Der Goldpreis zeigt sich im September 2026 widerstandsfähig gegenüber den Zinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank. Ein dominantes Narrativ westlicher Medien stellt Gold bei steigenden Zinsen als unattraktiv dar. Experten warnen jedoch vor einer einseitigen Betrachtung.

Sie verweisen darauf, dass Gold in früheren Zinserhöhungszyklen historisch oft prosperierte und makroökonomische Faktoren sowie die hohe Staatsverschuldung traditionelle Modelle beeinflussen.

Die Federal Reserve erhöhte am 16. September 2026 den Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 Prozent bis 4,00 Prozent. Bereits am 10.

September hob die Europäische Zentralbank den Einlagensatz auf 2,50 Prozent an. Viele Beobachter erwarteten daraufhin einen starken Rückgang des Goldpreises. Am Tag der Fed-Entscheidung fiel Gold zwar von 4.350 US-Dollar auf 4.250 US-Dollar.

Der Kurs schloss jedoch nur 0,7 Prozent tiefer bei 4.266 US-Dollar und stieg am Folgetag um bis zu 2,7 Prozent auf 4.380 US-Dollar. Dies deutet auf eine veränderte Dynamik am Goldmarkt hin.

Paradigmenwechsel am Goldmarkt

Das vorherrschende Narrativ, Gold werfe keine Zinsen ab und sei deshalb bei steigenden Zinsen unattraktiv, greift laut Stewart Thomson, ehemaliger Merrill-Lynch-Broker und Autor der Graceland Updates, zu kurz. Thomson warnt vor der Tendenz, andere Preistreiber zu ignorieren. Historische Daten zeigen, dass Gold in vielen Zinserhöhungszyklen gedeiht.

Der Boden wurde häufig zeitnah zur ersten Zinserhöhung markiert.

Ein Beispiel ist Dezember 2015, als Gold bei rund 1.050 US-Dollar sein Zyklustief notierte und anschließend in einen Aufwärtstrend überging. Die Société Générale spricht von einem „Regime Shift“ nach 2022, der die inverse Beziehung zwischen Gold und Realzinsen gebrochen habe. Am 20.

September 2026 lag der Goldpreis (XAU/EUR) bei 3.797,77 Euro pro Unze. Das entspricht einem Plus von 18,3 Prozent im Jahresvergleich. Seit dem Januar-Höchststand von 4.688,32 Euro am 28.

Januar 2026 beträgt der Rückgang rund 15,7 Prozent.

Robuste Wirtschaft und Inflationsdruck

Die US-Wirtschaft zeigt sich weiterhin robust. Die nominalen Konsumausgaben wachsen im Jahresvergleich um 6,3 Prozent. Nach Einschätzung des Präsidenten der Richmond Fed, Tom Barkin, ist auch außerhalb des KI-Sektors eine positive Dynamik erkennbar.

Barkin betont zudem, dass die Inflationsrisiken die Risiken für maximale Beschäftigung überwiegen. Die US-Inflation liegt seit 64 Monaten über dem Zwei-Prozent-Ziel der Federal Reserve.

Die Erzeugerpreise (PPI) stiegen im August um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 5,4 Prozent im Jahresvergleich. Das BlackRock Investment Institute weist auf eine intensivierende Kapitalnachfrage hin. Diese wird durch den Ausbau der Künstlichen Intelligenz und die hohe Staatsverschuldung der USA von rund 40 Billionen US-Dollar befeuert.

Diese Faktoren halten die Kreditkosten hoch und beeinflussen die Zinsentwicklung. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen liegen laut BlackRock bereits über fünf Prozent.

Zentralbanken im Spannungsfeld

Die Federal Reserve unter dem Vorsitz von Kevin Warsh steht nach Beobachtungen in einer schwierigen Lage zwischen dem Kampf gegen die Inflation und politischen sowie fiskalischen Zwängen. In der FOMC-Erklärung hieß es: „The Committee will deliver price stability.“ Ein Experte in Finanztreff merkte an, die Unabhängigkeit der Zentralbank sei schon immer eher ein Mythos gewesen.

Gerate dieses Fundament ernsthaft ins Wanken, sei das für Gold positiv, da Gold sich weder wählen noch entlassen lasse.

US-Finanzminister Scott Bessent hat öffentlich über die Monetarisierung der Aktivseite der US-Bilanz und die Verlagerung von Emissionen in kurze Laufzeiten gesprochen. Dies soll das lange Ende der Zinskurve entlasten. Spekulationen über eine Neubewertung der US-Goldreserven – die einen Buchgewinn von rund einer Billion US-Dollar ergeben könnte – kursieren weiterhin, obwohl Bessent einen direkten Zusammenhang zu Gold dementierte.

Asiens Gold-Strategie und Kritik am Futures-Markt

In Asien bauen Länder und Institutionen ihre Goldinfrastruktur aus. Singapur erweitert seine Goldlagerkapazitäten und verfügt über mindestens 2.200 Tonnen privat betriebener Lagerkapazität. Banken und Verwahrer wie DBS Group, OCBC Bank und Deutsche Bank erwägen eine Ausweitung der Goldlagerung.

Auch Indonesien könnte laut Analyse zu einem wichtigen Goldlager- und Handelszentrum werden. Chinesische Goldimporte erreichten in den vergangenen zwölf Monaten Zehnjahreshochs.

Gleichzeitig gibt es Kritik am Gold-Futures-Markt in den USA. Chris Powell vom Gold Anti-Trust Action Committee (GATA) behauptet, dieser Markt sei so gestaltet worden, dass eine „riesige imaginäre Goldversorgung“ die Preise unterdrücke. Zudem verleihen Stablecoin-Emittenten wie Tether 113 Tonnen Gold. Dies könnte die Rolle von Gold als Absicherung beeinträchtigen.

Ausblick: Zinspolitik, geopolitische Spannungen und Goldnachfrage

Die aktuelle Situation am Goldmarkt legt nahe, dass das reine Zins-Narrativ nicht ausreicht, um die Preisentwicklung zu erklären. Anhaltend hohe Inflation, hohe Staatsverschuldung und veränderte Prioritäten der Zentralbanken könnten Gold stützen. Standard Chartered erwartet trotz Inflationssorgen und erhöhter Fed-Zinserwartungen einen robusten Goldpreis und sieht einen Test des Widerstands bei 4.600 US-Dollar als möglich an.

Lombard Odier geht davon aus, dass die Federal Reserve die Zinsen 2026 halten wird und Zinssenkungen eher gegen Jahresende erfolgen.

Die nächsten Schritte der Federal Reserve werden aufmerksam verfolgt. FOMC-Mitglieder projizieren zwei weitere Zinserhöhungen um je 25 Basispunkte für 2026. Parallel dazu können die steigende Goldnachfrage aus Asien und die wachsende Skepsis gegenüber der Unabhängigkeit der Zentralbanken das traditionelle Verständnis der Goldmarktmechaniken weiter verschieben.

Die weitere Entwicklung dieser Faktoren, insbesondere im Hinblick auf Gold als Absicherung gegen makroökonomische Unsicherheiten, bleibt für Investoren und Marktbeobachter von Relevanz.