Zentralbanken weltweit stützen den Goldpreis weiterhin durch gezielte Käufe und untermauern damit die Rolle des Edelmetalls als strategische Reserve. Allein im August erwarben Notenbanken netto 39 Tonnen Gold. Diese anhaltende Nachfrage der Währungshüter gilt als langfristiger Stützungsfaktor für den Goldpreis.
Die Motivationen für die Goldkäufe umfassen die Diversifizierung der Währungsreserven, den Inflationsschutz, geopolitische Neutralität sowie die Absicherung gegen Währungsrisiken. Zudem stärken sie die strategische Autonomie gegenüber dem US-Dollar. Trotz kurzfristiger Schwankungen, etwa durch einen starken Dollar oder steigende Zinsen, bleiben Zentralbanken Käufer.
Einige Behörden betrachten Preisrückgänge explizit als Kaufgelegenheit.
Notenbanken diversifizieren Reserven strategisch
Global sind Zentralbanken seit Jahren Nettokäufer von Gold. Im Durchschnitt der letzten vier Jahre erwarben sie rund 1.000 Tonnen Gold pro Jahr. Dies entspricht etwa der doppelten Menge im Vergleich zum Jahrzehnt zuvor. Das World Gold Council (WGC) beschreibt diese Verdopplung der Notenbanknachfrage als eine der zentralen Veränderungen am Goldmarkt.
Das erste Quartal 2026 verzeichnete revidiert nur 57 Tonnen netto. Dies markierte den schwächsten Jahresauftakt seit 2011. Im zweiten Quartal stiegen die Käufe auf 289 Tonnen an, ein Rekordwert für ein zweites Quartal.
Für das erste Halbjahr 2026 werden insgesamt 345 Tonnen ausgewiesen. Im August kamen netto 39 Tonnen hinzu. Verschiedene Quellen weisen jedoch unterschiedliche Zwischensummen aus: Eine WGC-Angabe nennt für den Stand im August 170 Tonnen seit Jahresbeginn.
Diese Abweichung zeigt, dass sich die Zahlen je nach Datenstand und Revision unterscheiden.
China und Polen als größte Goldkäufer
Zu den aktivsten Käufern im Jahr 2026 zählen China und Polen. China erhöhte seine Reserven im August um 20 Tonnen. Im ersten Halbjahr stockte das Land die Bestände um rund 40 Tonnen auf. China kauft seit mehreren Monaten kontinuierlich Gold. Im Jahr 2023 war das Land mit 215 Tonnen der größte Einzelkäufer.
Polen erwarb im August 8 Tonnen und steigerte seine Bestände im ersten Halbjahr um 82 Tonnen. Die polnische Nationalbank verfolgt ein Ziel von 700 Tonnen Reserven. Im Jahr 2025 war Polen mit 102 Tonnen der größte Käufer.
Weitere aktive Käufer sind unter anderem Usbekistan, Kasachstan, die Tschechische Republik, Malaysia und Kambodscha. Zudem beteiligen sich jüngere, kleinere Käufer wie Guatemala, El Salvador und Georgien am Kauf von Gold.
Vereinzelt kam es auch zu Verkäufen. Im ersten Quartal 2026 belasteten Verkäufe aus der Türkei, Russland und Aserbaidschan die Bilanz. Für die Türkei werden Währungsstabilisierung und Mittelbedarf für die Staatskasse als Gründe genannt.
Russland veröffentlicht seit dem Überfall auf die Ukraine keine offiziellen Zahlen mehr. Es wird allerdings vermutet, dass die russische Zentralbank einen Großteil der heimischen Produktion aufkauft.
Bundesbank hält Reserven konstant, Umfragen signalisieren weitere Käufe
Die Deutsche Bundesbank hält mit 3.352,6 Tonnen die zweitgrößten Goldreserven der Welt und hat diese in den vergangenen Jahren weitgehend konstant gehalten. Bundesbankpräsident Joachim Nagel erklärte, die Argumente für eine weitere Diversifizierung in Gold für Zentralbanken seien nach wie vor erheblich. Er verwies auf gestiegene Renditen von Staatsanleihen, höhere Schuldenstände und geopolitische Risiken.
Eine WGC-Umfrage unter 74 Zentralbanken im Juni 2026 ergab: 45 Prozent planen, im kommenden Jahr Gold zu kaufen. Dies ist der höchste Anteil seit Beginn der Umfrage im Jahr 2018. Nur eine Zentralbank plant eine Reduktion. 89 Prozent der Befragten erwarten, dass die weltweiten Goldreserven der Zentralbanken in den nächsten zwölf Monaten steigen werden.
Insbesondere Zentralbanken in Schwellen- und Entwicklungsländern (53 Prozent) rechnen mit einem Anstieg, verglichen mit 18 Prozent in entwickelten Volkswirtschaften. 74 Prozent der Befragten gehen zudem davon aus, dass der Dollar-Anteil an den weltweiten Währungsreserven in den kommenden fünf Jahren zurückgehen wird.
Goldpreis im Spannungsfeld von Kaufkraft und Zinsaussichten
Der Goldpreis erreichte im Januar 2026 einen Höchststand von bis zu 5.595 US-Dollar pro Feinunze und korrigierte anschließend. Am 7. Oktober 2026 um 20:00 Uhr lag der Kurs bei etwa 4.126 US-Dollar pro Feinunze.
Analysten sehen unterschiedliche Szenarien. Markus Blaschzok von der Solit Group nennt die Zentralbanknachfrage einen wichtigen langfristigen Stützungsfaktor. Shaokai Fan vom WGC weist darauf hin, dass Preisrückgänge von einigen Währungsbehörden als Kaufgelegenheit betrachtet werden könnten.
Prognosen variieren stark. Die Bank of America sieht für das vierte Quartal einen möglichen Rückgang auf 3.750 US-Dollar. Unter der Annahme eines Ölpreises von 150 US-Dollar je Barrel prognostiziert sie einen Durchschnitt von 3.500 US-Dollar im Folgejahr.
Eine Reuters-Umfrage rechnet im Schnitt mit 4.509 US-Dollar für 2026 und 4.610 US-Dollar für 2027. JPMorgan nennt in einer Analyse ein Szenario von bis zu 6.300 US-Dollar pro Unze in den kommenden Monaten. Der jüngste Preisanstieg wurde laut Analysen durch die gleichzeitige Konstellation sinkender Zinsen, geopolitischer Konflikte und umfangreicher Zentralbankkäufe begünstigt.
Ausblick: Geopolitik und Diversifizierung prägen den Markt
Die strategische Bedeutung von Gold für Zentralbanken dürfte angesichts geopolitischer Unsicherheiten und des Bestrebens nach weiterer Diversifizierung bestehen bleiben. Die WGC-Umfrage signalisiert eine Fortsetzung der Kaufbereitschaft vieler Notenbanken. Dies stellt eine Stütze für den Goldmarkt dar.
Kurzfristige Preisbewegungen werden weiterhin von der Zinspolitik großer Zentralbanken und der Stärke des US-Dollars beeinflusst.
Langfristig hängt die Entwicklung von Gold unter anderem davon ab, wie sich globale Wirtschaftspolitik und geopolitische Lage entwickeln. Analysten werden die monatlichen Kaufdaten der Zentralbanken beobachten, um Rückschlüsse auf die Marktentwicklung zu ziehen.







