Frankfurt am Main fällt im Global Financial Centres Index (GFCI 40) um 14 Plätze auf Rang 29 weltweit. Innerhalb der Europäischen Union liegt die Mainmetropole damit auf Rang fünf, hinter Luxemburg.

Der Londoner Thinktank Z/Yen und das China Development Institute veröffentlichen den GFCI zweimal jährlich. Frankfurts Rangverlust geht mit einem Rückgang der Punktzahl von 734 auf 730 einher. Ein Verlust von lediglich vier Punkten kann in einem dicht gestaffelten Feld erhebliche Rangverschiebungen verursachen.

Der Durchschnitt aller bewerteten Finanzzentren stieg um 0,8 Prozent, während Frankfurt weitgehend stagnierte.

Frankfurts europäische und globale Position

In Westeuropa belegt Frankfurt den neunten Rang. Es liegt damit hinter London, Zürich, Genf, Luxemburg, Lugano, Paris, Kopenhagen und Amsterdam. Luxemburg wird im GFCI 40 als wichtigster Finanzplatz der EU eingeordnet und erreicht weltweit Rang 17.

Amsterdam mit 733 Punkten und Paris mit 736 Punkten überholen Frankfurt im GFCI 40. Global führen New York, London, Hongkong und Singapur das Ranking an. Zürich ist neu in den Top 10 vertreten.

Der GFCI 40 beleuchtet auch die Entwicklung anderer deutscher Standorte: München steigt um 15 Plätze auf Rang 58. Berlin fällt um vier Plätze auf Rang 45, erreicht jedoch eine verbesserte Punktzahl von sechs Punkten. Hamburg verliert acht Plätze und liegt nun auf Rang 84.

Im Fintech-Ranking verliert Frankfurt sechs Plätze und landet auf Rang 45. Berlin ist mit Rang 21 führender deutscher Fintech-Standort. München belegt im Fintech-Ranking Rang 42, Hamburg Rang 75.

Ursachen des Abstiegs: Wahrnehmung und Fakten

Der GFCI kombiniert quantitative Indikatoren mit Umfragen zur Wahrnehmung von Finanzexperten. Kleine Punkteveränderungen können in diesem System deutliche Rangverschiebungen zur Folge haben. Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, mahnt zur Einordnung des Index: „Ein Finanzzentrum lebt nicht nur von Bilanzsummen, Handelsvolumina und Beschäftigungszahlen.

Es lebt auch davon, wo Fintechs gegründet werden und wo internationale Talente mit ihren Familien leben möchten. Und solche Entscheidungen beeinflusst auch die Wahrnehmung. Wenn Frankfurt im internationalen Vergleich an Attraktivität verliert – oder sogar nur als weniger dynamisch wahrgenommen wird – sollten wir uns nicht damit trösten, dass ein Ranking methodische Schwächen besitzt.

Wir sollten fragen: Gibt es reale Probleme hinter dem Signal? Für einige Punkte lautet die Antwort leider: ja."

Im GFCI 40 platziert sich Frankfurt in keiner der fünf Wettbewerbskategorien – Geschäftsumfeld, Humankapital, Infrastruktur, Finanzsektor, Reputation – unter den ersten 15. Der Index benennt Schwächen etwa beim Geschäftsumfeld, Humankapital und bei der Infrastruktur. Als Herausforderungen gelten unter anderem die Attraktivität für internationales Top-Talent, steuerliche Rahmenbedingungen und administrative Hürden.

Deutschland bietet nach der Analyse wenig steuerliche Anreize für international mobile Fachkräfte. Bei einem Bruttojahresgehalt von 250.000 Euro verbleiben in der Vergleichsrechnung in Frankfurt etwa 142.000 Euro netto. In Paris sind es 158.000 Euro, in Amsterdam 171.000 Euro und in Luxemburg 194.000 Euro.

Die Differenz zwischen Frankfurt und Luxemburg kann pro Jahr über 50.000 Euro netto betragen und sich über fünf Jahre auf mehr als eine Viertelmillion Euro summieren.

