Alphabet, der Mutterkonzern von Google, sichert sich Atomstrom für seine Rechenzentren. Diese strategische Neuausrichtung unterstreicht Googles Bestreben, den steigenden Strombedarf seiner KI-Anwendungen mit zuverlässiger, kohlenstofffreier Energie zu decken. Das Unternehmen verfolgt zudem seine Klimaziele.
Kern der Strategie sind Partnerschaften mit Kernkraftanbietern, darunter Entwickler kleiner modularer Reaktoren (SMRs) und etablierte Energieversorger.
Google setzt auf Kernkraft für KI-Wachstum
Google schließt Verträge zur Beschaffung von Kernenergie. Damit deckt das Unternehmen den steigenden Strombedarf seiner Rechenzentren, insbesondere für KI-Technologien. Google hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 Netto-Null-Emissionen über alle Operationen und die gesamte Wertschöpfungskette zu erreichen.
Außerdem will das Unternehmen rund um die Uhr kohlenstofffreie Energie (24/7 CFE) nutzen. Die CO2-Emissionen von Google stiegen 2024 im Vergleich zu 2019 um fast 50 Prozent, hauptsächlich bedingt durch den erhöhten Stromverbrauch der Rechenzentren.
Die Google-Mutter Alphabet plant für 2026 Investitionen von bis zu 185 Milliarden US-Dollar in KI-Technologie und Rechenzentren. Dies entspricht rund dem Doppelten des Vorjahreswerts. Für diese Investitionen ist eine stabile und skalierbare Energieversorgung relevant.
Michael Terrell, Senior Director Energy and Climate bei Google, betont die Notwendigkeit neuer Stromquellen für KI-Technologien. Er sieht in der Kernenergie eine Rolle zur Unterstützung von sauberem Wachstum und zur Erreichung der Klimaziele.
Strategische Partnerschaften und Deals
Im Zentrum von Googles Kernkraftstrategie stehen mehrere Vereinbarungen:
Kairos Power: Google hat zugesagt, bis zu 500 Megawatt neue, rund um die Uhr verfügbare kohlenstofffreie Energie aus kleinen modularen Reaktoren (SMRs) zu beziehen. Diese Vereinbarung gilt als weltweit erster Unternehmensvertrag dieser Art mit einem SMR-Entwickler. Google hat Berichten zufolge sechs oder sieben SMRs bei Kairos Power bestellt.
Die erste SMR von Kairos Power ist für 2030 geplant, weitere Reaktoren sind bis 2035 vorgesehen. Im Juli 2024 begann Kairos Power mit dem Bau eines Hermes Non-powered Demonstration Reactor in Tennessee.
Google, Kairos Power und die Tennessee Valley Authority (TVA) einigten sich zudem auf die Lieferung von 50 Megawatt aus dem Hermes-2-Projekt. Google bezieht die sauberen Energiewerte über TVA, um Rechenzentren in der Region zu unterstützen. Die finanziellen Konditionen wurden nicht offengelegt.
Elementl Power: Google stellt Frühphasenkapital für Elementl Power bereit, einen Entwickler fortgeschrittener Nuklearprojekte. Ziel ist die Entwicklung von drei potenziellen Atomkraftwerksstandorten in den USA, mit jeweils mindestens 600 Megawatt Kapazität. Elementl strebt an, bis 2035 signifikante Kernkraftkapazität in Betrieb zu nehmen.
Google sichert sich eine Option für kommerziellen Energiebezug, sobald die Projekte abgeschlossen sind. Chris Colbert, Chairman und CEO von Elementl Power, sagte, solche Partnerschaften seien notwendig, um Kapital für neue Kernenergieprojekte zu mobilisieren.
NextEra Energy / Duane Arnold: NextEra Energy plant, das stillgelegte Duane Arnold Energy Center in Iowa wieder in Betrieb zu nehmen. Das Werk hat eine Kapazität von 615 Megawatt. Die Wiederinbetriebnahme ist für Anfang 2029 geplant.
Google hat für das Projekt ein 25-jähriges Power Purchase Agreement (PPA) vereinbart. NextEra plant darüber hinaus, bis 2035 mehr als 15 Gigawatt neue Stromerzeugung speziell für Rechenzentren bereitzustellen. Ruth Porat, President und Chief Investment Officer von Alphabet und Google, bezeichnete die Partnerschaft als Modell für notwendige Investitionen in Energiekapazitäten und Arbeitsplätze.
Breite Marktentwicklung und politische Reaktionen
Googles Schritte sind Teil eines breiteren Trends in der Tech-Branche. Auch andere Großkonzerne wie Microsoft und Amazon setzen vermehrt auf Kernkraft oder Partnerschaften mit Kernkraftbetreibern. Microsoft kooperiert etwa mit Constellation Energy.
Amazon erwarb Rechenzentrums-Kapazitäten, die vom Susquehanna-Atomkraftwerk versorgt werden, und führt mehrere Nuklearpartnerschaften. Die steigende Bedeutung zuverlässiger, kohlenstofffreier Energiequellen für Rechenzentren wird in den Quellen betont.
Schätzungen zufolge könnte der US-Strombedarf durch Rechenzentren, Fertigung und Elektrifizierung bis 2029 um 15,8 Prozent ansteigen.
Auch in Deutschland investiert Google: Das Unternehmen plant, in den Jahren 2026 bis 2029 rund 5,5 Milliarden Euro in Rechenzentren und Standorte zu investieren, mit Schwerpunkt auf klimafreundlicher Energie. Vertreter der Politik, darunter Vizekanzler Lars Klingbeil und Digitalminister Karsten Wildberger, äußerten Unterstützung für die Investitionen.
Offene Fragen zum Ausblick
Die Vereinbarungen von Google mit Kairos Power, Elementl Power und NextEra Energy deuten auf eine Verschiebung in der Energiebeschaffungsstrategie großer Technologieunternehmen hin. SMRs spielen dabei eine Rolle. Offene Fragen betreffen die Finanzierung der noch teils unerprobten SMR-Technologien, regulatorische Genehmigungsverfahren und die öffentliche Akzeptanz.
Die genauen Standorte der Elementl-Projekte und die finanziellen Details vieler Vereinbarungen sind weiterhin nicht öffentlich bekannt.
Beobachter werden verfolgen, ob die Zeitpläne für die Inbetriebnahme der Projekte eingehalten werden. Ebenso wichtig wird sein, welche Folgen dies für Energiepreise und die Dekarbonisierungsziele der Tech-Branche hat.







