Der Austausch von Gas-Etagenheizungen in Mehrfamilienhäusern stellt eine zentrale Herausforderung für die Wärmewende dar. Das Heilbronner Startup HeatPump23 bietet hierfür eine kompakte Luft-Wasser-Wärmepumpe an. Diese ist als 1:1-Ersatz für Gasthermen in Wohnungen ohne Heizungskeller konzipiert.
Die Lösung ermöglicht die dezentrale Umrüstung einzelner Wohneinheiten und verspricht dabei niedrigere Betriebskosten und CO2-Einsparungen.
Innovation für die Wärmewende im Bestand
Die Wärmepumpe von HeatPump23 adressiert einen signifikanten Markt: In Deutschland befinden sich Schätzungen zufolge zwischen 3,8 und 4,9 Millionen Wohnungen mit Gas-Etagenheizungen. Diese Einheiten gelten aufgrund komplexer Eigentümerstrukturen und technischer Gegebenheiten – wie fehlender Kellerräume oder Schächte für zentrale Heizsysteme – als eine Hürde für die flächendeckende Wärmewende. Die Gründer Georg Barbunopulos und Frederik Janzen zielen mit ihrem System, bestehend aus einer Innen- und einer kompakten Außeneinheit, auf dieses Marktsegment.
Die Inneneinheit ersetzt die vorhandene Gastherme, während die Außeneinheit an der Hauswand oder auf dem Dach installiert wird. HeatPump23 gibt an, dass der Einbau innerhalb von zwei bis drei Tagen realisierbar ist. Da jede Wohneinheit unabhängig umgerüstet werden kann, vereinfacht dies Abstimmungsprozesse in Wohnungseigentümergemeinschaften.
Das System ist mit herkömmlichen Heizkörpern sowie Fußbodenheizungen kompatibel und nutzt die bestehenden Anschlüsse der alten Gastherme.
Effizienz und Wirtschaftlichkeit für Immobilienbesitzer
Feldtests in unsanierten Altbauwohnungen belegen einen durchschnittlichen Coefficient of Performance (COP) von circa 4. Dies bedeutet, dass aus einer Kilowattstunde Strom nach Unternehmensangaben etwa vier Kilowattstunden Wärme erzeugt werden. HeatPump23 beziffert die durchschnittliche Betriebskosteneinsparung auf rund 30 Prozent gegenüber einer Gas-Etagenheizung; in den Feldtests wurden sogar 23 Prozent günstigere Betriebskosten erzielt.
Ein Gründerzitat besagt, dass die Anlage im Betrieb günstiger ist, solange der Strompreis nicht mehr als viermal so hoch wie der Gaspreis liegt. Die Anschaffungskosten inklusive Installation betragen rund 19.000 Euro. Staatliche Förderprogramme unterstützen die Umrüstung; HeatPump23 ist auf der BAFA-Liste förderfähiger Wärmepumpen gelistet.
Die Förderstrukturen umfassen eine Grundförderung von 30 Prozent, einen Klima- oder Geschwindigkeitsbonus von 20 Prozent (beim Austausch einer älteren Gasheizung in selbst genutzten Einheiten) sowie weitere Boni für Effizienz oder Einkommen. Insgesamt lassen sich so bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten decken. Die förderfähigen Kosten sind auf 30.000 Euro pro Wohneinheit begrenzt.
Ein Beispiel aus Stuttgart zeigt, wie ein Hauseigentümer bei Kosten von 21.000 Euro über 7.000 Euro Förderung erhielt.
Das Unternehmen prognostiziert CO2-Einsparungen von etwa einer Tonne pro Wohnung und Jahr; andere Berechnungen geben 748 Kilogramm an. Diese Angaben entsprechen einem Rückgang der Emissionen um bis zu 40 Prozent im Vergleich zur Gas-Etagenheizung.
Technische Details und Marktpotenzial
HeatPump23 gibt an, dass die Wärmepumpe für Wohnflächen von etwa 35 bis rund 120 Quadratmetern und für Ein- bis Drei-Personen-Haushalte geeignet ist. Der Warmwasserspeicher verfügt über ein Volumen von 86 Litern. Quellen beschreiben das Außengerät mit einer Lautstärke von 41 bis 45 Dezibel in einem Meter Abstand, was dem Geräuschpegel eines leisen Kühlschranks entspricht.
Der Stromanschluss erfolgt über normalen Haushaltsstrom (230 V / 20 A); ein Starkstromanschluss ist nicht erforderlich.
Das Konzept wurde 2023 entwickelt, das Patent 2024 gesichert und die HeatPump23 GmbH ebenfalls 2024 gegründet. Das Startup wird von verschiedenen Institutionen gefördert, darunter die Stadt Stuttgart über den Klima-Innovationsfonds mit einem Fördervolumen von 263.000 Euro. Zudem gewann HeatPump23 den „Start-up BW Elevator Pitch 2025“.
Die Fertigung erfolgt in Kaiserslautern; die Installation wird in Kooperation mit regionalen Heizungsbaubetrieben durchgeführt.
Die erste Serie umfasst 50 Geräte, die in Stuttgart und Heilbronn installiert werden sollen. Für 2026 sind 400 weitere Geräte geplant. Langfristig strebt HeatPump23 bis 2031 die Installation von insgesamt 20.000 Etagen-Wärmepumpen an. Aktuell arbeiten laut Quellen acht Personen am Projekt, viele davon nebenberuflich.
Ausblick: Wettbewerb und die Rolle im Wandel der Heizsysteme
Die Markteinführung von HeatPump23 fällt in eine Zeit, in der das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und andere Vorgaben den Einsatz erneuerbarer Energien im Heizungssektor forcieren. Ab 2029 müssen neue Gasheizungen einen Anteil erneuerbarer Energien nutzen. Kompakte, dezentrale Wärmepumpen werden in der Berichterstattung als ein wichtiger Baustein für die Wärmewende in urbanen Mehrfamilienhäusern betrachtet.
Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) unterstreicht die Notwendigkeit von Innovationen, die die Komplexität der Installation reduzieren. Gleichzeitig entwickeln etablierte Hersteller wie Remko und Alpha Innotec (mit „Paros“) sowie Midea eigene kompakte Lösungen. Midea kündigte sogar eine Wärmepumpe ohne Außengerät an.
Für HeatPump23 und andere Anbieter bleiben die Skalierung der Produktion, die Verfügbarkeit der Geräte und die Akzeptanz durch regionale Handwerksbetriebe entscheidende Herausforderungen für eine erfolgreiche Marktdurchdringung.







