Die IFA 2026, Europas größte Technologiemesse, etabliert sich dieses Jahr als Schaufenster für Entwicklungen in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik. Vom 4. bis 8. September präsentiert die Berliner Funkausstellung auf dem Messegelände Innovationen, die den Konsumentenalltag sowie industrielle Prozesse prägen.
KI als Infrastruktur der Konsumtechnologie
Die Messe Berlin bündelt Beiträge zur KI-Integration in Consumer Electronics. Die Organisatoren erwarten 220.000 Besucher und 2.000 Aussteller auf 190.000 Quadratmetern.
Leif Lindner, CEO der IFA, betont die Relevanz der Messe: „IFA matters more than ever. Unlike radio and TV revolutions, AI and robotics won't take decades to catch up. We need to understand what these technologies mean for us because trust cannot be downloaded.
Trust is built by experimentation, and that's what happens in Berlin.“ Er ergänzt, KI entwickle sich zur neuen Infrastruktur der Konsumententechnologie. Sie sei keine einzelne Kategorie mehr, sondern werde Teil nahezu jeder Kategorie.
Carine Chardon, Managing Director der GFU Consumer Tech und damit Markeninhaberin der IFA, prognostiziert Investitionen von über 2,5 Billionen US-Dollar in KI im Jahr 2026.
Die Eröffnungs-Keynote hält Jack Huynh, Senior Vice President und General Manager der Computing and Graphics Group bei AMD. Sein Thema „The Era of Personal AI“ befasst sich mit der Verschiebung hin zu dezentraler, gerätebasierter KI. Lindner fügt hinzu: „There’s a new hardware super cycle with entirely new devices coming.
People can experience these technologies first-hand at the trade show and understand what is just around the corner.“
Robotik im Aufwind: Von humanoiden Helfern bis zur Industrie
Die IFA zeigt eine breite Palette an Robotikfirmen; Agibot und Unitree gelten hierbei als führende Anbieter. Ein RoboCup-Wettbewerb demonstriert auf der Messe technische Fortschritte, die jüngst auch bei den „Robotic Olympics“ in China zu beobachten waren.
Der Robotiksektor verzeichnet aktuell mehrere große Finanzierungs- und Transaktionsmeldungen. Dogotix (XPeng) erhielt eine Finanzierung von über 900 Millionen US-Dollar, die das Unternehmen vor der Transaktion mit 5 Milliarden US-Dollar und nach der Transaktion mit über 6,3 Milliarden US-Dollar bewertete. Parallel dazu schloss Gravis Robotics eine Serie-A-Runde über 200 Millionen US-Dollar ab, mit SoftBank als Investor.
Unitree Robotics nahm beim Börsengang am Shanghaier STAR Market 6,1 Milliarden Yuan (rund 905 Millionen US-Dollar) ein; der Kurs stieg am ersten Handelstag um 460 Prozent.
Im industriellen Bereich unterzeichnete Huntington Ingalls Industries Vereinbarungen von bis zu 900 Millionen US-Dollar mit Path Robotics und GrayMatter Robotics für Schweiß- und Schleiftechnologien. Zudem präsentierte Zoomlion Heavy Industry Science & Technology auf der World Robot Conference 2026 in Peking humanoide Roboter (Z01, Z03), vierbeinige Roboterhunde (D15, D40) sowie das Betriebssystem Robot Ops. Diese Roboter wurden bereits in 20 Fertigungsszenarien in der Zoomlion Smart City validiert.
Smart Home und Wearables im Zeichen der KI
Hersteller wie LG Electronics und Miele stellen auf der Messe KI-gestützte Smart-Home-Produkte vor. LG präsentiert sein erweitertes KI-Home-Ökosystem. Dazu gehören der Chatbot ThinQ Claw, der Absicht und Kontext versteht, der ThinQ™ ON Home Hub, ThinQ Pro für Geschäftskunden sowie ein Home Energy Management System (HEMS), das auf der 2024 erworbenen Homey-Plattform basiert.
LG hebt auch eine Waschmaschine hervor, die bis zu 70 Prozent weniger Energie verbrauchen soll als die Mindestanforderung für die A-Klasse nach aktuellen europäischen Standards.
Miele zeigt mit CulinaryCoach einen digitalen Kochassistenten. Dieser kann text-, sprach- oder bildbasiert Einstellungen an kompatible Öfen übertragen. Ebenfalls zu sehen sind die selbst-reinigende Bodenpflege Duoflex HX2 und ein Compact Living: Kitchen Unit Konzept für kleine Wohnräume.
Als Beispiel für Wearable AI debütiert Looki Tech Limited mit dem Looki L1. Dieses tragbare Gerät erfasst Erinnerungen und liefert personalisierte Einblicke. Das Gerät ist seit August 2025 auf dem Markt und hat nach Unternehmensangaben fast 40.000 Nutzer weltweit bei einer durchschnittlichen täglichen Nutzungsdauer von 9,4 Stunden.
TP-Link stellt derweil seine Wi-Fi-8-Produkte Archer 8 Ultra und Deco 8 Ultra vor. Für den Archer 8 Ultra sind drahtlose Geschwindigkeiten von bis zu 19 Gigabit pro Sekunde und 10 Gigabit pro Sekunde kabelgebunden angegeben. Das Deco-8-Ultra-Mesh-System erreicht bis zu 22 Gigabit pro Sekunde drahtlos und 10 Gigabit pro Sekunde kabelgebunden.
Wirtschaftliche Relevanz und Ausblick
Die IFA 2026 findet in einem von Herausforderungen geprägten Marktumfeld statt. Geopolitische Spannungen, eine „globale Gedächtniskrise“, Währungsfluktuationen und Lieferkettenprobleme prägen die wirtschaftliche Landschaft. Gleichwohl signalisiert der globale Markt eine Erholung.
Mit Ausnahme Nordamerikas und Russlands wird ein anhaltendes Umsatzwachstum verzeichnet. Beobachter deuten an, dass Konsumenten zunehmend rationale Entscheidungen treffen und sich auf Premium-Produkte und Innovationen konzentrieren.
Ein Indikator für die Nachfrage im Technologiesektor ist die Revision der Prognose für Taiwans Wirtschaftswachstum 2026 auf 11,05 Prozent. Zudem wird ein erwarteter Exportanstieg von 41,07 Prozent erwartet, maßgeblich getrieben durch die KI-Nachfrage.
Aussteller und IFA-Organisatoren sehen in den gezeigten KI- und Robotikentwicklungen erhebliche Einflussmöglichkeiten für Geschäftsmodelle und Effizienz in verschiedenen Branchen. Die IFA-Tage in Berlin werden voraussichtlich weitere Details zu Produkten und Partnerschaften liefern, welche Analysten und Investoren genau beobachten.







