Extreme Wetterereignisse wie Starkregen stellen urbane Infrastrukturen vor wachsende Herausforderungen. Die Kanalisation vieler Städte kann die immer häufiger auftretenden Wassermassen oft nicht aufnehmen. Dies führt zu Überflutungen und eindringendem Wasser. Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik entwickelte daher ein Fassadensystem namens „Vertical Water Sponge“.
Dieses System speichert große Regenwassermengen direkt in der Fassade. Es verhindert so die Einleitung in die Kanalisation. Die Technologie ergänzt das „Schwammstadt“-Prinzip und kann neben dem Schutz vor Starkregen zur Abkühlung von Straßenzügen beitragen.
Starkregen fordert urbane Infrastruktur heraus
Klimadaten unterstreichen die Notwendigkeit solcher Lösungen. Der Weltklimarat IPCC und der Deutsche Wetterdienst belegen eine Zunahme von Starkregenereignissen. In einem durchschnittlichen August fallen in Deutschland etwa 78 Liter Regen pro Quadratmeter. Bei Extremwetter kann dieselbe Menge innerhalb weniger Stunden herabkommen.
Der hohe Versiegelungsgrad der Böden in Städten verschärft die Situation. Das Wasser kann nicht natürlich versickern, zudem überschreiten die Kapazitäten der Kanalisation schnell ihre Grenzen. Dies führt zu überfluteten Straßen und eindringendem Wasser in Kellerräumen.
Holger Wack, Abteilungsleiter am Fraunhofer Umsicht, beschreibt den „Vertical Water Sponge“ als eine Ergänzung des „Schwammstadt“-Prinzips. Das System nimmt große Wassermengen auf, anstatt sie in die Kanalisation zu leiten. Es nutzt Fassadenflächen, die bislang kaum zur Wasserspeicherung beitrugen.
Ramona Jones, Spezialistin für nachhaltiges Wassermanagement bei der Immobilienberatung Drees & Sommer, betont die Problematik des hohen Versiegelungsgrads in den Städten.
Wachsende Gefahren für den Gebäudebestand
Eine Analyse von Wüest Partner und Climada Technologies für 23 Millionen Gebäude in Deutschland prognostiziert eine deutliche Zunahme gefährdeter Gebäude. Der Anteil der durch Starkregen gefährdeten Gebäude könnte bis 2050 von heute rund 0,4 Prozent auf über zehn Prozent steigen.
Der deutsche Gebäudebestand ist auf solche Klimafolgen nicht vorbereitet. Die Immobilienwirtschaft, Investoren, Hauseigentümer und Kommunen stehen vor der Aufgabe, präventive Maßnahmen zu ergreifen. Dies schützt Gebäude und öffentliche Infrastruktur vor zukünftigen Überschwemmungen.
Allgemeine Fassadenbegrünungen gelten als Maßnahme zur Verbesserung des Mikroklimas durch Verdunstung, zum Schutz vor UV-Strahlung und zur Speicherung von Regenwasser. Der „Vertical Water Sponge“ erweitert diese Ansätze um eine auf Starkregenereignisse zugeschnittene Lösung.
Ausblick auf Implementierung und Marktpotenzial
Das Fraunhofer Umsicht entwickelte den „Vertical Water Sponge“ als Antwort auf Herausforderungen des Klimawandels in urbanen Räumen. Es bleibt abzuwarten, ob und wie schnell diese und ähnliche bauphysikalische Lösungen in den Markt integriert werden. Die Frage stellt sich, welche Investitionen Eigentümer und Projektentwickler für Nachrüstungen oder für Neubauten tätigen.
Für Kommunen ergeben sich Fragen der Förderfähigkeit und der Integration solcher dezentralen Wassermanagementlösungen in Stadtentwicklungsstrategien.







