Der Anteil weiblicher Gründerinnen bleibt im deutschen Startup-Ökosystem deutlich unterrepräsentiert. Organisationen wie das Media Lab Bayern und die Women Startup Initiative der UnternehmerTUM fordern Reformen, um diese strukturelle Schieflage zu korrigieren. Dies geht aus einer Diskussion mit Pia Lexa (Media Lab Bayern) und Susanne Traugott (Women Startup Initiative, UnternehmerTUM) hervor.

Strukturwandel gefordert

Die Branche diskutiert die geringe Anzahl weiblicher Gründerinnen als ein strukturelles Problem. Während die Investitionen in deutsche Startups hoch bleiben – im ersten Halbjahr 2026 flossen rund 5,3 Milliarden Euro in junge Unternehmen – ging die Zahl der Finanzierungsrunden insgesamt zurück. Bayern liegt bei den Investitionen hinter Berlin und Baden-Württemberg.

Lexa und Traugott betonen die Dringlichkeit von Veränderungen, um die Unterrepräsentation anzugehen.

Parallel dazu befasst sich das Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V. (kompetenzz) mit der Rolle von Frauen in MINT-Berufen und Innovation. Das Forschungsprojekt Tech2stay untersucht, wie Unternehmen Rahmenbedingungen schaffen können, damit Frauen langfristig in der IT-Branche bleiben und ihr Innovationspotenzial voll entfalten.

Ein Daten-Special von Tech2stay analysiert den Frauenanteil in Informatik- und anderen IKT-Berufen nach Anforderungsniveau zwischen 2015 und 2025.

Sichtbarkeit als Herausforderung: Der Matilda-Effekt

Ein zentraler Aspekt der geringen Gründerinnenquote ist die mangelnde Sichtbarkeit weiblicher Leistungen. Dies wird oft als Matilda-Effekt beschrieben, der die Tendenz bezeichnet, dass Beiträge von Frauen in Wissenschaft und Technik weniger anerkannt oder männlichen Kollegen zugeschrieben werden.

Kompetenzz hat mit den meta-IFiF-Handlungsempfehlungen konkrete Schritte entwickelt, um die Sichtbarkeit innovativer Frauen in Wissenschaft, Forschung und Innovation zu erhöhen. Diese Empfehlungen richten sich an Hochschulen, Unternehmen und Organisationen. Die Initiative „Komm, mach MINT.“ gilt als ein positives Beispiel im Kampf gegen den Matilda-Effekt.

Veranstaltungen fördern Vernetzung und Austausch

Zur Förderung der Vernetzung zwischen etablierten Unternehmen und Gründenden finden gezielte Veranstaltungen statt. Ein Beispiel ist „Speed Up: Unternehmer daten Gründerinnen und Gründer“, das am 24. September 2026 in Ludwigslust (DeveLUP) ausgerichtet wird.

Dort können Gründerinnen und Gründer ihre Ideen vorstellen und Unternehmen ihre Erfahrungen teilen. Die Speed-Dating-Atmosphäre soll persönliche Gespräche, neue Kontakte und Kooperationen ermöglichen. Die Veranstaltung wird gemeinsam mit Henrik Wegner, Startup- und Gründungskoordinator des Zukunftszentrums DeveLUP, durchgeführt.

Der VGSD (Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e. V.) engagiert sich zudem für die Belange von Selbstständigen und ist in politischen Gesprächen aktiv.

Ausblick: Debatte und Forschung gehen weiter

Die Forderungen von UnternehmerTUM und Media Lab Bayern unterstreichen die Notwendigkeit einer fortgesetzten Debatte über die Gleichstellung im Startup-Sektor. Das Tech2stay-Projekt liefert relevante Daten zur Entwicklung des Frauenanteils in der IT zwischen 2015 und 2025. Ein Wissenschaft-Praxis-Dialog zu Tech2stay ist für den 23.

September 2026 auf dem Informatik-Festival in Dresden geplant, um erste Ergebnisse zu diskutieren und Empfehlungen zu erörtern. Die weitere Entwicklung dieser Initiativen und deren Einfluss auf die Gründerinnenquote bleiben ein wichtiger Fokus für die Branche.