Die Integration generativer Künstlicher Intelligenz in die Google-Suche verändert die Dynamik des Online-Traffics. Publisher und Studien berichten von Rückgängen bei Weiterleitungen, wenn Du auf organischen Suchtraffic angewiesen bist. Diese Entwicklung setzt Unternehmen unter Druck, deren Geschäftsmodelle auf organischem Suchtraffic basieren.

KI-Overviews verändern das Suchverhalten

Googles KI-Overviews – KI-generierte Zusammenfassungen von Suchergebnissen direkt in den Resultaten – reduzieren Klicks auf externe Webseiten. Bereits zwei Drittel aller Google-Suchen enden heute, ohne dass Nutzer eine externe Webseite aufrufen. Zeigt Google eine KI-generierte Zusammenfassung an, steigt dieser Anteil auf rund 80 Prozent.

Diese Verschiebung beeinträchtigt die Sichtbarkeit von Inhalten und Produkten.

Der Akeneo-Bericht „The Invisible Shelf“ stellt fest, dass 47 Prozent der in Googles AI Overviews zitierten Inhalte von Seiten stammen, die in traditionellen Suchergebnissen unterhalb der fünften Position rangieren. Justin Thomas, VP Sales EMEA North bei Akeneo, warnt, dass KI-Systeme zunehmend darüber entscheiden, welche Produkte sichtbar sind und empfohlen werden.

Googles Reaktion und das Publisher-Dilemma

Google hat die Auswirkungen seiner KI-Strategie auf den Traffic für Publisher angesprochen und versucht, diese zu relativieren. Liz Reid, Vice President of Search bei Google, bezeichnete die KI-Integration als „the most significant upgrade of the Google Search experience ever“. Google gibt zudem an, dass das gesamte organische Klickvolumen von Google Search zu Webseiten im Jahresvergleich stabil geblieben sei.

Diese Darstellung widerspricht jedoch Berichten von Studien und den Erfahrungen einzelner Marktteilnehmer.

Im Mai 2026 führte Google als Reaktion auf die Diskussion die Funktion „Preferred Sources“ für seine KI-Erfahrungen ein. Im August 2026 stellte Google Publishern einen interaktiven Button zur Verfügung, den sie auf ihren Webseiten einbetten können, um bevorzugte Quellen in Google Search, Discover und Google News hervorzuheben. Nach Angaben von Google klicken Nutzer doppelt so häufig auf eine bevorzugte Quelle, wenn diese Option verfügbar ist.

Ob diese Maßnahme den Rückgang der Weiterleitungen zu Publisher-Seiten deutlich abfedern kann, ist derzeit noch offen.

Unternehmen spüren den Druck

Reiseunternehmen wie Booking Holdings spüren bereits Auswirkungen. Glenn Fogel, CEO von Booking Holdings, erklärte, dass Änderungen in der Darstellung bei Google „put some pressure on SEO“. Das Unternehmen plant, durch seine eigene KI-Strategie bis 2027 jährliche Einsparungen von 650 Millionen US-Dollar zu erzielen.

Der Wettbewerb im Bereich der KI-Chatbots beeinflusst ebenfalls die Verteilung von Weiterleitungen. Statcounter-Daten für März 2026 zeigen, dass Google Gemini mit 8,65 Prozent der Weiterleitungen von KI-Chatbots Perplexity (7,07 Prozent) überholt hat. ChatGPT bleibt mit 78,16 Prozent der Weiterleitungen dominierend.

Weitere Anteile halten Microsoft Copilot mit 3,19 Prozent und Claude mit 2,91 Prozent. Claude steigerte seinen Anteil von 0,30 Prozent im April 2025 auf 2,91 Prozent im März 2026. Mitte März 2026 erreichte Claude kurzzeitig einen Höchstwert von 3,6 Prozent, fiel danach aber auf 2,49 Prozent in der Folgewoche.

Aodhan Cullen, CEO von Statcounter, weist darauf hin, dass Google einen Vorteil hat, da es Gemini über sein gesamtes Ökosystem – Search, Android, Workspace und Chrome – integriert. Dies deutet darauf hin, dass die Verteilung von Weiterleitungen künftig auch von der Leistung und der Integration der verschiedenen KI-Assistenten abhängen wird.

Publisher-Reaktionen und offene Fragen

Einige Publisher prüfen Gegenmaßnahmen. Cloudflare kündigte an, ab dem 15. September 2026 standardmäßig Crawler für Suchindexierung und KI-Training zu blockieren.

Medienhäuser wie die Financial Times, Condé Nast und The Atlantic, die Cloudflare-Software nutzen, könnten diese Option zur Einschränkung des Datenzugriffs nutzen. Eine solche Blockade könnte Googles Fähigkeit, Inhalte für AI Overviews zu aggregieren, potenziell beeinträchtigen und den Konflikt um Datenzugang und Traffic-Verteilung verstärken.

Die Diskrepanz zwischen Googles Darstellung eines stabilen aggregierten Traffics und den Berichten von Studien und Unternehmen über Rückgänge im organischen Suchtraffic bleibt bestehen. Die langfristigen Auswirkungen der „Preferred Sources“-Funktion auf den Traffic von Publishern sind noch unklar. Es wird sich zeigen, inwiefern diese Maßnahme die Interessen der Publisher berücksichtigt und ob Verlage weitere Schritte zur Sicherung ihrer Reichweite und Einnahmen ergreifen.