Der Krypto-Bärenmarkt hat seinen Tiefpunkt durchschritten und befindet sich nun in einer Akkumulationsphase. Zu diesem Ergebnis kommt eine Marktanalyse von Galaxy Research, dem Analysearm des Investmenthauses Galaxy Digital um Gründer Mike Novogratz. Vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank unter Fed-Chair Kevin Warsh notiert Bitcoin bei rund 81.000 US-Dollar und hält sich damit oberhalb wichtiger technischer Trendlinien.

Für institutionelle Investoren markiert diese Konstellation das Ende des übergeordneten Abwärtstrends. Gestützt wird die Entwicklung durch spürbar nachlassenden Verkaufsdruck sowie wachsende makroökonomische Schuldenrisiken, die knappe Sachwerte wieder in den Fokus rücken.

Charttechnische Wende nach 44 Wochen

Der zentrale Pfeiler der Analyse von Alex Thorn, Head of Firmwide Research bei Galaxy Digital, ist die Rückeroberung der gleitenden 50-Wochen-Linie. Bitcoin notierte zuvor 44 Wochen lang unter diesem gleitenden Durchschnitt, der aktuell im Bereich von 75.800 bis 76.540 US-Dollar verläuft. Bis Mitte Oktober schloss die Kryptowährung fünf Wochen in Folge oberhalb dieser Marke.

Historische Daten stützen diese Beobachtung: In vier vergleichbaren Zyklen seit 2011 markierte die Rückeroberung dieser Trendlinie nach einer monatelangen Durststrecke das finale Bärenmarkttief. Spätere Kursrücksetzer betrugen im Folgejahr maximal 8,4 Prozent unter dem Ausbruchsniveau.

Galaxy Research datiert den Tiefpunkt dieses Zyklus auf den 30. Juni 2026, als Bitcoin im Bereich von 58.000 bis 58.525 US-Dollar aufsetzte, knapp oberhalb des 200-Wochen-Durchschnitts. Das Datum entspricht Tag 916 nach dem Halving und liegt damit geringfügig nach dem Zeitfenster, in dem frühere Böden typischerweise auftraten, nämlich zwischen Tag 777 und Tag 912.

Der maximale Drawdown vom Rekordhoch im Oktober 2025 bei rund 125.000 bis 126.000 US-Dollar betrug 53 Prozent. Frühere Zyklen verzeichneten deutlich tiefere Einbrüche zwischen 77 und 93 Prozent. Seit dem Juni-Tief erholte sich der Kurs um rund 39 Prozent, bis zum Allzeithoch fehlen gegenwärtig noch etwa 53 Prozent.

Versiegender Verkaufsdruck und institutionelle Umschichtungen

Parallel zur technischen Stabilisierung nimmt der fundamentale Verkaufsdruck ab. On-Chain-Daten belegen, dass langjährige Halter ihre Abgaben drastisch reduziert haben. Transaktionen von Beständen mit einer Haltedauer von mehr als fünf Jahren sanken von durchschnittlich etwa 67.000 Bitcoin pro Monat im Jahr 2024 auf rund 34.000 Einheiten im laufenden Jahr, was einem Rückgang um rund 49 Prozent entspricht.

Der MVRV-Indikator fiel während der gesamten Korrekturphase nie unter 1,10. In früheren Bärenmärkten notierte diese Kennzahl mit Werten von 0,56, 0,69 oder 0,75 deutlich tiefer. Die Spent-Output Profit Ratio (SOPR) liegt derweil bei 1,009, was darauf hindeutet, dass Verkäufe am Markt aktuell überwiegend kostendeckend erfolgen.

Kurzfristige Halter, sogenannte Short-Term Holder, weisen einen durchschnittlichen Einstandspreis von 74.811 US-Dollar auf und liegen damit rund neun Prozent im Buchgewinn. Im Retail-Segment sank die Zahl nicht-leerer Bitcoin-Wallets seit Mitte Oktober um rund 30.000 Adressen.

Auf institutioneller Seite zeigen die US-Spot-ETFs trotz kurzfristiger Abflüsse einen kumulierten Nettoaufbau. Seit dem Tief Ende Juni erhöhten die Fonds ihre Bestände per Saldo um rund 87.000 Bitcoin. Im Oktober verzeichneten die US-Spot-ETFs insgesamt Nettoabflüsse von rund 314 Millionen US-Dollar.

