Galeria beantragt zum vierten Mal Insolvenz: Zukunft von 83 Standorten ungewiss

Galeria, die deutsche Warenhauskette, beantragte am 2. Oktober 2026 zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren Insolvenz beim Amtsgericht Düsseldorf. Dieser Schritt erfolgte trotz einer im Juni 2026 zugesagten, durch Ware besicherten Kreditlinie über bis zu 160 Millionen Euro von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers.

Aktuell betreibt Galeria 83 Warenhäuser. Die Zukunft der rund 12.000 Beschäftigten ist ungewiss. Der Insolvenzantrag soll einen rechtlichen Rahmen schaffen, um die Lage zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu etablieren.

Fortgesetzte Sanierungsversuche prägen die Unternehmensgeschichte

Die Historie von Galeria, ehemals Galeria Karstadt Kaufhof, ist seit Jahren von wiederkehrenden Sanierungsbemühungen gezeichnet. Nach der Fusion von Karstadt und Kaufhof im Jahr 2019 folgten bereits Insolvenzen in den Jahren 2020, 2022 und 2024. Diese Verfahren führten zu zahlreichen Filialschließungen.

Gläubiger und der Staat erlitten Verluste im Milliardenbereich. Der Bund schrieb über 500 Millionen Euro an WSF-Hilfen ab. Die Zahl der Standorte reduzierte sich seither von 171 bis 174 Filialen im Jahr 2019 auf aktuell 83.

Im Sommer 2024 übernahmen NRDC Equity Partners und die Beteiligungsfirma BB Kapital SA (Bernd Beetz) die Warenhauskette. Bernd Beetz äußerte zu diesem Zeitpunkt seinen Glauben an das Potenzial von Galeria. Im Oktober 2025 integrierte das Unternehmen das Payback-System.

Zudem bestehen Kooperationen mit Unternehmen wie Lidl in ausgewählten Berliner Filialen. Das Weihnachtsgeschäft 2025 verlief nach Berichten enttäuschend. Im Januar 2026 kam es zu einem Wechsel in der Geschäftsführung: Norman Krotten wurde zum CFO ernannt.

Wirtschaftliche Realität versus Sanierungspläne

Die finanziellen Kennzahlen unterstreichen die schwierige Lage des Unternehmens. Für 2019 wird ein Nettoumsatz von rund 4,5 Milliarden Euro angegeben. Die Prognose für 2025 beläuft sich auf etwa 2 Milliarden Euro.

Im Geschäftsjahr bis September 2025 lag der Umsatz bei über 2 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich laut Berichten um über 100 Millionen Euro. Der Marktanteil der Warenhäuser in Deutschland sank laut EHI von 4,2 Prozent im Jahr 2020 auf zuletzt 1,2 Prozent.

Die im Juni 2026 zugesagte Kreditlinie von Gordon Brothers über bis zu 160 Millionen Euro ist an einen dreijährigen Sanierungsplan gebunden, der weitere Schließungen vorsieht. Im Juli 2026 standen 33 Filialen auf dem Prüfstand. Für sieben davon war das Aus nach Angaben der Berichterstattung bereits besiegelt.

Uneinigkeit unter Branchenexperten

Experten äußern unterschiedliche Einschätzungen zur Zukunft von Galeria. Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn sieht Chancen für eine Fortführung nur mit deutlich weniger Standorten und erheblichen Investitionen. Er warnt, eine weitere Sanierung, die hauptsächlich auf Forderungsverzicht und Kostensenkung setzt, reiche kaum aus.

Johannes Berentzen von der Handelsberatung BBE identifiziert Potenzial, wenn sich Galeria auf tragfähige Standorte konzentriert und das Sortiment schärft.

Boris Hedde vom IFH Köln und Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein äußern Zweifel an einer dauerhaften Rettung des Warenhauskonzepts. Heinemann sprach in Kommentaren von der Gefahr, dass Insolvenz zum Geschäftsmodell werde, und prognostizierte, Galeria könne „spätestens Weihnachten“ ein Ende finden.

Belastung durch Immobilien und fehlende Nachnutzungskonzepte

Hohe Mietkosten gelten als wesentlicher Belastungsfaktor. Diese werden unter anderem auf den Verkauf von Warenhausgebäuden im Jahr 2006 unter Thomas Middelhoff und Arcandor zurückgeführt. Die Revitalisierung vieler Warenhausgebäude erweist sich als aufwendig und kostspielig.

Recherchen zufolge können die Umbaukosten für ein kleineres Warenhaus 20 bis 60 Millionen Euro betragen, für größere Projekte deutlich höhere Summen. Allein die Gebäudetechnik kann 25 bis 35 Prozent der Gesamtkosten ausmachen.

Für mehrere geschlossene Standorte existieren Umbau- oder Nachnutzungskonzepte beziehungsweise werden diese bereits umgesetzt. In Hamm wurde ein ehemaliges Warenhausgebäude abgerissen und Neubauten für Bibliothek und Jobcenter geplant. In Paderborn sind Seniorenwohnungen und Ladenflächen vorgesehen.

In Hamburg plant der Eigentümer Union Investment eine Umwandlung des ehemaligen Karstadt Wandsbek Markt in Wohnungen, Büros und eine Markthalle. In Berlin startete das Projekt „Kalle Neukölln“ im ehemaligen Karstadt-Haus im September 2025. Es sieht eine Umgestaltung zu einem Quartier mit Start-ups, Food-Angeboten und einer Dachterrasse vor.

Solche Umwidmungen sind zeit- und kapitalintensiv. Experten nennen Zeiträume von mehreren Jahren bis zur Fertigstellung.

Ausblick: Offene Fragen und ein ungewisser Weg

Es bleibt unklar, ob Beschäftigte Insolvenzgeld erhalten. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt Insolvenzgeld nach Berichten nur, wenn eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive erkennbar ist. Ebenfalls offen ist, ob Galeria eine Eigenverwaltung anstrebt.

Gerrit Heinemann spekulierte über einen möglichen Zinssatz von rund 16 Prozent für den Kredit von Gordon Brothers. Offizielle Angaben dazu fehlen. Die Gewerkschaft ver.di fordert Klarheit für die rund 12.000 Beschäftigten und nachhaltige Investitionen statt kurzfristigem Renditedenken.

Galeria hat angekündigt, sich auf profitable Warenhäuser zu konzentrieren und das Sortiment an lokale Kundenstrukturen auszurichten. Die konkrete Zahl der fortzuführenden Warenhäuser soll sich im Verlauf der Verhandlungen ergeben. Analysten und Branchenbeobachter verfolgen die Entwicklung auch als Indikator für die Zukunft des deutschen Innenstadthandels.