Die Gründerfamilie Persson verstärkt ihre Mehrheit am schwedischen Modekonzern H&M. Mit einem Anteil von mittlerweile über 68 Prozent nährt die Familie Spekulationen am Markt, einen Börsenrückzug des Fast-Fashion-Händlers anzustreben. Diese Entwicklung findet vor dem Hintergrund eines herausfordernden Marktumfelds und stagnierender Geschäftszahlen statt.

Anteilsaufstockung befeuert Delisting-Spekulationen

Die Gründerfamilie Persson, angeführt von Stefan Persson, hat ihren Besitzanteil am Modekonzern H&M in den vergangenen Jahren erhöht. Ende August 2026 halten die Familie und verbundene Gesellschaften, darunter die Beteiligungsgesellschaft Ramsbury Invest, mehr als 68 Prozent der H&M-Aktien. Anfang 2021 lag dieser Anteil noch bei 49,5 Prozent.

Allein im laufenden Jahr 2026 kaufte Ramsbury Invest 36,8 Millionen H&M-Aktien. Diese Aufstockung der Anteile nährt Spekulationen, dass die Familie H&M von der Börse nehmen könnte.

Sverre Linton, Chefjustiziar des schwedischen Aktionärsverbands, äußerte sich hierzu: „Es ist sehr schwer, darin etwas anderes zu sehen als die Strategie, das Unternehmen nach und nach vollständig zu übernehmen.“ Er ergänzte, es handele sich um Schwedens langsamsten Börsenrückzug. Eine Sprecherin von Ramsbury Invest betonte hingegen: „Die Familie Persson glaubt an das Unternehmen, ist langfristig orientiert und hat ihren Anteil im Laufe der Zeit bereits in der Vergangenheit immer wieder erhöht.“

Ramsbury Invest äußerte sich nicht zu möglichen Plänen für einen Börsenrückzug.

H&M im Wettbewerb: Stagnation und Kursverfall

Die erhöhte Aktivität der Gründerfamilie an der Börse fällt in eine Phase, in der H&M mit Problemen beim Umsatzwachstum zu kämpfen hat. Onlineanbieter wie Shein und der Wettbewerber Inditex (Zara) setzen dem Konzern zu. Zugleich belasten rückläufige Konsumausgaben das Geschäft.

Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz von H&M um ein Prozent; im zweiten Quartal stagnierte er. Die H&M-Aktie hat seit ihrem Höchststand im Jahr 2015 mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren.

Daniel Ervér, der seit Januar 2024 als Vorstandsvorsitzender agiert, hat den Auftrag, die Profitabilität zu verbessern und die Marke zu stärken. Bisher konnte er jedoch weder ein signifikantes Umsatzwachstum ankurbeln noch den Börsenwert steigern.

Motive und mögliche Konsequenzen eines Delistings

Die Motive der Familie Persson für einen möglichen Börsenrückzug werden in der Berichterstattung diskutiert. Ein nicht-börsennotiertes Umfeld könnte es dem Unternehmen ermöglichen, langfristigere Strategien zu verfolgen, die weniger durch kurzfristige Kapitalmarkterwartungen beeinflusst werden. Peter Magnusson, Portfoliomanager bei Cicero Fonder, sagte hierzu: „Vielleicht hat die Familie das Gefühl, dass sie von den Märkten so viel negatives Feedback bekommt, dass es für sie besser wäre, nicht mehr börsennotiert zu sein.

Dann könnte sie langfristige Strategien viel konsequenter verfolgen.“

Nach schwedischem Recht kann ein Aktionär, der 90 Prozent eines Unternehmens besitzt, die verbleibenden Aktien zwangserwerben. Für Kleinaktionäre ergeben sich zwei mögliche Szenarien: ein „angemessenes“ Barangebot seitens der Familie Persson oder die Hoffnung auf eine erfolgreiche Sanierung, die den Aktienkurs im Falle eines Verbleibs an der Börse steigen lässt.

Sverre Linton kommentierte: „Ich glaube, dass viele Aktionäre zu diesem Zeitpunkt bereit wären, ein solches Angebot anzunehmen.“

Ausblick: Die Zukunft von H&M

Die kommenden Wochen und Monate dürften weitere Klarheit über die strategische Ausrichtung von H&M und die Absichten der Familie Persson bringen. H&M will die Zahlen für das dritte Quartal 2026 an einem Donnerstag vorlegen. Analysten erwarten für dieses Quartal ein moderates Umsatzwachstum.

Adam Cochrane von der Deutschen Bank prognostizierte, dass die Familie H&M bis zum Jahr 2030 von der Börse nehmen werde. Die Märkte werden die weitere Entwicklung der Anteilsverhältnisse und die Kommunikation der Familie Persson genau beobachten.