Allein am 22. und 23. Oktober flossen nach unerwartet hohen US-Inflationsdaten netto rund 773,5 Millionen US-Dollar ab, aufgeteilt in etwa 635,5 Millionen und 137,9 Millionen US-Dollar. Bereits am Montag, 26.

Oktober, folgten jedoch wieder Zuflüsse von 110,3 Millionen US-Dollar, die nahezu vollständig in BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) flossen.

An den Terminmärkten bauten Spekulanten parallel Positionen ab. Die Netto-Long-Positionen von Asset Managern in CME-Futures fielen seit dem Rekordhoch um 57 Prozent auf 18.400 Bitcoin. Short-Positionen sanken ebenfalls, während das Open Interest um rund 51 Prozent zurückging. Die Basis-Rendite zwischen Spot-ETFs und Futures sank von zweistelligen Werten auf aktuell etwa 4,8 bis 5,0 Prozent.

Staatsschulden als Katalysator für den Entwertungshandel

Galaxy Research verortet den stärksten Treiber für künftige Kursgewinne im makroökonomischen Umfeld. Die US-Staatsverschuldung liegt bei 40,44 Billionen US-Dollar. Das Haushaltsdefizit für das Fiskaljahr 2026 beziffert sich auf 1,99 Billionen US-Dollar, während sich die jährlichen Zinsaufwendungen auf 1,28 Billionen US-Dollar belaufen.

Vor diesem Hintergrund beschreibt Galaxy Research das Anlagemotiv als Debasement Trade, die Flucht in knappe Sachwerte als Absicherung gegen Geldentwertung, und sieht darin einen nachhaltigen Nachfragefaktor für Bitcoin.

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen notiert bei 5,31 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit 2007. Alex Thorn argumentiert, dass eine Wette gegen Aktien und harte Sachwerte gegenwärtig einer Wette auf Fiat-Währungen gleichkomme. Zudem verweist die Analyse auf den enormen Kapitalbedarf für den Ausbau weltweiter KI-Infrastruktur: Für das Jahr 2026 wird ein Fremdkapitalbedarf von etwa 570 Milliarden US-Dollar geschätzt, bis 2028 könnten rund 1,5 Billionen US-Dollar erforderlich sein.

Dieses strukturelle Finanzbedürfnis dürfte mittelfristig die geldpolitischen Rahmenbedingungen beeinflussen. Die US-Inflationsrate liegt derzeit bei etwa 3,7 Prozent, während die Leitzinsspanne der Federal Reserve zwischen 3,75 und 4,00 Prozent verharrt.

Hürden vor dem Ausbruch und kritische Abbruchmarken

Gleichwohl mahnen Marktteilnehmer zur Wachsamkeit. Jake Ostrovskis, Head of OTC Trading bei Wintermute, betont, dass Positionierung und Open Interest bisher nicht die volle institutionelle Breite widerspiegeln und Volatilitätsprämien weiterhin niedrig bleiben. Als unmittelbarer Widerstand gilt die Zone zwischen 81.000 und 82.500 US-Dollar.

Daten der Handelsplattform Bitfinex verdeutlichen, dass Anleger in dieser Spanne historisch rund 874.000 Bitcoin akkumulierten. Ein Teil dieser Bestände könnte bei der Rückkehr in die Gewinnzone für Abverkäufe genutzt werden. Ein nachhaltiger Tagesschlusskurs über der Marke von 82.500 US-Dollar gilt charttechnisch hingegen als Wegbereiter für einen Anstieg in Richtung 85.000 US-Dollar.

Galaxy Research definiert klare Kriterien, die das Erholungsszenario hinfällig machen würden: Ein Wochenschluss unterhalb des 50-Wochen-Durchschnitts von 76.540 US-Dollar, der nicht innerhalb von vier Wochen wettgemacht wird, würde die Erholungshypothese grundlegend infrage stellen. Das gilt gleichermaßen, sollten die aggregierten Bestände der US-Spot-ETFs unter das Referenztief vom 13. Juli von 1,22 Millionen Bitcoin absacken.

Die unmittelbare Aufmerksamkeit der Marktbeobachter richtet sich nun auf die anstehende Pressekonferenz von Fed-Chair Kevin Warsh. Signale für eine anhaltend restriktive Zinspolitik oder eine weitere geldpolitische Straffung im Dezember dürften Risiko-Assets belasten. Bestätigt die Notenbank hingegen die aktuelle Zinsspanne und stellt erste Lockerungen in Aussicht, würde dies nach Einschätzung von Analysten die Akkumulationsphase festigen und den Weg für einen Ausbruch über die Schlüsselwiderstände ebnen.