Auch Bearbeitungszeiten für Arbeits- und Aufenthaltserlaubnisse sind ein Thema. In Deutschland werden sie in der Analyse mit mehreren Monaten angegeben. In konkurrierenden Finanzzentren wie Amsterdam, Luxemburg, Kopenhagen oder Paris dauern sie wenige Tage.

Ein zentraler „Fast Track“ für internationale Schlüsselkräfte mit One-Stop-Shop wird in der Analyse als nicht vorhanden beschrieben. In einem dicht gedrängten, schnell beweglichen Feld genügt Stillstand, um zurückzufallen, wenn Faktoren wie Talentmobilität, Regulierung und digitale Infrastruktur eine Rolle spielen.

Brexit-Effekt und institutionelle Stärken

Frankfurt hat seit dem Brexit-Votum 2016 profitiert und galt früh als aussichtsreicher Standort für Verlagerungen von Bankgeschäften aus London. Fast 60 Lizenzen an Banken, Finanzdienstleister und Versicherungen erteilte die Stadt seit dem Brexit. Rund 60 Institute haben ihr Geschäft in Frankfurt neu angesiedelt oder erweitert.

Nach Angaben der Wirtschaftsförderung Frankfurt entstanden dadurch etwa 3.600 neue Arbeitsplätze im Finanzsektor. Insgesamt werden durch Verlagerungen aus dem Brexit-Kontext rund 15.000 neue Arbeitsplätze, inklusive IT und Recht, genannt. Zudem wird ein nach Frankfurt verlagertes Geschäftsvolumen von etwa 1,3 Billionen Euro an Bankaktiva sowie zusätzliche Steuereinnahmen in der Größenordnung von circa 2,5 Milliarden Euro angegeben.

Im März 2021 erreichte Frankfurt im GFCI mit Platz neun seine bis dahin beste Platzierung für einen kontinentaleuropäischen Finanzplatz.

Das Ende des initialen Brexit-Effekts wird in der Recherche als weitgehend erreicht beschrieben. Positive Folgen sind aber weiterhin spürbar. London bleibt laut den Analysen Europas wichtigster Finanzplatz.

Langfristige Stärken Frankfurts liegen in der Präsenz wichtiger EU-Institutionen wie der Europäischen Zentralbank, der Deutschen Bundesbank und der einheitlichen europäischen Bankenaufsicht (SSM). Seit 2025 ist Frankfurt Sitz der Anti Money Laundering Authority (AMLA). Das International Sustainability Standards Board (ISSB) hat seinen Sitz seit 2022 in Frankfurt.

Experten betonen die Konzentration von Banken und Bankenregulierung in Frankfurt: Sascha Steffen von der Frankfurt School of Finance sieht darin eine Stärke. Ulrike Bischoff von der Helaba bezeichnet finanzbezogene Institutionen als klares Asset. Frankfurts dichtes akademisches Netzwerk, die Goethe-Universität und die Frankfurt School of Finance & Management, der internationale Flughafen und ein großer Internetknotenpunkt gelten in der Recherche ebenfalls als Standortvorteile.

Ausblick: Wettbewerb um Talente und EU-Integration

Die Ergebnisse des GFCI 40 verdeutlichen, dass Frankfurt trotz institutioneller Stärken und Brexit-Effekten seine Position nicht als gesichert betrachten kann. Themen wie steuerliche Belastung für Spitzenverdiener und die Geschwindigkeit administrativer Prozesse stehen in der Debatte um Standortattraktivität weit oben. Frankfurt Main Finance und die Stadt Frankfurt nennen Sustainable Finance, EU-Taxonomie und Anti-Geldwäsche als wichtige Handlungsfelder.

Die Entwicklung weiterer deutscher Finanzzentren, etwa der deutliche Aufstieg Münchens im aktuellen Ranking, wird weiterhin beobachtet. Die geplante „Spar- und Investitionsunion“ der EU ist für 2025 vorgesehen. Es bleibt abzuwarten, wie Frankfurt auf die aktuellen Herausforderungen reagiert und ob es gelingt, die Wahrnehmung als attraktiver Standort für internationale Talente und Unternehmen langfristig zu verbessern.

Analysten werden die Umsetzung dieser Maßnahmen und ihre Auswirkungen auf Frankfurts Wettbewerbsfähigkeit genau beobachten.