Institutionelle Investoren integrieren Private Credit zunehmend in ihre Portfolios. Der Markt verzeichnet Wachstum und wird bis 2029 voraussichtlich 5 Billionen US-Dollar erreichen. Versicherungsgesellschaften spielen dabei eine maßgebliche Rolle, indem sie über ein „Insurance Mindset“ langfristige Kapitalerhaltung und verlässliche Einkommen in den Fokus rücken.

Das „Insurance Mindset“ als Blaupause

Der Private-Credit-Markt ist zu einem permanenten Bestandteil institutioneller Portfolios geworden; seine Bewertung wird zunehmend komplexer. Die zentrale Frage für dich als Anleger lautet nicht mehr, ob Private Credit neben traditionellen festverzinslichen Wertpapieren existiert, sondern wie sich Renditen unterscheiden, die lediglich ein höheres Risiko kompensieren, von solchen, die durch robustes Risikomanagement gestützt werden.

Versicherungsgesellschaften verfolgen Anlagemodelle, die auf zuverlässige Einkommen bei gleichzeitiger Kapitalerhaltung über mehrere Wirtschafts- und Marktzyklen zielen. Dieses „Insurance Mindset“ wird als nützliche Lehre für Pensionsfonds, Stiftungen und andere langfristig orientierte Anleger betrachtet.

Die NAIC (National Association of Insurance Commissioners) überwacht Private-Credit-Investitionen von Versicherungsgesellschaften mittels verschiedener Initiativen zur Verbesserung der Aufsicht. Am 1. Januar 2024 erhöhte die NAIC den Risikokapitalaufschlag (RBC charge) für Residualtranchen von strukturierten Wertpapieren: für Lebensversicherer von 30 Prozent auf 45 Prozent, für Sach- und Krankenversicherer von 15 Prozent auf 20 Prozent.

Diese Änderungen erhöhen die Kapitalanforderungen für entsprechende Positionen.

Marktwachstum und Kapitalströme

Der Private-Credit-Markt wuchs von circa 2 Billionen US-Dollar im Jahr 2020 auf circa 3 Billionen US-Dollar Anfang 2025. Prognosen sehen ein Wachstum auf etwa 5 Billionen US-Dollar bis 2029. Insurance-linked capital wird in der Analyse als struktureller Treiber dieser Entwicklung beschrieben, nicht als zyklischer Teilnehmer.

US-Versicherer verwalteten zum Jahresende 2024 insgesamt 8,98 Billionen US-Dollar an investierten Vermögenswerten, ein Wachstum von 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Schedule-BA-Assets (alternative Anlagen, zu denen auch Private Credit gehört) machten 6,4 Prozent der gesamten Anlagevermögen aus und wuchsen gegenüber dem Vorjahr um 7,8 Prozent.

Eine Anfang 2025 durchgeführte Umfrage von Goldman Sachs Asset Management unter 405 Chief Investment Officers und Chief Financial Officers, die über 14 Billionen US-Dollar an Versicherungsbilanzvermögen repräsentieren, ergab, dass 58 Prozent der Befragten planten, ihre Allokationen in Private Credit in den nächsten zwölf Monaten zu erhöhen. 40 Prozent beabsichtigten, Allokationen in Investment-Grade Private Credit zu erhöhen. 36 Prozent planten eine Aufstockung in Asset-Based Finance (ABF).

CLOs im Fokus der Versicherer

Collateralized Loan Obligations (CLOs) sind ein Bestandteil der Private-Credit-Investitionen von Versicherern. Zum Jahresende 2024 hielten US-Versicherer CLO-Engagements im Wert von 276,8 Milliarden US-Dollar. Das entspricht 5,1 Prozent ihrer gesamten Anleihebestände und 3,1 Prozent ihrer gesamten liquiden und angelegten Vermögenswerte.

Das CLO-Volumen hat sich seit 2018 verdoppelt; 82 Prozent davon entfallen auf Lebensversicherer. Etwa 80 Prozent der CLO-Positionen sind Investment Grade oder höher eingestuft, rund 39 Prozent haben ein AAA-Rating.

