Das Münchner Ferienhaus-Scaleup Holidu trennt sich von rund 60 Mitarbeitenden. Der Schritt entspricht einem Abbau von knapp acht Prozent der Belegschaft und senkt den Personalstand von etwa 730 auf circa 670 Beschäftigte. Mitgründer und Chief Executive Officer Johannes Siebers bestätigt die Maßnahme, die unmittelbar auf eine Phase intensiver Zukäufe und Plattformintegrationen im europäischen Reisemarkt folgt.
Konsolidierung nach aggressiver Zukaufsserie
Der Stellenabbau folgt Monaten expansiver Zukäufe. Holidu agiert im fragmentierten europäischen Markt für Ferienunterkünfte als aktiver Konsolidierer und schloss bislang mindestens 14 Übernahmen ab.
Zuletzt übernahm das Unternehmen das Endkundengeschäft sowie die Marke der deutschen Plattform Bestfewo.de im Rahmen eines Asset-Deals. Die Betreibergesellschaft Bestfewo GmbH verbleibt als eigenständiger B2B-Spezialist am Markt. Kurz darauf gelang Holidu mit dem Kauf von Gites.com der Einstieg in die Niederlande.
Zuvor akquirierte das Scaleup bereits den französischen Betreiber Cybevasion mit den Portalen gites.fr und chambres-hotes.fr, das deutsche Portal ferienwohnungen.de sowie regionale Anbieter wie Clubrural, Spain-Holiday und Finca Mallorca. Das strategische Ziel hinter diesen Deals liegt in der Bündelung zersplitterter Unterkunftsbestände und lokaler Kundenbeziehungen.
Bei der Integration mehrerer eigenständiger Firmen entstehen indes personelle Überschneidungen in Verwaltung, Kundensupport und Marketing. Holidu setzt bei Zukäufen verstärkt auf technologische Automatisierung. Nach Unternehmensangaben migrieren eigene Teams übernommene Plattformen mithilfe KI-gestützter Prozesse binnen weniger Wochen auf die konzerneigene Systemarchitektur.
Diese technische Standardisierung beschleunigt die Eingliederung, schafft Synergien und reduziert parallel den Personalbedarf in den konsolidierten Einheiten.
Wandel zum profitableren Softwaregeschäft
Johannes und Michael Siebers gründeten Holidu im Mai 2014 in München. Die Plattform startete ursprünglich als Metasuchmaschine, die Bilderkennung nutzte, um doppelt gelistete Unterkünfte aufzuspüren. In den vergangenen Jahren verschob das Management den wirtschaftlichen Schwerpunkt jedoch konsequent in Richtung B2B-Dienstleistungen.
Mittlerweile erwirtschaftet das Unternehmen mehr als 70 Prozent seines Gesamtumsatzes über die eigene Property-Management-Software Holidu Host, die zuvor unter der Marke Bookiply firmierte. Für das Geschäftsjahr 2023 weist der Konzernabschluss einen Umsatz von 80,8 Millionen Euro aus. Die eigene Softwarelösung steuert knapp 60.000 Unterkünfte direkt, während der Gesamtbestand des Portals mehr als 65.000 Einheiten umfasst.
Über 30.000 Vermieter in sieben europäischen Märkten setzen auf das System, um Inserate, Buchungskalender und Zahlungsströme über mehrere Vertriebskanäle synchron zu verwalten.
Parallel dazu betreibt das Scaleup die B2B-Sparte Holidu Smart Destination. Dieser Zweig entstand aus den Übernahmen von Lohospo und der my.IRS GmbH mit ihrer TOMAS-Software. Mehr als 500 Destinationsmanagement-Organisationen nutzen diese Infrastruktur.
Zwar verzeichnen die Endkundenportale nach Unternehmensangaben jährlich über 100 Millionen Besuche, doch die wiederkehrenden Softwaregebühren der Vermieter bilden das eigentliche wirtschaftliche Fundament des Konzerns.
Investoren fordern Effizienz und Profitabilität
Seit der Anschubfinanzierung im Jahr 2014 sicherte sich Holidu kumuliert mehr als 220 Millionen Euro an Risikokapital. Zu den maßgeblichen Finanzierungsschritten zählten eine Series-C-Runde über 40 Millionen Euro im Jahr 2019, ein Einzelinvestment von Kees Koolen über 4 Millionen Euro im Jahr 2020 sowie eine Series-D-Runde über 45 Millionen US-Dollar im Jahr 2021. Im Herbst 2022 folgte eine Series-E-Finanzierung über mehr als 100 Millionen Euro unter Führung des Investors 83North.
Anfang 2025 floss eine weitere Wachstumsfinanzierung von 46 Millionen Euro, primär zweckgebunden für Investitionen in KI-Technologien, den Softwareausbau und selektive Zukäufe.
Internationale Geldgeber verlangen in der aktuellen Marktphase jedoch verstärkt eine klare Perspektive zur operativen Profitabilität. Der aktuelle Personalabbau um knapp acht Prozent dient folglich vorrangig dazu, die Fixkostenbasis nachhaltig zu straffen.
Operative Bewährungsprobe für die Integration
Mit den Entlassungen beginnt für Holidu die operative Feinabstimmung der jüngsten Zukäufe. Während die technische Zusammenführung der Systeme nach Plan verläuft, bleibt die organisatorische Integration lokaler Teams über mehr als 25 europäische Niederlassungen hinweg anspruchsvoll. Das Unternehmen gab bisher nicht bekannt, welche Standorte und Funktionsbereiche prozentual am stärksten von den 60 Kündigungen betroffen sind.
Die kommenden Quartale werden zeigen, ob die Skaleneffekte der zugekauften Bestände die Integrationskosten zügig amortisieren. Holidu muss den Nachweis erbringen, dass die verschlankte Organisation das margenstarke B2B-Softwaregeschäft ohne Einbußen bei Servicequalität und operativer Stabilität weiter ausbauen kann.







