Ruth Porat, President und Chief Investment Officer von Alphabet und Google, treibt den Ausbau Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen voran. Sie sieht in der Technologie ein Mittel, den Zugang zur medizinischen Behandlung zu verbessern und das Gesundheitswesen zu demokratisieren. Diese Ausrichtung untermauern Alphabets geschätzte Capital-Expenditure-Ausgaben für 2026 von 180 bis 190 Milliarden US-Dollar.

Porats persönliche Motivation für den KI-Einsatz in der Medizin basiert auf eigenen Erfahrungen. Nach zwei Brustkrebserkrankungen in den Jahren 2001 und 2004 erkannte sie ungleiche Überlebenschancen bei behandelbaren Krebsarten in den USA. Ihr Onkologe formulierte es so: „The only way to democratize health care is with AI.“

KI als Katalysator für gerechtere Gesundheitsversorgung

Google konzentriert die KI-Entwicklungen im Gesundheitsbereich auf Felder mit hohem Potenzial für flächendeckende Verbesserungen. Dazu gehören die Früherkennung von Brust- und Lungenkrebs sowie die Vorsorge bei diabetischer Retinopathie. Eine Studie aus dem Jahr 2020 zeigte bereits: Googles KI-Modell reduzierte die Rate falsch-negativer Mammographie-Ergebnisse in den USA um 9,4 Prozentpunkte.

Im Vereinigten Königreich lag die Reduktion bei 2,7 Prozentpunkten.

Im Globalen Süden setzt Google KI zur Diagnose diabetischer Retinopathie in Regionen mit eingeschränktem Spezialistenzugang ein. Das Unternehmen führte in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern bislang etwa eine Million Scans durch und strebt sechs Millionen an.

Porat betont die Bedeutung der Früherkennung: „Early detection is a gift. It is the gift of time that can actually make such an impact on survival rates.“ Die Zahlen belegen diesen Bedarf: Schwarze Frauen in den USA haben eine 38 Prozent höhere Sterbewahrscheinlichkeit an Brustkrebs als weiße Frauen, obwohl sie seltener diagnostiziert werden.

Porat erwartet, dass KI zur Verringerung solcher Ungleichheiten beitragen kann.

Alphabets Milliardeninvestitionen in KI-Infrastruktur

Der strategische Fokus auf KI erfordert erhebliche Investitionen. Schätzungen gehen von Capital Expenditures von 180 bis 190 Milliarden US-Dollar für 2026 aus. Dies entspräche nahezu einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahr. Rund 40 Prozent dieses Budgets sollen in den Ausbau von Rechenzentren fließen, die verbleibenden etwa 60 Prozent in weitere KI-Infrastruktur wie Chips und Forschung.

Als President und Chief Investment Officer verantwortet Porat die konzernweiten Investitionen und Investmentvehikel Alphabets. Dazu zählen GV und CapitalG sowie das „Other Bets“-Portfolio. Sie berichtet an CEO Sundar Pichai, der bereits 2013 formulierte, Google bewege sich von „mobile-first“ zu „AI-first“.

Porat charakterisierte die aktuelle Lage wie folgt: „We haven’t seen anything this profound in our lifetime.“ Sie bekräftigt zudem: "we are going to invest aggressively to lead in A.I., and we’re going to have a full stack approach.“ Die Ausrichtung erläutert sie mit „It’s models, it’s chips, it’s research, and it’s the application across all of our platforms.“

Aktuellen Angaben zufolge nutzen bereits rund 80 Prozent der Werbetreibenden mindestens ein KI-gesteuertes Suchprodukt von Google. Diese Herangehensweise soll die Nutzbarkeit von KI über Geschäftsbereiche hinweg steigern und gleichzeitig Qualitätsanforderungen adressieren.

Führung und Verantwortung im Zeitalter der KI

Porat sieht in der KI große Chancen, mahnt jedoch zu verantwortungsvollem Handeln. Sie hebt die Notwendigkeit hervor, sich mit Governance-Fragen zu befassen. Dazu gehören finanzielle Risiken, Modellrisiken und Implementierungsrisiken.

Angesichts des schnellen Fortschritts ist es wichtig, frühzeitig die größten Schwachstellen zu identifizieren und abzusichern: „We must marshal every ounce of energy we have to deal with the governance around all elements that you’ve raised: financial risk, the model risk, the build-out risk, because the upside potential…is astounding.“

Ihre Führungserfahrung stammt unter anderem aus ihrer langjährigen Tätigkeit bei Morgan Stanley. Während der Finanzkrise 2008 war sie an Beratungen des US-Finanzministeriums beteiligt. Porat wurde im Mai 2015 Chief Financial Officer von Google und Alphabet.

Am 1. September 2023 übernahm sie die Rolle als President und Chief Investment Officer. In dieser Funktion leitet sie die konzernweiten Investitionen, inklusive der Venture-Capital-Arme GV und CapitalG sowie des Other-Bets-Portfolios.

Ausblick: Die Zukunft der KI im Gesundheitswesen

Die Pläne von Google und die persönlichen Erfahrungen von Ruth Porat verdeutlichen die Priorität, mit der der Konzern den Gesundheitssektor angeht. Angesichts der hohen Investitionen und der laufenden Forschung bleibt offen, wie schnell und flächendeckend die entwickelten KI-Lösungen in die globale Gesundheitsversorgung integriert werden. Beobachter werden insbesondere ethische Fragen und Datensicherheit bei sensiblen Anwendungen im Blick behalten.

Wie weit Googles KI-Strategie die medizinische Versorgung weltweit verändern kann und welche regulatorischen Hürden noch zu überwinden sind, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.