Private-Equity-eigene Versicherer gibt es dem Bericht zufolge 137. Sie halten zum Jahresende 2024 etwa 21 Prozent des gesamten CLO-Engagements der Versicherungsbranche, rund 59 Milliarden US-Dollar. Ihre durchschnittliche Kreditqualität liegt bei circa 65 Prozent Investment Grade und 21 Prozent AAA, unter dem Branchendurchschnitt.

Europäische Entwicklung und aufstrebende Strategien

In Europa wächst das Private-Credit-Fundraising: In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 erreichte das Fundraising für europäische Private Credit 65 Milliarden US-Dollar, 14 Prozent mehr als im gesamten Vorjahr 2024 (57 Milliarden US-Dollar). Der Anteil am gesamten Private-Debt-Fundraising lag in diesem Zeitraum bei 35 Prozent, gegenüber etwa 24 Prozent in den Jahren 2023 und 2024.

Zwei europäische „Megafonds“ überschritten 2025 die 10-Milliarden-Euro-Marke; eines der genannten Beispiele ist Ares Capital Europe VI mit 17,1 Milliarden Euro. Die Regionenverteilung des Private-Credit-Fundraisings in den ersten neun Monaten 2025 wird mit Europa 35 Prozent, Multi-Region-Fonds 37 Prozent (70 Milliarden US-Dollar) und Nordamerika 28 Prozent (52 Milliarden US-Dollar) angegeben.

Specialty Finance, eine Unterstrategie des Private Credit, sammelte 2025 37 Milliarden US-Dollar ein, mehr als in den beiden Vorjahren zusammen. Sie war 2025 die zweitgrößte Unterstrategie nach Direct Lending (79 Milliarden US-Dollar) und die beliebteste Strategie für neue Private-Credit-Launches mit 84 neuen Fonds.

Evergreen-Strukturen und Herausforderungen

Evergreen Private Credit AUM erreichten zum 30. Juni 2025 644 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 28 Prozent seit Ende 2024 (rund 45 Prozent im Jahresvergleich). Davon entfallen laut Bericht etwa 120 Milliarden US-Dollar auf institutionelle Fonds und rund 520 Milliarden US-Dollar auf Private-Wealth-Vehikel gemäß ’40 Act.

Analysten und Berichte liefern Prognosen, wonach die ’40 Act Private Credit AUM bis 2028 die Marke von 1 Billion US-Dollar überschreiten könnten; nicht gehandelte BDCs könnten dies bis 2030 ebenfalls erreichen.

Zugleich äußern Analysten Besorgnis über mögliche Lockerungen bei Underwriting-Disziplin, Kreditbewertungen und Sektorexposure – insbesondere im Softwarebereich. Ein Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) aus dem Jahr 2025 weist aus, dass rund 40 Prozent der Private-Credit-Kreditnehmer einen negativen freien Cashflow aufweisen, gegenüber 25 Prozent im Jahr 2021.

Ausblick auf Regulierung und Marktentwicklung

Die NAIC hat ihre Aufsicht über Private-Credit-Investitionen von Versicherern weiterentwickelt; die prinzipienbasierte Anleihedefinition der NAIC trat am 1. Januar 2025 in Kraft. Im Januar 2026 wurde die Credit Rating Provider Working Group (CRP Working Group) gegründet.

Die NAIC veröffentlichte zudem im April 2026 ein Issue Brief zu Private Credit und CLOs und legte im Mai 2026 einen vorgeschlagenen CRP Due Diligence Framework vor.

Marktbeobachter erwarten, dass die fünf größten börsennotierten Private-Markets-Fondsmanager bis zum Ende des Jahrzehnts knapp 5 Billionen US-Dollar an permanentem Kapital verwalten könnten. Beobachter sehen weiteres Wachstum und eine fortschreitende Professionalisierung, getrieben durch Nachfrage institutioneller Anleger und Anpassungen der regulatorischen Rahmenbedingungen.