Die globalen Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) gestalten die Wirtschaft neu und verlagern Schwerpunkte. Gartner prognostiziert, dass die weltweiten KI-Ausgaben im Jahr 2026 bei 2,7 Billionen US-Dollar liegen werden. Das entspräche einem Anstieg von 49,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
In den Vereinigten Staaten von Amerika verschieben sich Investitionen nach Angaben der San Francisco Fed vom Wohnungsbau hin zu Informationstechnologie-Ausrüstung.
Dieser Investitionsschub, in der Berichterstattung auch als „größtes Infrastrukturprojekt der Menschheit“ bezeichnet, soll laut Gartner im Jahr 2027 weiter auf 3,6 Billionen US-Dollar steigen. Große Technologieunternehmen wie Alphabet, Amazon und Microsoft treiben diese Ausgaben maßgeblich voran.
Infrastruktur als Hauptinvestitionstreiber
Gartner erwartet, dass knapp 1,48 Billionen US-Dollar der KI-Ausgaben im Jahr 2026 auf Infrastruktur entfallen. Analyst John-David Lovelock von Gartner hebt hervor, dass der Kapazitätsausbau durch Hyperscaler und Dienstleister, die KI-optimierte Server anschaffen, der mit Abstand größte einzelne Ausgabenposten bleibt. Speicherkomponenten nennt die UBS als einen zentralen Treiber dieses Wachstums.
Die UBS prognostiziert, dass der Anteil der Speicherkosten an den KI-Investitionen von 14 Prozent im Jahr 2025 auf 64 Prozent im Jahr 2027 steigen wird. Zwei Drittel des Anstiegs der KI-Investitionen entfielen demnach auf höhere Speicherausgaben.
Die Kapitalausgaben der Hyperscaler – in den Daten etwa aufgeführt mit Alphabet, Amazon, Microsoft, Meta, Oracle und SpaceX – liegen nach Schätzungen von S&P Global bei 870 Milliarden US-Dollar für das Jahr 2026. Sie sollen für das Jahr 2027 über 1,3 Billionen US-Dollar betragen. BofA Global Research schätzt die Hyperscaler-Capex für das Jahr 2026 auf rund 795 Milliarden US-Dollar und für das Jahr 2027 auf etwa 1,08 Billionen US-Dollar.
Verschiebung der Investitionsprioritäten in den USA
Adam Shapiro, Vice President bei der San Francisco Fed, beschreibt einen Wandel: Investitionen verschieben sich vom Wohnungsbau hin zu Computern. Konkrete Zahlen des Bureau of Economic Analysis zeigen, dass die realen privaten Wohnungsbauinvestitionen im zweiten Quartal 2026 bei 748 Milliarden US-Dollar lagen. Das ist ein Rückgang von 18 Prozent gegenüber dem Höchststand Anfang 2021.
Im gleichen Zeitraum stiegen die Ausgaben für Informationsverarbeitungsgeräte um 51 Prozent auf 752 Milliarden US-Dollar.
Wirtschaftliche Auswirkungen und Herausforderungen
Elon Musk prognostiziert, dass KI das Bruttoinlandsprodukt (BIP)-Wachstum der Vereinigten Staaten von Amerika im nächsten Jahr von etwa zwei Prozent auf etwa vier Prozent verdoppeln könnte. McKinsey schätzt, dass KI bis zum Jahr 2030 einen Beitrag von 13 Billionen US-Dollar zum globalen BIP leisten kann. Dies entspräche rund 16 Prozent des aktuellen globalen BIP.
Branchenschätzungen nennen mögliche Effekte auf der Ebene von Sektoren: Für den Finanzdienstleistungssektor werden Effizienzgewinne von 20 bis 30 Prozent erwartet. In der Fertigung könnten Ausfallzeiten um 30 bis 50 Prozent reduziert werden.
Gleichzeitig warnen Marktforscher vor Risiken. S&P Global sieht die Gefahr von Überkapazitäten, falls die Nachfrage nicht wie erwartet eintritt. Das könnte zu höheren Abschreibungen und Schwierigkeiten bei der Monetarisierung führen.
BCA Research prognostiziert Abschreibungen der Hyperscaler in Höhe von 255 Milliarden US-Dollar jährlich für das Jahr 2026 und 581 Milliarden US-Dollar jährlich für das Jahr 2029. Höhere Zinsen könnten kleinere Firmen von KI-Investitionen abhalten, während die größten Tech-Konzerne voraussichtlich weiter investieren.
Auch die regulatorische Debatte gilt als Risiko für Bewertungen und Geschäftsmodelle. Beobachter warnen vor einer möglichen überzogenen regulatorischen Reaktion, die die Entwicklung und Bewertungen beeinflussen könnte.
Regionaler Fokus und Spezialmärkte
Nordamerika dominierte nach Angaben von Marktforschern im Jahr 2025 den Edge-KI-Markt mit einem Anteil von 35,11 Prozent und den KI-Markt im Gesundheitswesen mit 42,35 Prozent. Prognosen sehen den Edge-KI-Markt bis zum Jahr 2034 bei 445,75 Milliarden US-Dollar und den Markt für KI im Gesundheitswesen bis zum Jahr 2034 nahe einer Billion US-Dollar (997,74 Milliarden US-Dollar).
Im Bereich humanoider Roboter wird China als maßgeblicher Hersteller genannt. Omdia prognostiziert, dass 85 Prozent der weltweit eingesetzten menschenähnlichen Maschinen im Jahr 2025 aus China stammen. Der Gesamtmarkt für humanoide Roboter wird derzeit auf etwa fünf Milliarden US-Dollar geschätzt und könnte nach MarketsandMarkets bis zum Jahr 2035 auf rund 50 Milliarden US-Dollar wachsen.
Vor diesem Hintergrund spielen Lieferketten und Sicherheitsfragen eine Rolle in geopolitischen Debatten.
Ausblick und offene Fragen
Die aktuelle Welle von KI-Investitionen verändert die Wirtschaftslandschaft. Analysten werden beobachten, in welchem Umfang die hohen Kapitalausgaben der Hyperscaler in Umsätze und Gewinne übersetzt werden können. Offen ist, ob die Nachfrage nach KI-Dienstleistungen und -Anwendungen mit dem schnellen Kapazitätsaufbau Schritt halten wird oder ob Überkapazitäten entstehen.
Entscheidend für die Bewertung des Investitionszyklus sind die Entwicklung der Abschreibungsraten und die tatsächliche Monetarisierung der KI-Infrastruktur. Außerdem bleiben die internationalen regulatorischen Debatten, ihre Folgen für Innovationsgeschwindigkeit und Unternehmensbewertungen sowie die Rolle der Zinspolitik als Einflussfaktoren zu beobachten. Die Veröffentlichung weiterer Prognosen und die Quartalsberichte der großen Tech-Konzerne werden Hinweise zur Nachhaltigkeit der Investments liefern.







