Ferrari erprobt eine Rennstreckenversion seines kommenden Hybrid-Hypercars F80. Das Modell, intern als F80 XX bezeichnet, absolvierte Ende Juli Tests auf dem Circuit Portimão in Portugal. Fotos eines stark modifizierten Prototyps, die versehentlich veröffentlicht wurden, zeigen deutliche aerodynamische Modifikationen.

Der F80 XX baut auf dem regulären F80 auf, dessen Serienproduktion Ende 2025 starten und 2027 abgeschlossen sein soll.

Die Evolution einer Rennmaschine

Die Entwicklung des F80 XX reflektiert Ferraris Strategie, Motorsport-Technologie in exklusive Track-only-Fahrzeuge für ausgewählte Kunden zu integrieren. Diese Fahrzeuge tragen zur Entwicklung zukünftiger Technologien bei. Ferrari beantragte im Frühjahr Markenschutz für „F80 XX“. Die XX-Modelle sind nicht straßenzugelassen und werden an eine handverlesene Gruppe von Kunden verkauft.

Diese Kunden nutzen die Fahrzeuge bei privaten Ferrari-Track-Days und unterstützen so die Erprobung neuer Technologien. Ferrari entscheidet individuell, wem ein solches Fahrzeug angeboten wird.

Der F80 XX weist gegenüber dem Serienmodell F80 signifikante aerodynamische Anpassungen auf. Der aktive Heckspoiler des Standard-F80 wurde durch einen großen, feststehenden Flügel auf Schwanenhals-Halterungen ersetzt. Diese Bauweise ist typisch für GT-Rennwagen und erhöht den Abtrieb erheblich.

Zudem zeigt der XX einen aggressiveren Frontsplitter, einen deutlich größeren Heckdiffusor und eine kleine Dachfinne. Die Auspuffanlage wurde verlegt und führt durch die Motorabdeckung unter dem Flügel. Für den reinen Track-Einsatz sind außerdem Änderungen an Gewicht, Bremsen und Fahrwerksabstimmung zu erwarten.

Beobachter gehen davon aus, dass der Fokus eher auf gesteigertem Abtrieb als auf einer weiteren Leistungssteigerung liegt.

F80: Das Serienmodell im Detail

Der Ferrari F80 verfügt über eine Systemleistung von 1.200 PS (883 kW) aus einer Hybridarchitektur. Der Verbrennungsmotor, ein 3,0-Liter-Twin-Turbo-V6, liefert 900 PS (663 kW).

Dieser Motor ist eine Neuentwicklung und basiert auf dem V6 des Le-Mans-Gewinners Ferrari 499P LMH sowie des 296 Sportwagens. Er hat eine 120-Grad-Hot-V-Architektur und erreicht Drehzahlen von bis zu 9.200 Umdrehungen pro Minute. Mit 300 PS pro Liter Hubraum erreicht der F80 nach Angaben der Quellen die höchste Literleistung eines Serien-Benzinmotors.

Das Hybrid-System arbeitet mit einer 800-Volt-Architektur und einer 2,3-Kilowattstunden-Batterie. Angaben zur Verteilung und Anzahl der Elektromotoren widersprechen sich in den Quellen. Einige nennen ein E-Aggregat an der Vorderachse mit 60 Kilowatt beziehungsweise 81 PS und zwei Motoren an der Hinterachse mit jeweils 105 Kilowatt beziehungsweise 142 PS.

Andere Quellen benennen zwei Motoren an der Vorderachse, die zusammen rund 280 PS liefern, sowie einen Motor hinten mit 80 PS beziehungsweise 60 Kilowatt. Dieser ist für Motorstart, Rekuperation und zusätzlichen Drehmoment-Boost zuständig.

Unabhängig von der exakten Konfiguration beschreiben die Quellen Fahrleistungen von null auf 100 Kilometer pro Stunde in 2,2 Sekunden und null auf 200 Kilometer pro Stunde in 5,8 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit maximal 350 Kilometer pro Stunde angegeben.

Ingenieurskunst und Exklusivität

Die Aerodynamik des F80 ist aktiv ausgelegt und kann bis zu 1.050 Kilogramm Abtrieb erzeugen. Als Fahrwerk dient ein adaptives System mit Spool-Ventil-Dämpfern von Multimatic. Zur Verzögerung kommen rekuperative E-Motoren und Carbon-Keramik-Bremsen mit Brembo CCM-R Plus-Technologie zum Einsatz. Der Bremsweg aus 100 Kilometer pro Stunde wird mit 28 Metern angegeben.

Das fast 4,80 Meter lange Fahrzeug hat ein Leergewicht von rund 1.500 Kilogramm. Das Chassis besteht aus einem asymmetrischen Monocoque aus Kohlefaser und Verbundwerkstoffen. Aluminium-Subframes werden vorn und hinten eingesetzt.

Das Cockpit ist in einer „1+“-Konfiguration auf den Fahrer ausgerichtet. Der Fahrersitz sitzt dabei leicht vor dem Beifahrersitz. Physische Knöpfe am Lenkrad ersetzen digitale Layouts.

Das Lenkrad ist eine Neuentwicklung, die in zukünftigen Modellen verwendet werden soll.

Der F80 bietet die Fahrmodi Hybrid, Performance und Qualify. Letzterer schaltet laut Quellen die volle Leistung frei. Ein rein elektrischer Fahrmodus ist nicht vorgesehen.

Die Produktion des Serienmodells ist auf 799 Exemplare weltweit limitiert. Der Preis für deutsche Kunden wird in mehreren Quellen mit rund 3,5 Millionen Euro angegeben. Die Erprobung des F80 XX auf Rennstrecken wie Portimão knüpft an eine lange Testtradition Ferraris an.

Die private Teststrecke Fiorano wurde 1972 eröffnet und dient seitdem der Entwicklung von Formel-1-Rennwagen, GT-Rennwagen und Serienfahrzeugen unter direkter Aufsicht der Ingenieure. Für den F80 wird am Fiorano eine Rundenzeit von 1:15,3 Minuten genannt. Dies ist 4,4 Sekunden schneller als ein LaFerrari.

Ausblick auf die Markteinführung und darüber hinaus

Die intensiven Tests des F80 XX vor der offiziellen Markteinführung des Serienmodells verdeutlichen, dass Ferrari die Entwicklung seiner neuesten Hypercar-Generation konsequent vorantreibt. Die XX-Variante dient als Technologieträger für Aerodynamik und Fahrwerksabstimmung. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse können in zukünftige Entwicklungen einfließen.

Die geplante Fertigung des F80 bis 2027 und die gleichzeitige Erprobung des XX-Modells unterstreichen Ferraris strategischen Fokus auf leistungsstarke und exklusive Hybrid-Hypercars. Analysten beobachten, inwieweit diese Rennstreckenmodelle nicht nur technologische Vorteile generieren, sondern auch die Markenattraktivität im Hochpreissegment weiter festigen.