Frédéric Arnault, CEO von Loro Piana und das vierte Kind von LVMH-Gründer Bernard Arnault, beteiligt sich am französischen Hypercar-Hersteller Delage. Das Engagement erfolgt über seine Pariser Investmentfirma Marbeuf Capital. Laurent Tapie, CEO von Delage, bezeichnete die Beteiligung als „leidenschaftliches Investment mit patriotischer Komponente“.
Dieser Schritt vollzieht sich, während LVMH und der breitere Luxusmarkt mit Herausforderungen ringen.
Arnaults Einstieg bei Delage
Delage ist eine traditionsreiche Marke, 1905 gegründet und in den 1950er Jahren eingestellt. Laurent Tapie, der sich selbst als „Re-Founder“ bezeichnet, hat die Marke in den vergangenen acht Jahren wiederbelebt. Aktuell bereitet Delage die Auslieferung des zweiten von insgesamt 30 geplanten D12-Hypercars vor.
Parallel dazu laufen technische Studien für ein zweites Modell an. Tapie plant indes eine neue Finanzierungsrunde, um die internationale Bekanntheit der Marke über die überwiegend französische Kundschaft hinaus zu steigern. Bislang stammen über 95 Prozent des in Delage investierten Kapitals aus Frankreich.
Arnault und Tapie verbindet nach Quellenangaben eine gemeinsame Leidenschaft für Fußball.
Engagement in der Gastronomie
Die Beteiligung an Delage ist nicht das einzige Engagement Frédéric Arnaults neben seiner Rolle als CEO von Loro Piana. Über Marbeuf Capital ist er auch in der Pariser Gastronomie aktiv. Dazu gehört die Lapérouse Holding mit neun Pariser Lokalen, darunter Lapérouse, Lafayette’s und Prunier.
Bis Ende 2026 sind hier sieben weitere Neueröffnungen geplant. Ferner ist Arnault am Restaurant La Petite Chaise beteiligt, das seit 1680 betrieben wird und als ältestes Restaurant von Paris gilt. Marbeuf Capital hält zudem Beteiligungen an Golf- und Tennisklubs im 16.
Arrondissement. In der Gastronomie kooperiert Arnault mit Benjamin Patou, während Alexandre de Rothschild ebenfalls Investor beim Restaurant La Petite Chaise ist.
Loro Piana unter Arnaults Führung
Frédéric Arnault ist seit Juni 2025 CEO von Loro Piana, der italienischen Marke, die seit 2013 mehrheitlich zu LVMH gehört. Das Unternehmen nennt als strategische Prioritäten die Kontrolle von Know-how, industrielle Entwicklung und vertikale Integration. Eine konkrete Maßnahme ist die Einweihung eines neuen Strickwarenwerks in Ghemme, Piemont, am 19. September 2026.
Die 8.000 Quadratmeter große Anlage stellt nach Unternehmensangaben die größte Einzelinvestition in der Geschichte von Loro Piana dar, mit Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe. Das Werk soll innerhalb der nächsten drei Jahre rund 300 Mitarbeiter beschäftigen. Frédéric Arnault betonte: „Das Werk in Ghemme ist nicht einfach eine neue Fabrik.
Es ist ein strategischer Meilenstein für die Maison: ein Ort, der die Fertigungsexzellenz neu definiert und gleichzeitig unser langfristiges Wachstum sowie unsere Ambitionen unterstützt.“
Im April 2026 wurde eine gerichtliche Aufsichtsmaßnahme für Loro Piana, die Subunternehmer betraf, frühzeitig aufgehoben. LVMH erhöhte seine Beteiligung an Loro Piana von 85 auf 94 Prozent durch den Kauf zusätzlicher neun Prozent der Anteile für eine Milliarde Euro. Die Bewertung von Loro Piana lag beim LVMH-Kauf 2013 bei rund zwei Milliarden Euro und wird aktuell mit etwa elf Milliarden Euro angegeben.
Analystenschätzungen nennen einen Jahresumsatz von knapp drei Milliarden Euro, was Loro Piana zur drittgrößten LVMH-Marke in der Sparte Fashion und Leather Goods machen würde. Für das erste Quartal 2026 verzeichnete Loro Piana ein zweistelliges Wachstum. Das zweite Quartal wurde als „exzellente Performance“ beschrieben.
Herausforderungen für LVMH im Luxussegment
Am 15. September 2026 überholte L’Oréal LVMH als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen Frankreichs. Die Marktkapitalisierung von L’Oréal lag damit bei rund 203 Milliarden Euro, die von LVMH bei rund 201 Milliarden Euro.
LVMH verlor an diesem Tag auch seinen Platz unter den Top 10 der wertvollsten europäischen Unternehmen. Seit Jahresbeginn 2026 verzeichneten die LVMH-Aktien einen Rückgang von 35 Prozent, wohingegen L’Oréal-Aktien im gleichen Zeitraum um etwa fünf Prozent zulegten. Bernard Arnault verlor in der Rangliste der reichsten Europäer den Spitzenplatz an Zara-Gründer Amancio Ortega.
Analysten kommentierten die Nachfrageentwicklungen im Luxusbereich. Nick Anderson von Berenberg merkte an, Konsumenten könnten sich teure Luxusartikel weniger leisten und griffen stattdessen zu kleineren Luxusgütern. Stefan Bauknecht von DWS Equity äußerte, er sehe keine signifikante Verbesserung der Luxustrends.
Ausblick und Marktreaktionen
Tapie plant eine neue Finanzierungsrunde mit dem Ziel, Investoren aus den USA, dem Nahen Osten, China und Japan zu gewinnen. Konkrete Details zum Volumen der Beteiligung Frédéric Arnaults an Delage oder zu seinem genauen Anteil am Unternehmen wurden nicht genannt und bleiben offen. Loro Piana plant zudem die Eröffnung eines Flagship-Stores in Tokio an der Omotesandō Avenue im Oktober 2026.
Die jüngsten Verschiebungen in der Marktkapitalisierung und die Analystenkommentare unterstreichen den anhaltenden Druck auf das Luxussegment, insbesondere bei den hochpreisigen Artikeln. Der Markt beobachtet nun, wie LVMH und seine Marken auf das veränderte Konsumentenverhalten und die verstärkte Konkurrenz reagieren.







