Das Food-Startup Fryzza sichert sich in der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ ein Investment von 350.000 Euro. Ralf Dümmel und Frank Thelen steigen gemeinsam bei dem Unternehmen ein, das Tiefkühlpizzen speziell für Heißluftfritteusen vertreibt. Für das Kapital treten die Gründer 28,57 Prozent ihrer Anteile ab.

Ziel der Partnerschaft ist die zügige bundesweite Listung im Lebensmitteleinzelhandel über das Vertriebsnetzwerk der Investoren.

Bewertungsabschlag für schnellen Marktzugang

Der Abschluss markiert eine deutliche Zäsur in den ursprünglichen Bewertungsplänen des Gründungsteams. Das Team um den TV-Moderator Dieter Könnes und den Koch Alexander Wulf warb in der Sendung um 350.000 Euro für zehn Prozent der Anteile. Dies entsprach einer rechnerischen Post-Money-Bewertung von 3,50 Millionen Euro beziehungsweise 3,15 Millionen Euro vor dem Einstieg.

Um den Zuschlag der beiden Investoren zu erhalten, akzeptieren die Gründer einen Bewertungsabschlag von rund 65 Prozent. Bei einer finalen Post-Money-Bewertung von 1,225 Millionen Euro fließen exakt zwei Siebtel der Anteile an Dümmel und Thelen. Die Gesellschafterstruktur verteilt sich fortan gleichmäßig auf sieben Personen.

Neben den Neuinvestoren halten die fünf Altgesellschafter jeweils rund 14,29 Prozent am Unternehmen. In der Aufzeichnung lagen dem Team drei Angebote vor, unter anderem signalisierte Janna Ensthaler Interesse. Trotz der Zugeständnisse bei der Bewertung weist Fryzza operative Traktion auf: In den ersten sechs Monaten nach dem Markteintritt erwirtschaftete das Startup einen Umsatz von rund 500.000 Euro.

Fünf Köpfe und ein schlankes Betriebsmodell

Hinter dem Unternehmen mit Sitz im nordrhein-westfälischen Baesweiler steht ein fünfköpfiges Gründerteam. Neben Dieter Könnes und Alexander Wulf gehören Sommelier Ronny Schreiber sowie die Handelsexperten Lars Jansen und Josef Kirisits zum Gesellschafterkreis. Jansen leitet einen Großhandel für importierte Süßwaren und Getränke, Kirisits steuert ein Händlernetzwerk in Österreich und verantwortet die Produzentenkontakte.

Operativ verzichtet Fryzza vollständig auf eigene Produktionsstätten. Ein spezialisierter Auftragsfertiger in Ungarn übernimmt die Herstellung der rechteckigen Pizzen. Das Produkt basiert auf einem handgezogenen Weizensauerteig mit 24 Stunden Reifezeit, wird im Steinofen vorgebacken und anschließend schockgefrostet.

Dieses schlanke Modell begrenzt kapitalintensive Vorabinvestitionen und minimiert die administrative Komplexität.

Die interne Wertschöpfung konzentriert sich auf Produktentwicklung, Markenführung und Vertrieb. Das Format der Pizzen ist präzise auf die Maße moderner Airfryer ausgelegt und gelingt ohne Vorheizen in fünf bis sechs Minuten Zubereitungszeit. Neben klassischen Sorten wie Salami, Margherita, Veggie und Thunfisch befinden sich Varianten wie High-Protein und Hawaii in der Pipeline.

Expansionsdruck im 1,2-Milliarden-Markt

Der Markteintritt erfolgt in einer dynamischen Phase des Convenience-Marktes. Der jährliche Gesamtabsatz von Tiefkühlpizzen in Deutschland liegt bei rund 1,2 Milliarden Stück, flankiert von einer steigenden Verbreitung energiesparender Heißluftfritteusen in Privathaushalten.

Zugleich trifft das Startup auf einen hoch konzentrierten Markt. Die Regalflächen kontrollieren Konzerne wie Dr. Oetker und Wagner, wobei Nestlé mit Wagner bereits Airfryer-kompatible Produkte vertreibt. Zudem besetzen Premiumanbieter wie Gustavo Gusto das margenstarke Segment.

„Wir haben gemerkt, dass wir trotz unseres Netzwerks an Grenzen stoßen“, begründet Mitgründer Könnes den Einstieg der Investoren. Für die bundesweite Skalierung brauche es erprobte Strukturen im Lebensmitteleinzelhandel.

Stresstest für die Tiefkühl-Logistik

Mit dem Einstieg von Ralf Dümmel und Frank Thelen beginnt für das Baesweiler Unternehmen die Bewährungsprobe im Massengeschäft. Dümmel steuert über seine DS Gruppe erprobte Vertriebskanäle und Kontakte zu den großen Handelsketten bei, während Thelen technologisches Prozess-Know-how beisteuert.

Entscheidend für die Rentabilität des Deals werden die Verhandlungen mit den Einkäufern der Supermarktketten und Discountern sein. Der dauerhafte Erfolg hängt davon ab, ob Fryzza die erforderliche Regalfläche gegen die Verdrängungsmacht der Platzhirsche verteidigen und die anspruchsvolle Tiefkühllogistik über alle Handelsstufen hinweg stabil und margenstark aufrechterhalten kann.