Markenstreit in der Luxusbranche: Goyard gewinnt gegen Fauré Le Page
Nach einem fast 14 Jahre andauernden Rechtsstreit verzeichnet der französische Luxuswarenhersteller Goyard einen juristischen Erfolg gegen Fauré Le Page. Der Gerichtshof der Europäischen Union (CJEU) und Frankreichs höchste Gerichtsinstanz erklärten die Marken „Fauré Le Page Paris 1717“ für ungültig. Das Urteil setzt einen präzedenzfallartigen Akzent für die Branche und wirft Fragen zur Vermarktung von Markenerbe und handwerklicher Tradition auf.
Irreführende Jahreszahlen im Fokus
Goyard, 1853 gegründet und mit Wurzeln bis ins Jahr 1792 zurückreichend, hatte Fauré Le Page im Jahr 2012 verklagt. Kern der Klage bildete die Verwendung der Datumsangabe „1717“ in den Marken von Fauré Le Page. Goyard argumentierte, diese Jahreszahl suggeriere eine jahrhundertealte Kontinuität und Expertise, die das modern geführte Unternehmen nicht besitze.
Der CJEU bestätigte diese Auffassung in seinem Urteil vom 26. März 2026. Eine Marke kann demnach irreführend sein, wenn sie ein Element enthält, das einen historischen Ursprung vortäuscht, den die Marke tatsächlich nicht hat. Eine Datumsangabe ist nicht immer ein neutrales Element, sondern kann spezifische kommerzielle Informationen übermitteln.
Gerade im Luxussegment beeinflussen Geschichte und Langlebigkeit die Wahrnehmung von Qualität und Prestige direkt. Eine irreführende Angabe über das Unternehmen oder die Marke kann sich so auf die Darstellung der Produkte selbst auswirken. Das Gericht wies zugleich darauf hin, dass sich die Irreführung auf ein Merkmal der Waren oder Dienstleistungen beziehen muss, nicht lediglich auf den Inhaber der Marke.
Das Erbe von Fauré Le Page: Eine Rekonstruktion
Die moderne Marke Fauré Le Page entstand im Jahr 2009. Sie beruft sich auf die Geschichte der Maison Fauré Le Page, eines historischen Waffen- und Lederzubehörgeschäfts, das 1716 oder 1717 in Paris gegründet wurde. Die historische Maison fertigte Waffen und Schwerter, unter anderem für Napoleon Bonaparte und Louis XVIII.
Die Aktivitäten der ursprünglichen Firma endeten 1992 mit der Auflösung des Unternehmens und der Übertragung der Vermögenswerte an den einzigen Aktionär Saillard. Die Markenrechte für „Fauré Le Page“ registrierte Saillard 1989. Im Jahr 2009 gingen diese Rechte an das neu gegründete Unternehmen Fauré Le Page Paris über.
Augustin Liffort de Buffévent, früherer Manager bei Dior in den USA, übernahm 2009 die Führung der wiederbelebten Marke. Fauré Le Page meldete 2011 die Marken „Fauré Le Page Paris 1717“ an. Diesen Zeitpunkt betrachtet man als Ausgangspunkt des Rechtsstreits.
Goyard machte geltend, die Verwendung der Jahreszahl wecke beim Verbraucher den Eindruck einer ununterbrochenen Kontinuität, die nicht existiere.
Konsequenzen für die Luxusbranche
Das Urteil verdeutlicht die rechtlichen Risiken, die mit der Verwendung historischer Daten oder Erbschaftsangaben verbunden sind. Dies gilt insbesondere dann, wenn Kontinuität oder eine lückenlose Übertragung von Know-how nicht belegt werden können. Im Luxusmarkt, wo Authentizität und Geschichte die Markenwahrnehmung stark beeinflussen, hat die Entscheidung Bedeutung für die Markenkommunikation.
Die juristische Auseinandersetzung reicht bis ins Jahr 2012 zurück und wurde 2021 vom Pariser Berufungsgericht bereits als „ernsthaftes Risiko der Irreführung des Verbrauchers“ bewertet. Die CJEU-Entscheidung vom 26. März 2026 ist bindend.
Die Branche wird das Urteil genau prüfen, um die Verwendung historischer Referenzen in der Kommunikation rechtlich zu bewerten. Luxusmarken stehen nun vor der Herausforderung, ihr Erbe und ihre Historie so zu kommunizieren, dass sie keine juristischen Angriffspunkte bieten und die Erwartungen an Authentizität erfüllen.







