Geely investiert in Nios Batteriewechsel-Sparte: Allianz für Industriestandards
Der chinesische Autokonzern Geely beteiligt sich an Nio Power, der Batteriewechsel- und Ladesparte von Nio. Eine Tochtergesellschaft von Geely erwirbt 30 Prozent der Anteile an Nio Power. Als Gegenleistung überträgt Geely seine vollständige Beteiligung an seiner Batteriewechsel-Tochter Yiyi Internet Technology und leistet eine Barzahlung von 640 Millionen Yuan (etwa 77 Millionen Euro).
Die Transaktion bewertet Nio Power mit rund 16 Milliarden Yuan (circa 1,9 Milliarden Euro).
Diese Allianz zielt darauf ab, Technologiestandards zu entwickeln und die Infrastruktur für Batteriewechsel in China weiter auszubauen.
Strategische Neuausrichtung im Batteriewechselmarkt
Die Transaktion ist als Tausch von Vermögenswerten, kombiniert mit einer Barzahlung, strukturiert. Geely bringt seine Batteriewechsel-Aktivitäten für gewerbliche Fahrzeuge, gebündelt in Yiyi Internet Technology, in Nio Power ein. Im Gegenzug fließen 640 Millionen Yuan an Nio.
Nio China bleibt mit 63,6 Prozent Mehrheitsaktionär von Nio Power. Ein bestehender Investor, Wuhan Guangchuang Emerging Technology Phase I Venture Capital Fund Partnership, hält weiterhin 6,4 Prozent der Anteile. Die Beteiligung von Geely ist an operative Meilensteine geknüpft. Bei deren Verfehlung kann der Anteil auf mindestens 20 Prozent sinken.
Geely hat zudem die Option, innerhalb von zwei Jahren oder vor einer neuen Finanzierungsrunde von Nio Power weitere 640 Millionen Yuan zu investieren. Damit könnte Geely seinen Anteil auf bis zu 34 Prozent erhöhen. In diesem Fall würde der Anteil von Nio China auf 60 Prozent fallen.
Parallel dazu beteiligt sich Nio China mit zehn Prozent an Geelys Ladesparte Zhejiang Haohan Energy Technology Co., Ltd.
Die Partnerschaft verschafft Nio frisches Kapital und soll die Auslastung seines Batteriewechsel-Netzes erhöhen, indem es auch für Geely-Fahrzeuge geöffnet wird. Geely erhält im Gegenzug Zugang zu Nios Technologie und Infrastruktur, ohne ein vollständig neues System aufbauen zu müssen. Beide Unternehmen planen den Einsatz von Batteriewechseltechnologie in Pkw-Modellen und im gewerblichen Geschäft.
Ziel ist die gemeinsame Entwicklung von Standards für Pkw und Nutzfahrzeuge sowie der Ausbau des operativen Maßstabs.
Diese Kooperation soll Doppel-Investitionen reduzieren und die gemeinsame Nutzung von Ressourcen fördern. Damit steht sie im Einklang mit dem Aufruf der chinesischen Regierung, ungesunden Wettbewerb einzudämmen.
Potenzial für Industriestandards und Marktkonsolidierung
Leonid Mironov, Portfoliomanager bei Gavekal Capital, bezeichnet den Deal als Win-win-Situation. Nios Batteriewechseltechnik erlaubt den Austausch einer Batterie binnen weniger Minuten. Geely gibt an, dass eine Batterie in weniger als fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent geladen werden kann.
Nio betreibt in China rund 4.000 Batteriewechselstationen und strebt bis 2030 einen Ausbau auf 10.000 Stationen an. Geelys Yiyi verfügt über circa 470 Wechselstationen, die hauptsächlich von Taxis und Ride-Hailing-Fahrzeugen genutzt werden. Die Vereinbarung könnte die Grundlage für gemeinsame Industriestandards bilden und den Wettbewerbsdruck auf Akteure wie Tesla und CATL auf dem chinesischen Markt erhöhen.
CATL ist bereits mit einer Investition von 2,5 Milliarden Yuan in Nio Power engagiert.
Die Kooperation ist nicht der erste Berührungspunkt der beiden Konzerne. Bereits im November 2023 schlossen Nio und Geely eine Vereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung von Batteriewechselstandards. William Li, Gründer, Chairman und CEO von Nio, sagte, die Partnerschaft werde den Batteriewechsel populärer machen und Nutzern ein bequemeres Erlebnis bieten.
Eric Li (Li Shufu), Gründer und Chairman von Geely Holding, betonte die Notwendigkeit gemeinsamer Anstrengungen, um die Batteriewechseltechnologie voranzutreiben.
Finanzielle Implikationen und Marktausblick
Für Nio kommt die Kapitalzufuhr zur rechten Zeit. Das Unternehmen erreichte im vierten Quartal des Vorjahres kurzzeitig die Gewinnzone, verzeichnete danach aber wieder Verluste in den ersten beiden Quartalen des laufenden Jahres. Die Fahrzeugverkäufe stiegen von Januar bis August um 58 Prozent auf 262.893 Einheiten.
Nios Prognose für das dritte Quartal liegt bei 108.000 bis 111.000 Auslieferungen und einem Umsatz von 33,29 bis 34,05 Milliarden Yuan – Angaben, die unter den Erwartungen einiger Analysten liegen.
Die Bewertung von Nio Power mit 16 Milliarden Yuan entspricht mehr als einem Viertel des Börsenwerts von Nio, der bei rund neun Milliarden US-Dollar liegt.
Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und üblicher Abschlussbedingungen. Beobachter richten den Blick nun auf die Umsetzung der Standardisierung und die Integration der unterschiedlichen Netze. Die weitere Entwicklung der Partnerschaft wird zeigen, inwieweit sie das Potenzial hat, die Batteriewechsellandschaft in China zu verändern und den Wettbewerb im Elektromobilitätssektor zu beeinflussen.
Ein erfolgreicher Abschluss könnte Modellcharakter für weitere Kooperationen in der chinesischen Automobilindustrie haben, die unter dem Druck steht, Effizienz zu steigern und Ressourcen zu bündeln.







