteller von Ultra-Luxus-Performance-Autos hat seine Jahresprognose für 2026 erneut angehoben. Das Unternehmen weist branchenführende Margen auf, die selbst in einem herausfordernden konjunkturellen Umfeld gesteigert wurden.
Die Strategie der künstlichen Verknappung, der hohen Preissetzungsmacht und der Individualisierung gehört zu Ferraris Kernstrategie und rückt das Unternehmen in die Nähe von Luxusmarken wie Hermès.
Geschäftsentwicklung: Wachstum trotz Modellwechsel
Im zweiten Quartal 2026 erzielte Ferrari einen Umsatz von 1,94 Milliarden Euro, ein Anstieg von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA stieg um sieben Prozent auf 755 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) legte um zehn Prozent auf 605 Millionen Euro zu. Der Nettogewinn erreichte 463 Millionen Euro, ein Plus von neun Prozent.
Diese Zahlen zeigen steigende Umsätze und Gewinne. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 hob Ferrari im Juli 2026 die Prognose für den Umsatz auf 7,6 Milliarden Euro (zuvor 7,5 Milliarden Euro) und für das bereinigte EBIT auf über 2,26 Milliarden Euro (zuvor über 2,22 Milliarden Euro) an. Das bereinigte EBITDA soll mindestens 2,97 Milliarden Euro erreichen.
Trotz der besseren Finanzkennzahlen sanken die Auslieferungen im zweiten Quartal 2026 leicht auf 3.366 Fahrzeuge. Das waren 128 Einheiten weniger als im Vorjahr. Berichte verbinden diesen Rückgang teilweise mit laufenden Modellwechseln. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte Ferrari insgesamt 6.802 Einheiten aus, nach 7.087 im Vorjahr.
Der Auftragsbestand reicht nach Angaben des Unternehmens bis Ende 2027. Für 2025 wurde der operative Gewinn pro ausgeliefertem Fahrzeug mit 223.680 Euro angegeben; eine andere Quelle nennt aktuell 154.700 Euro operativen Gewinn pro verkauftem Auto.
Margen als Maßstab des Erfolgs
Ferrari weist höhere Margen als die meisten Automobilhersteller auf. Die bereinigte EBIT-Marge lag im ersten Quartal 2026 bei 29,7 Prozent (30,9 Prozent auf Basis konstanter Wechselkurse; plus 40 Basispunkte gegenüber dem Vorjahr). Im zweiten Quartal 2026 erreichte die operative Marge 31,2 Prozent.
Diese Margen entsprechen einem Niveau, das mit Luxusgüterunternehmen verglichen wird. Sie stärken Ferraris Positionierung als Luxusmarke, eher mit Hermès als mit klassischen Premiumherstellern wie Mercedes oder BMW vergleichbar. Analysten und Research-Häuser wie Jefferies sehen Ferrari in einer Lage, in der sich das Unternehmen angesichts eines ultrareichen Kundenstamms stärker von der allgemeinen Autokonjunktur abkoppeln kann.
Die langfristigen Ziele bis 2030 sehen einen Umsatz von neun Milliarden Euro und ein bereinigtes EBITDA von 3,6 Milliarden Euro vor. Das jährliche Wachstum von etwa fünf Prozent, das bei der Ankündigung dieser Ziele 2026 formuliert wurde, lag unter den Markterwartungen von rund zehn Prozent. CEO Benedetto Vigna nennt als Gründe für die positive Entwicklung einen verbreiterten Modellmix, darunter den neuen 12Cilindri Manuale, sowie einen höheren Absatzanteil personalisierter und damit margenstarker Modelle wie die 3,6 Millionen Euro teure Sonderedition F80.
Herausforderungen der Elektrifizierung und Marktpositionierung
Die Elektrifizierungsstrategie hat konkrete Ziele bekommen: Für 2030 nennt Ferrari nun eine Aufteilung von 20 Prozent vollelektrischen Modellen, 40 Prozent Verbrennern und 40 Prozent Hybridfahrzeugen. Das erste vollelektrische Modell, der Ferrari Luce (Arbeitstitel „Elettrica“), wurde im Mai 2026 vorgestellt.
Die Aktie fiel nach der Präsentation kurzzeitig um mehr als acht Prozent. Das Jahresverkaufsziel für den Luce 2026 wurde Berichten zufolge zwei Monate nach der Enthüllung erreicht; es lagen 500 Bestellungen vor. Im Juni 2024 wurde in Maranello ein neues E-Building fertiggestellt, das eine Produktionskapazität von 20.000 Einheiten ermöglicht (bisher 14.000).
Die Aktie von Ferrari (RACE) notierte am 28. September 2026 bei 398,00 US-Dollar, ein Rückgang von 3,2 Prozent an diesem Tag und 15,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. GuruFocus schätzt den fairen Wert auf 503,76 US-Dollar (21 Prozent Differenz zur aktuellen Bewertung).
Morningstar taxiert den fairen Wert auf 370 Euro; bei einem Aktienkurs von rund 345 Euro (Juli 2026) entspricht das einem Abschlag von etwa 25 Prozent.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (TTM) liegt bei 37,0x und damit unter dem Fünf-Jahres-Median von 45,9x. Der historische Schnitt seit dem Börsengang 2015 wird mit 38 angegeben. Analysten auf Bloomberg nannten im Juli 2026 ein durchschnittliches Kursziel von 378,52 Euro.
Ausblick: Luxusgüter-DNA als Fundament für zukünftigen Erfolg
Ferraris Strategie beruht auf Exklusivität, limitierter Stückzahl, hohen Margen und intensiver Kundenbindung über die Marke. Die fortgesetzte Stärke des Auftragsbuchs, das nach Unternehmensangaben bis Ende 2027 gefüllt ist, weist auf eine anhaltend hohe Nachfrage hin.
Die kommenden Quartalszahlen und die weitere Entwicklung der Verkaufszahlen des vollelektrischen Luce werden von Marktbeobachtern genau verfolgt. Analysten wie Piral Dadhania von RBC sehen Ferrari aufgrund des begrenzten Angebots im Luxusgütersektor weiterhin als einen der Favoriten. Ob Ferrari seine Preissetzungsmacht und Margen im Übergang zu neuen Antriebstechnologien halten kann, wird die künftige finanzielle Entwicklung des Unternehmens mitbestimmen.







