Eine aktuelle Entscheidung in den USA stellt Googles Anzeigengeschäft auf den Prüfstand. Parallel dazu gewinnen in Europa und den Vereinigten Staaten die Debatten um Datenschutz und die Nutzung von Smart Glasses an Schärfe. Ein US-Bundesgericht ordnet Anpassungen bei Googles Werbeplattform an, verweigert jedoch eine Zerschlagung des Konzerns.
Norwegen plant zudem strengere Regeln für vernetzte Brillen, während Meta bereits mit Verboten und Klagen konfrontiert ist.
Diese Entwicklungen zeigen den wachsenden regulatorischen Druck auf große Technologiekonzerne und ihre Geschäftsmodelle. Insbesondere die Bereiche Online-Werbung und Wearables stehen im Fokus.
Kartellrechtliche Schranken für Googles Werbegeschäft
Googles Werbegeschäft steht erneut im Fokus kartellrechtlicher Prüfungen. Eine US-Bundesrichterin in Virginia ordnete Änderungen an Googles digitalem Anzeigengeschäft an. Diese Entscheidung folgte einer Untersuchung, die dem Unternehmen eine illegale Monopolstellung zuschrieb.
Trotz der festgestellten Monopolstellung lehnte Richterin Leonie Brinkema die von der US-Regierung geforderte Zerschlagung des Unternehmens ab. Kritiker äußern sich deutlich. Sacha Haworth, Executive Director des The Tech Oversight Project, bezeichnete die Entscheidung als unzureichend.
Er kommentierte, es sei „eine olympische Leistung an mentaler Gymnastik, festzustellen, dass Google ein illegales Monopol betreibt, und dann zu beschließen, nichts dagegen zu unternehmen“. Dies sende die falsche Botschaft, da Big Tech weiterhin neue und innovative Unternehmen am Markteintritt hindere.
Googles Muttergesellschaft Alphabet Inc. verfügt über eine Marktkapitalisierung von 4,11 Billionen US-Dollar. Das Anzeigengeschäft generiert fast 400 Milliarden US-Dollar an jährlichen Umsätzen. Die gerichtliche Anordnung zur Änderung des Werbegeschäfts könnte Folgen für die Dominanz des Konzerns in diesem Sektor haben, auch wenn ein struktureller Eingriff in Form einer Zerschlagung ausbleibt.
Marktbeobachter erwarten nun, dass die Auswirkungen der Anordnung auf Googles Einnahmen und Marktanteile genau analysiert werden. Die Entwicklung könnte einen Präzedenzfall für weitere kartellrechtliche Verfahren gegen andere Technologieunternehmen darstellen.
Neue Grenzen für Smart Glasses: Norwegen prescht vor
Parallel zu den kartellrechtlichen Auseinandersetzungen im Werbemarkt verstärken sich die Debatten um den Datenschutz im Bereich der Wearables. Insbesondere Smart Glasses geraten hierbei in den Fokus. Norwegen plant strengere Regulierungen für Smart Glasses.
Digitalministerin Karianne Tung kündigte an, ein Expertengremium einzurichten. Dieses soll die Regierung bei der besseren Wahrung von Persönlichkeitsrechten beraten.
Ein Verbot von Funktionen wie der Gesichtserkennung anderer Personen im öffentlichen Raum sei denkbar. Tung äußerte zudem, man müsse verhindern, „dass diese Ausrüstung zur Überwachung anderer Menschen an öffentlichen Orten eingesetzt wird.“ Weltweit wächst die Besorgnis über nicht-einvernehmliche Aufzeichnungen durch Smart Glasses.
Verbote und Klagen prägen den Markt für vernetzte Brillen
Meta, Hersteller von Produkten wie den Ray-Ban Meta und den Meta AI Glasses, sieht sich zunehmendem Widerstand gegenüber. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr über sieben Millionen Einheiten der Ray-Ban Meta verkauft. Der Markt für Smart Glasses wird voraussichtlich bis 2031 auf über zehn Milliarden US-Dollar anwachsen. Dennoch geraten die Geräte aufgrund ihrer Aufnahmefunktionen in die Kritik.
Die Debatte um Smart Glasses führte bereits zu konkreten Verboten und rechtlichen Auseinandersetzungen. In England und Wales haben Gerichte im August 2026 die Nutzung von Meta Smart Glasses untersagt. His Majesty’s Courts & Tribunals Service (HMCTS) begründet das Verbot mit klaren Beschränkungen für das Aufnehmen von Bildern oder Videos in Gerichten und Tribunalen.
