In Schipkau in der Lausitz hat GICON den GICON‑Höhenwindturm fertiggestellt. Die Anlage erreicht eine Gesamthöhe von 365 Metern und ist damit die weltweit höchste Windenergieanlage. Sie soll noch in diesem Jahr Strom liefern und kann bei gleichem Rotordurchmesser etwa den doppelten Energieertrag gegenüber konventionellen Windenergieanlagen erzielen.
Neue Dimensionen für die Windkraft
Die Anlage weist eine Nabenhöhe von 300 Metern auf. Damit erreicht sie Windschichten, die stärker und gleichmäßiger wehen. Quellen beziffern den Windzuwachs in dieser Höhe auf rund 40 Prozent gegenüber tieferen Lagen.
GICON prognostiziert einen Jahresstromertrag von 30 bis 33 Gigawattstunden. Dies kann laut Unternehmensangaben bis zu 7.500 Haushalte versorgen. Das Unternehmen beziffert die mögliche Leistungssteigerung im Vergleich zu benachbarten Anlagen auf bis zu 220 Prozent. Als Turbine kommt eine Vensys‑126‑Anlage mit einer Nennleistung von 3,8 Megawatt zum Einsatz.
Innovative Teleskop-Konstruktion
Die beeindruckende Höhe erreicht der Turm durch eine teleskopierbare Onshore‑Wind‑Gitterkonstruktion. Diese besteht aus einem festen Außenturm und einem verschiebbaren Innenturm. Nach dem Aufbau wird der Innenturm teleskopartig in der Außenstruktur nach oben geschoben.
Der Stahlfachwerkturm erinnert optisch an Strommasten; seine Standfläche am Boden beträgt 48 Meter Breite. Für die Konstruktion werden rund 80.000 Schrauben verwendet, jede davon wiegt bis zu 2,5 Kilogramm.
Die Projektpartner prognostizieren Stromgestehungskosten von unter fünf Cent pro Kilowattstunde. Die Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) hat das Projekt gefördert. Beventum GmbH, eine 100‑prozentige Tochter der SPRIND, ist als Auftraggeber genannt. Die Baukosten für den Prototyp belaufen sich auf rund 25 Millionen Euro. Das Projekt ist das erste SPRIND‑Vorhaben.
Standortvorteile und neue Potenziale
Der Standort in Schipkau in der Lausitz war einst eine Kohleregion. GICON und die Förderer sehen in der Technologie eine Möglichkeit, zusätzliche Erträge in bereits erschlossenen Windparkflächen zu erzielen. Die Höhenwindräder sollen sich als „zweite Etage“ in bestehende Windparks integrieren lassen, was den Bedarf an neuen Flächen reduzieren könnte.
GICON‑Geschäftsführer Jochen Großmann erklärt: „Wir erreichen damit Erträge, wie wir sie aus dem Offshore‑Bereich kennen.“ Erste Ideen zu dieser Technologie entstanden bereits um das Jahr 2010; GICON arbeitet seitdem an der Umsetzung.
Der Weg zur Fertigstellung
Die Grundsteinlegung erfolgte im September 2024, der Baubeginn im Juli 2025. Ende 2025 traten Qualitätsprobleme bei angelieferten Stahlteilen auf. Starke Winde und Verzögerungen bei Naturschutzgenehmigungen beeinflussten den Bauzeitenplan zusätzlich.
Die Arbeiten wurden Mitte März wieder aufgenommen. Am 16. Juli 2026 erreichte der Rohbau der Stahlkonstruktion eine Höhe von 167 Metern.
Die endgültige Höhe von 365 Metern wurde am 28. September 2026 erreicht. Die Montage der Rotorblätter verzögerte sich wetterbedingt.
GICON‑Geschäftsführer Jochen Großmann betonte während der Arbeiten: „Sicherheit geht vor Geschwindigkeit.“
Ausblick: Skalierung und Markteinfluss
Die Inbetriebnahme ist für November dieses Jahres geplant. Dann soll die Anlage regulär Strom ins Netz einspeisen. GICON verfolgt das Ziel, bis Anfang der 2030er Jahre zunächst 100 dieser Turbinen in Deutschland in Serie zu produzieren. Später sollen bis zu 1.000 weitere Anlagen folgen.
Beobachter weisen darauf hin, dass sich das Konzept der „zweiten Etage“ erst im Praxisbetrieb beweisen muss. Gelingt dies, könnte die Technologie in Regionen mit begrenzten Flächen zusätzliche Windenergie liefern. Dies könnte nach Einschätzung von Projektbeteiligten teilweise den Bedarf an Netzausbau reduzieren.
In den kommenden Monaten zeigt sich, wie stabil und ertragreich der Höhenwindturm operiert und welche Akzeptanz er im Markt findet.







