Im Verwaltungsrat von Goldman Sachs werden Medienberichten zufolge Pläne erörtert, John Waldron im kommenden Jahr zum Chief Executive Officer zu ernennen. Waldron ist derzeit Präsident und Chief Operating Officer der US-Investmentbank. Er gilt seit Längerem als möglicher Nachfolger von CEO David Solomon. Ein Führungswechsel könnte Ende 2027 oder im Jahr 2028 stattfinden.
Goldman Sachs kommentiert die Berichte zurückhaltend. Tony Fratto, Pressesprecher der Bank, erklärt: „Natürlich erörtert der Verwaltungsrat regelmäßig die Nachfolge, wie wir in unseren Unterlagen offenlegen. Es gibt bei Goldman Sachs aber keinen festen Zeitplan für die Nachfolge. Alle Behauptungen bezüglich des Zeitpunkts sind reine Spekulation.“
Waldron als Konsenskandidat
John Waldron, geboren 1968, trat im Jahr 2000 in die Dienste von Goldman Sachs ein. Im Jahr 2018 übernahm er die Position des President und COO, zeitgleich mit David Solomons Ernennung zum CEO. Zuvor war Waldron ab 2014 Co-Head des Investment Banking. Seine frühe Karriere begann, ähnlich wie die von Solomon, bei Bear Stearns.
Ashok Varadhan, Co-Head of Global Banking and Markets, unterstützt Waldron öffentlich. Er betont, Waldron habe „a lens into every single business unit for a sustained period of time“. Der Bankenanalyst Stephen Biggar von Argus Research bemerkt dazu: „It does appear that firmer succession planning is underway.“
Ein deutliches Zeichen für Waldrons gestärkte Position war seine Aufnahme in den Vorstand von Goldman Sachs im Februar 2025. Ferner erhielten er und David Solomon im Januar 2025 einen Retention Bonus von jeweils 80 Millionen US-Dollar in gesperrten Aktien. Dieser wird fällig, wenn sie fünf Jahre im Unternehmen bleiben.
Tony Fratto erklärt hierzu, der Verwaltungsrat entwickle die Vergütung weiter, um die Fähigkeit des Unternehmens zu stärken, Talente anzuziehen und zu binden.
Berichten zufolge lehnte Waldron zuvor ein Angebot von Apollo Global Management ab. Laut Medienberichten soll dieses bis zu 500 Millionen US-Dollar umfasst haben.
Solomons Bilanz und mögliche Übergabe
David Solomon ist seit Oktober 2018 CEO von Goldman Sachs. Unter seiner Führung zog sich die Bank 2022 aus dem Retail Banking zurück, nachdem dort Verluste von rund drei Milliarden US-Dollar vor Steuern angefallen waren. Im vierten Quartal 2024 erzielte Goldman Sachs den größten Quartalsgewinn seit mehr als drei Jahren; das Nettoeinkommen stieg auf 4,11 Milliarden US-Dollar.
Im zweiten Quartal 2024 lag der Umsatz bei 20,3 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Aktienhandel erreichte 7,4 Milliarden US-Dollar. Der Aktienkurs des Unternehmens stieg seit Solomons Amtsantritt 2018 nach den vorliegenden Zahlen um 174 Prozent bis Anfang 2025.
Solomons Kompensation stieg 2024 um 26 Prozent auf 39 Millionen US-Dollar; für 2025 werden 47 Millionen US-Dollar angegeben. Waldron erhielt 2025 45 Millionen US-Dollar, eine Steigerung um 18,4 Prozent gegenüber 2024. Damit lag seine Vergütung nach vorliegenden Angaben über der von Jamie Dimon (43 Millionen US-Dollar).
Nach den Berichten könnte Solomon, sollte der Verwaltungsrat einem Nachfolgeplan zustimmen, nach seinem Rücktritt als CEO die Rolle des Executive Chairman für ein bis zwei Jahre übernehmen.
Marktreaktionen und Ausblick
Die Diskussion um die Nachfolge bei Goldman Sachs verfolgen Marktbeobachter genau. Goldman Sachs betont die Bedeutung eines soliden Nachfolgeplans. Tony Fratto erklärt: „The firm is delivering strong performance and the board is determined to maintain our momentum, ensure stability, and keep in place a solid succession plan.“
Mike Mayo von Wells Fargo kommentiert die Situation mit den Worten: „It’s John Waldron’s to lose.“ Die kommenden Monate werden zeigen, ob und wann der Verwaltungsrat formell über die CEO-Nachfolge entscheidet. Ebenso wird sich weisen, ob der diskutierte Zeitplan für Solomons Übergabe und Waldrons Übernahme des Spitzenpostens Realität wird.
Bei Semafor World Economy im April 2026 äußerte sich Waldron zur Wirtschaft: „I think this economy is much stronger than the narrative suggests. So, we remain pretty constructive.“ Er betonte zudem „the independence of the Federal Reserve and their ability to make monetary policy decisions, independent of political interference.“
Die Entwicklung des Nachfolgeprozesses bleibt ein zentraler Punkt für Anleger und Analysten, die die zukünftige Strategie und Performance der Investmentbank bewerten.







