Die Generation Z strebt einen frühen Ruhestand an, konfrontiert mit der Realität der Altersvorsorge. Eine Untersuchung von JP Morgan Asset Management zeigt: Mehr als 40 Prozent der 18- bis 29-Jährigen planen, vor dem 65. Lebensjahr aus dem Arbeitsleben auszuscheiden; zwei Drittel davon peilen einen Renteneintritt vor dem 60.
Lebensjahr an. Fast die Hälfte dieser Altersgruppe legt Geld für Reisen zurück. Ein Notgroschen, die Tilgung von Studienkrediten und das Sparen für Reisen haben Vorrang vor der langfristigen Altersvorsorge.
Wunsch nach Freiheit kollidiert mit Sparrealität
Der Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit in jungen Jahren, auch als „Retirement-Maxxing“ bezeichnet, steht laut der JP Morgan-Untersuchung im Kontrast zur finanziellen Lage vieler junger Erwerbstätiger. Fast die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen spart für Reisen statt gezielt für die Rente. Lediglich elf Prozent der Befragten haben ihren tatsächlichen Bedarf für den Ruhestand berechnet. 25 Prozent geben an, so viel wie möglich zu sparen, und 22 Prozent orientieren sich an Arbeitgeberzuschüssen.
Mehr als die Hälfte der jungen Erwerbstätigen weiß nicht, welche jährlichen Sparbeträge für das gewünschte Renteneintrittsalter nötig wären. Jeder vierte Befragte hat bereits Geld aus seinem Vorsorgekonto entnommen oder dafür einen Kredit aufgenommen; weitere 19 Prozent planen dies. Gründe dafür sind unerwartete Ausgaben, Immobilienkäufe, Kreditkartenschulden oder die Unterstützung von Angehörigen.
Alyson Frost, Leiterin der Altersvorsorgeanalyse bei JPMorgan, fasst die Herausforderung zusammen: „Schulden wirken dringlich, der Ruhestand erscheint weit entfernt.“
Empfehlungen sehen jährliche Sparraten von rund zwölf bis 15 Prozent des Einkommens inklusive Arbeitgeberbeiträgen vor. Zudem existieren Zielvorgaben nach Alter, wie ein Jahresgehalt mit 30 Jahren und das Zehnfache mit 67 Jahren. Die JP Morgan-Daten legen jedoch offen, dass viele junge Erwerbstätige andere Prioritäten setzen.
Generation Z in den USA zeigt andere Muster
Daten aus den USA zeichnen für die dortige Gen Z ein abweichendes Bild. Laut Untersuchungen und Umfragen begann die Gen Z in den USA im Schnitt mit 19 Jahren, für den Ruhestand zu sparen und zu investieren. Die Gen X startete demgegenüber im Schnitt mit 32 Jahren, Babyboomer mit 35 Jahren.
Ein Drittel der Gen Z in den USA plant, im Jahr 2025 den Höchstbetrag von 7.000 US-Dollar in individuelle Altersvorsorgekonten (IRAs) einzuzahlen. Das inflationsbereinigte Vorsorgevermögen der Gen Z ist damit fast dreimal so hoch wie das der gleichaltrigen Gen X im Jahr 1989.
Einzelne Beispiele illustrieren diese Entwicklung: Natalie Baddour, 26 Jahre alt und in Fort Lauderdale, Florida, hat nach eigenen Angaben rund 300.000 US-Dollar durch frühes Sparen angesammelt. Sie betont: „Für mich ist es sehr wichtig, in jungen Jahren hart zu arbeiten, um Geld zu verdienen.“ Dan Egan, Vizepräsident für Verhaltensfinanzierung und Investitionen bei Betterment, sieht die Motivation unter anderem in einem Gefühl der Unsicherheit hinsichtlich der Zukunft.
Deutsche Realität: Vertrauen in die gesetzliche Rente und Vorsorgelücken
Für Deutschland liefert der „Vorsorge-Index 2026“ der Allianz Lebensversicherungs-AG, erstellt von Ipsos, ein differenziertes Bild. 19 Prozent der Deutschen rechnen laut diesen Daten ausschließlich mit der gesetzlichen Rente; bei 55- bis 64-Jährigen sind es 21 Prozent. Insgesamt geben 58 Prozent der Gen Z in Deutschland die gesetzliche Rente als Teil ihrer Altersvorsorge an. Zum Vergleich: Es sind 74 Prozent bei der Generation Y und 87 Prozent bei den Babyboomern.
Besonders auffällig ist, dass 41 Prozent der Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren ausschließlich auf die gesetzliche Rente vertrauen; bei Männern dieser Altersgruppe sind es 28 Prozent.
Die Zusammensetzung erwarteter Vorsorgeeinnahmen variiert zwischen den Generationen. Rund 38 Prozent der Gen Z rechnen mit Einkünften aus Kapitalanlagen, gegenüber 31 Prozent bei den Babyboomern. Insgesamt nennen 39 Prozent die betriebliche Rente und 36 Prozent die private Rentenversicherung als erwartete Bausteine.
Ruedi Kubat, CEO der Allianz Lebensversicherung, erklärt: „ETFs und auch Aktien sind durchaus Bausteine für den mittel- und langfristigen Vermögensaufbau – Altersvorsorge ist aber mehr. Sie muss über Jahrzehnte hinweg verlässlich funktionieren und vor allem ein stabiles, zuverlässiges Einkommen im Ruhestand ermöglichen.“ Ergänzend weisen andere Studien darauf hin, dass Wohneigentümer im Jahrzehnt vor Renteneintritt deutlich höhere Medianvermögen aufweisen als Mieter.
Herausforderungen und der Ruf nach professioneller Finanzberatung
Weitere Faktoren akzentuieren die Vorsorgeproblematik. Ein begrenztes Verständnis für den Zinseszinseffekt erschwert das Nutzen früherer Investitionen. In Deutschland bereiten primär steigende Lebenshaltungskosten (57 Prozent) und unerwartet hohe Ausgaben (34 Prozent) finanzielle Sorgen. 31 Prozent geben an, sich zu wenig fürs Alter vorbereitet zu fühlen.
Vor diesem Hintergrund äußern 73 Prozent der Befragten einer J.P. Morgan-Umfrage den Wunsch nach professioneller Unterstützung durch einen Finanzexperten für die komplette Planung und Investition. Dieser Anteil lag 2016 noch bei 55 Prozent.
Ob und in welchem Tempo die junge Erwerbstätigkeit ihre finanziellen Gewohnheiten ändert und die Lücke zwischen Wunsch und Vorsorge schließt, bleibt abzuwarten. Es wird sich zeigen, wie sich diese Diskrepanz auf die zukünftige Altersversorgung auswirkt und welche Reaktionen vonseiten der Finanzwirtschaft und Politik folgen werden.







