Die Food-Branche gilt für viele als attraktives Gründungsfeld. Eine Studie aus den USA und diverse deutsche Analysen zeigen jedoch, dass Gründerinnen, insbesondere Schwarze Frauen im US-Lebensmittelsektor, spezifische Hürden überwinden müssen. Diese Herausforderungen erschweren ihren Zugang zu Kapital und Netzwerken, was ein Wachstum über den Status von Kleinstunternehmen hinaus limitiert.

Dies deutet auf ungenutztes Potenzial im Gründungsökosystem hin.

Kleinstunternehmen dominieren den US-Food-Sektor

Der Bericht „Black Women in Food Industry Report: Entrepreneurship Across the Food Landscape“ beleuchtet die Situation Schwarzer Gründerinnen im US-Lebensmittelsektor. Die Mehrheit der befragten Unternehmen meldet einen Jahresumsatz von unter 25.000 US-Dollar und agiert als Kleinstunternehmen. Über die Hälfte der Befragten führt ihr Geschäft zudem als Einzelperson.

Viele dieser Unternehmen sind laut Studie tief in der Gemeinschaft und kulturellen Zielen verwurzelt. Sie verfolgen nicht allein finanzielle Gewinne. Lilly Jan, Assistant Teaching Professor an der Cornell Nolan School of Hotel Administration, initiierte die Forschung.

Sie beschreibt: „So many of these businesses are rooted in community and larger meaning. It wasn’t simply about building a business. It was also about engaging with a community or a culture, supporting legacy.“

Der Bericht identifiziert mangelnden Zugang zu Kapital und Peer-Mentoring als zentrale strukturelle Ungleichheiten. Die meisten Unternehmen finanzieren sich persönlich, wobei Ersparnisse die dominierende Finanzierungsquelle darstellen. Traditionelle Bankkredite und Investitionskapital bleiben die Ausnahme, was die Skalierungsmöglichkeiten stark begrenzt.

Obwohl viele Befragte einen Bachelor- oder Hochschulabschluss besitzen, operieren sie oft ohne eine robuste professionelle Infrastruktur. Ihr Zugang zu Netzwerken und Mentoring-Systemen ist häufig eingeschränkt. Nina Oduro, Mitbegründerin von Black Women in Food, kommentiert den Bericht: „This report demonstrates that the stories are not isolated experiences.

They reveal broader patterns that require systemic solutions.“

Deutsche Gründerinnen: Hohes Potenzial, geringe Skalierung

Auch in Deutschland weisen Analysen strukturelle Herausforderungen für Gründerinnen auf. Diese Studien fokussieren dabei nicht spezifisch auf den Lebensmittelsektor oder ethnische Gruppen. Laut Female Founders Monitor sank der Anteil der Startup-Gründungen durch Frauen im Jahr 2024 erstmals seit fünf Jahren wieder unter 20 Prozent und lag bei 18,8 Prozent.

Zum Vergleich: Frauen stellen 50,5 Prozent der Gesamtbevölkerung und rund 52 Prozent der Hochschulabsolventinnen in Deutschland.

Untersuchungen belegen, dass reine Frauenteams oder diverse Gründungsteams in den vergangenen Jahren höhere Umsätze und eine bessere Kapitalrentabilität erzielten als rein männliche Teams. Trotzdem bleibt die Finanzierung ein Problem. Eine Studie aus dem Jahr 2020 zeigt, dass nur 5,2 Prozent der weiblichen Gründungsteams eine Investitionssumme von einer Million Euro oder mehr erhielten.

Bei männlichen Teams lag dieser Wert bei 27,8 Prozent. Nur 7,7 Prozent der befragten Gründerinnen konnten bevorzugte Venture-Capital-Geber und Business Angels gewinnen. Eine Analyse des EIT ergab, dass bis 2022 lediglich rund 15 Prozent des Seed-Kapitals in von Frauen geführte Deep-Tech-Startups flossen.

Die Quellen stellen zudem fest, dass Frauen in frühen Phasen zwar häufiger öffentliche Förderungen erhalten, privat jedoch langsamer skalieren.

Vereinbarkeit und fehlende Netzwerke als Bremse

Verschiedene Studien nennen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als relevanten Faktor. Eine RKW-Studie für den Female Founders Monitor zeigt, dass der Anteil an Sologründerinnen zwischen 2021 und 2024 konstant über 50 Prozent lag. Bei Männern betrug dieser Wert etwa 20 Prozent.

Mit Kindern reduziert sich die wöchentliche Arbeitszeit von Gründerinnen im Schnitt um 5,8 Stunden. Bei männlichen Gründern ist dies lediglich etwa eine Stunde.

Die Verfügbarkeit von Kinderbetreuung ist ein weiteres zentrales Thema. Im Jahr 2023 fehlten bundesweit rund 383.600 Kita-Plätze, davon 270.980 für Kinder unter drei Jahren. Für Kinder unter einem Jahr besteht zudem kein Rechtsanspruch auf Betreuung.

Frauen sind im unternehmerischen Umfeld unterrepräsentiert, was zu einem Mangel an Vorbildern und Sichtbarkeit führt. Nur 14 Prozent der Business Angels sind weiblich. Traditionelle Rollenbilder in Schulbüchern und eine geringere Sichtbarkeit in Gründungsmedien werden in den Quellen als Faktoren genannt, die das Gründungspotenzial beeinflussen können.

Frauen gründen häufiger in Bereichen mit Gemeinwohl- oder Umweltbezug. Laut Social Entrepreneurship Monitor werden rund 80,9 Prozent der Sozialunternehmen mindestens von Frauen mitgegründet. In High-Tech- und stark wachstumsorientierten Bereichen sind Frauen seltener vertreten.

Studien berichten überdies von weniger ausgeprägten Netzwerken von Gründerinnen, insbesondere in relevanten Investment-Sektoren.

Ausblick: Systemische Lösungen gefordert

Der US-Bericht und die deutschen Analysen verdeutlichen, dass strukturelle Faktoren wie der Zugang zu Kapital, Mentoring und eine verlässliche Betreuungsinfrastruktur eine zentrale Rolle spielen. Nina Oduro betont die Notwendigkeit, Forschung zu priorisieren, „to advance meaningful solutions for the barriers that have been uncovered.“ Die Debatte, wie Gender-Investment-Gaps reduziert und ein inklusiveres Ökosystem geschaffen werden kann, dauert an und erfordert weitere politische und wirtschaftliche Anstrengungen.