Larry Fink, CEO von BlackRock, prognostiziert ein Ende der Investitionszurückhaltung und warnt vor einem globalen Kapitalwettbewerb. Er hebt die Notwendigkeit hervor, privates Kapital durch staatliche Infrastrukturinvestitionen zu mobilisieren. Zugleich kritisiert er, dass der Kapitalismus nicht für genügend Menschen funktioniert und befürchtet, dass die Verbreitung Künstlicher Intelligenz (KI) Ungleichheiten verstärken könnte.

Globaler Kapitalwettbewerb und die Rolle Deutschlands

Larry Fink, Chairman und CEO von BlackRock, dem weltweit größten Vermögensverwalter, beschreibt eine fundamentale Neuordnung der globalen Wirtschaftslandschaft. Er erwartet ein Ende der Investitionszurückhaltung und fordert, dass Staaten wie Deutschland aktiv im globalen Kapitalwettbewerb agieren, um ihre Position zu sichern.

Die Bundesregierung bemüht sich um internationales Kapital. Fink betont, dass privates Kapital in erheblichem Umfang folgen wird, sofern der Staat in konkrete Infrastrukturprojekte investiert. Er merkte an: „Deutschland braucht mehr Wachstum, und das gelingt nur, wenn privates Kapital freigesetzt wird.“

BlackRock selbst investiert nach eigenen Angaben seit Jahrzehnten in Deutschland und ist von den Perspektiven des Landes überzeugt.

Langfristige Investment-Perspektiven

Fink, Mitbegründer von BlackRock im Jahr 1988, rät Investoren, sich nicht aus Angst aus dem Markt zurückzuziehen. Er unterstreicht die Attraktivität langfristiger Anlagen und verweist auf die historische Marktperformance: Ein Dollar, der seit 1989 im US-Aktienmarkt angelegt wurde, entwickelte sich demnach deutlich stärker als ein an den Medianlohn gebundener Dollar. Wer in den vergangenen 20 Jahren im S&P 500 investiert blieb, verachtfachte seinen Einsatz.

Fink fasst zusammen: „Über die Zeit war es weitaus entscheidender, investiert zu bleiben, als den perfekten Zeitpunkt zu erwischen.“ Er weist zudem darauf hin, dass einige der stärksten Markttage in Phasen besonders beunruhigender Schlagzeilen lagen.

KI und wachsende Vermögensungleichheit

Ein zentrales Thema in Finks Analysen ist die zunehmende Vermögensungleichheit. Er kritisiert, dass der Kapitalismus für zu wenige Menschen funktioniert, da Wohlstandsgewinne überwiegend Kapitalbesitzern zugutekommen. Rund 40 Prozent der US-Bevölkerung sind nicht am Kapitalmarkt beteiligt.

Fink warnt, dass die rasche Entwicklung der Künstlichen Intelligenz das Risiko birgt, diese Ungleichheit zu verstärken. Der geschaffene Wert konzentrierte sich historisch bei Unternehmen und Investoren, die die Technologie besitzen. Er sieht ein „reales Risiko“, sollte das Eigentum an diesen Gewinnen nicht breiter verteilt werden.

Dieses breite Gefühl, dass der Kapitalismus nicht für genügend Menschen funktioniert, bezeichnet er als Ursache vieler wirtschaftlicher Ängste.

BlackRocks Ambitionen und Marktposition

BlackRock veröffentlichte die Zahlen für das dritte Quartal 2024: Der angepasste Gewinn pro Aktie stieg um 38 Prozent auf 15,93 US-Dollar, der Umsatz um 19 Prozent auf 7,75 Milliarden US-Dollar. Die Nettomittelzuflüsse lagen bei 205 Milliarden US-Dollar und übertrafen damit die Erwartungen. Das verwaltete Vermögen (AUM) erreichte zum Ende des dritten Quartals 2024 insgesamt 15,5 Billionen US-Dollar.

Das Unternehmen verfolgt mittelfristige Wachstumsziele: Der Umsatz soll bis 2030 auf mehr als 35 Milliarden US-Dollar steigen, während operatives Ergebnis und Marktkapitalisierung sich verdoppeln sollen. Besondere Zuflüsse verzeichneten ETFs mit 135 Milliarden US-Dollar und Fixed Income mit 79 Milliarden US-Dollar. Private Markets brachten 15,3 Milliarden US-Dollar Nettozuflüsse, davon 7,6 Milliarden US-Dollar in Infrastrukturfonds.

Warnung vor Rezessionsrisiken durch Rechenzentren

Fink warnte, ein Moratorium für den Bau von Rechenzentren in den USA könne eine Rezession auslösen. Er betonte, wie stark Teile der US-Wirtschaft auf den Ausbau dieser Investitionen angewiesen sind und dass ein Baustopp die Kapitalausgaben erheblich beeinträchtigen würde. Analysten wie Gartner schätzen, dass KI-Infrastruktur-Ausgaben von mehr als 3,5 Billionen US-Dollar bis 2030 betroffen sein könnten, sollten entsprechende Moratorien greifen.

Parallel dazu weist Fink auf die steigende US-Staatsverschuldung hin: Diese sei von rund 8 Billionen US-Dollar im Jahr 2000 auf prognostizierte 40 Billionen US-Dollar im Jahr 2026 gestiegen. Er kritisiert zudem, dass Regierungspolitik „weitaus inflationärer“ wirke, etwa durch Einwanderung oder Onshoring, ohne die Kostenfolgen ausreichend zu berücksichtigen.

Ausblick auf Wirtschaft und Finanzen

Finks Einschätzungen zeichnen ein vielschichtiges Bild: Er fordert eine „Globalisierung 2.0“, die breiter angelegt ist und mehr Menschen einschließt. Die Q3-Zahlen und strategischen Ziele unterstreichen BlackRocks Ambitionen, zugleich bleiben Fragen zur Vermögensungleichheit, zu den Folgen der KI und zu fiskalpolitischen Entscheidungen offen. Marktbeobachter werden verfolgen, inwieweit politische Maßnahmen zu Infrastruktur und Regulierung die von Fink beschriebene Mobilisierung privaten Kapitals fördern oder behindern.

Ebenso relevant wird sein, wie Regierungen den Zielkonflikt zwischen Investitionen und Preisstabilität adressieren.