Beim Betreten der Gerichtsgebäude werden die Geräte beschlagnahmt.
Zuvor hatten bereits Gerichtssysteme in den USA, etwa in New York, Beschränkungen erlassen. Anlass war ein Vorfall im März 2026. Teammitglieder von Meta trugen Smart Glasses während eines Prozesses. Richterin Carolyn Kuhl drohte daraufhin mit Missachtung des Gerichts.
In Deutschland haben Datenschutzgruppen Strafanzeigen gegen Meta AI Glasses eingereicht. Sie sehen einen potenziellen Verstoß gegen deutsche Datenschutzgesetze. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte äußerte sich ebenfalls kritisch.
Auf breiter Ebene haben in Großbritannien Einrichtungen wie die Pub-Kette Wetherspoons, gehobene Restaurants, Mitgliederclubs, Theater, Musikclubs und Comic-Convention-Veranstalter Meta AI-gestützte Smart Glasses verboten.
Meta reagierte auf die Kritik mit technischen Anpassungen und einer Marketingkampagne. Im August 2026 schloss das Unternehmen eine Schwachstelle. Diese ermöglichte es, das Aufnahme-LED der Smart Glasses abzudecken.
Die Kamera stoppt nun die Aufnahme, wenn das Licht währenddessen verdeckt wird. Eine frühere Aktualisierung deaktivierte die Kamera, wenn das LED-Licht vollständig entfernt wurde. Alex Himel, Executive Vice President of Wearables bei Meta, schrieb, nur eine kleine Minderheit versuche, diese Schutzmechanismen zu umgehen.
Meta startete zudem eine Kampagne, um die Öffentlichkeit über die Funktion des LED-Lichts als Aufnahmeanzeige zu informieren. In Meta-Kommunikation heißt es: „Die Kamera lässt den Moment festhalten. Das Licht lässt jeden um einen herum wissen, wann das geschieht.“
Trotz dieser Maßnahmen sieht sich Meta mit einer landesweiten Sammelklage in den USA konfrontiert. Kläger werfen dem Unternehmen vor, über Datenschutzrisiken beim Marketing seiner AI-Brillen getäuscht zu haben. In der Klage heißt es, dass menschliche Datenannotatoren in Kenia alle von den Brillen erfassten Aufnahmen sichten.
Dies diene dazu, Metas KI zu trainieren. Die Kläger behaupten, dies umfasse auch intime Momente und sensible Inhalte. Sie fordern Schadensersatz sowie eine Änderung der Marketingaussagen.
Zudem verlangen sie eine umfassende Aufklärung der Öffentlichkeit über die Risiken.
Ausblick: Zunehmender regulatorischer Druck und offene Fragen
Die Entwicklungen rund um Googles Werbemonopol und die Smart Glasses von Meta zeigen einen Trend zu stärkerer Regulierung und gerichtlicher Kontrolle. Die Entscheidung im Google-Kartellfall, die Änderungen vorschreibt, aber keine Zerschlagung anordnet, signalisiert gerichtliches Eingreifen in die Geschäftspraktiken von Technologiekonzernen. Für Google bedeutet dies, sein Anzeigengeschäft anpassen zu müssen, was sich auf Umsatzstrategien und Wettbewerbsverhältnisse auswirken kann.
Im Bereich der Smart Glasses bleibt die Debatte um Privatsphäre und nicht-einvernehmliche Aufzeichnung virulent. Der Europäische Datenschutzausschuss (EDPB) wird voraussichtlich im Sommer 2026 einen Bericht zu den Datenschutzrisiken von Smart Glasses vorlegen. Europäische Aufsichtsbehörden haben zudem bereits geäußert, dass ein LED-Licht allein nicht als Zustimmung ausreiche.
Insbesondere die Wirksamkeit von Metas technischen Anpassungen und Marketingbotschaften wird von Regulierungsbehörden und Datenschutzexperten beobachtet.
Ob die norwegischen Überlegungen Modellcharakter für andere Länder annehmen, bleibt abzuwarten. Die Sammelklage gegen Meta wirft Fragen zur Datenverarbeitung und zu Trainingsmethoden für KI auf. Ihr Ausgang könnte für die gesamte Branche Präzedenzcharakter haben.







