GSG Berlin und der Energiedienstleister GETEC gründen das Joint Venture G²Energy GmbH (G2E). Ziel ist es, die Wärmeversorgung von zunächst 16 Berliner Gewerbehöfen weitgehend zu dekarbonisieren. Bis 2031 sollen über 20 Millionen Euro in neue Energieinfrastrukturen fließen.

Das Vorhaben soll die CO2-Emissionen an den betreffenden Standorten um bis zu 90 Prozent senken, was einer jährlichen Einsparung von rund 4.900 Tonnen CO2 entspricht.

Strategische Neuaufstellung im Berliner Gewerbebestand

Das neu gegründete Gemeinschaftsunternehmen G²Energy übernimmt die Planung, Finanzierung und den Betrieb der künftigen Energieversorgung für die ausgewählten Gewerbehöfe. Diese umfassen eine Gesamtmietfläche von rund 270.000 Quadratmetern. Damit betrifft das Projekt einen Teil des über 40 Standorte umfassenden Portfolios der GSG Berlin.

Die Initiative ergänzt die seit 2011 verfolgte Energiemanagement-Strategie der GSG Berlin. Diese beinhaltet bereits Photovoltaikanlagen, Blockheizkraftwerke und Ladesäulen. Die Gründung des Joint Ventures wurde nach Anmeldung beim Bundeskartellamt Ende 2023 bekannt gegeben.

GETEC, ein Anbieter für dekarbonisierte Energie- und Infrastrukturlösungen in Europa, bringt seine technische Expertise und Erfahrung in die Kooperation ein. Das Unternehmen beschäftigt nach Angaben der Projektpartner über 3.100 Mitarbeitende an rund 50 Standorten und betreibt über 11.000 Anlagen in mehreren europäischen Ländern. Das gemeinsame Ziel ist die Entwicklung standortspezifischer Lösungen, die technische Machbarkeit mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit verbinden.

Hohe Anfangsinvestitionen in die neuen Energiesysteme sollen für die Mieter kostenneutral bleiben und eine höhere Planbarkeit der Wärmekosten ermöglichen.

Innovative Technologieansätze zur CO2-Reduktion

Die Umstellung der Energieversorgung setzt auf eine Kombination verschiedener Technologien. Dazu gehören Wärmepumpen, Fotovoltaik und Speicherlösungen. Am Referenzstandort econopark Pankstraße in Berlin, der rund 45.000 Quadratmeter Mietfläche umfasst, kommen nach Projektangaben Luft-Wasser-Wärmepumpen und Pelletanlagen zum Einsatz.

Die Maßnahmen sollen den Anteil erneuerbarer Energien am jährlichen Wärmebedarf von rund 2.170 Megawattstunden auf etwa 80 Prozent erhöhen. Der Erdgasanteil sinkt gleichzeitig auf rund zehn Prozent. Die CO2-Emissionen an diesem Standort reduzieren sich dadurch um rund 80 Prozent.

Am Standort Zossener Straße ist laut Projektplanung eine Kombination aus Adiabatik, Adsorption und Kraft-Wärme-Kopplung vorgesehen. Die Wärme- und Kälteleistung wird jeweils mit rund 500 Kilowatt angegeben. Die Partner entwickeln für jeden Gewerbehof individuelle Lösungen.

Diese orientieren sich an der Gebäudestruktur, den Nutzungsprofilen und infrastrukturellen Voraussetzungen. Sebastian Blecke, operativer Geschäftsführer der GSG Berlin, erklärt: „Dabei geht es nicht nur darum, einzelne Heizungsanlagen auszutauschen. Wir wollen eine Energieinfrastruktur entwickeln, die langfristig tragfähig ist und dort, wo es sinnvoll ist, auch über einzelne Grundstücke hinaus genutzt werden kann.“

Wirtschaftliche und strategische Implikationen

Für die GSG Berlin ist die Partnerschaft eine Reaktion auf steigende Energiekosten und die CO2-Bepreisung. Oliver Schlink, kaufmännischer Geschäftsführer der GSG Berlin, sagt: „Wir investieren heute in unsere Energieinfrastruktur, weil wir unseren Bestand nicht erst dann umbauen wollen, wenn fossile Energie für uns und unsere Mieter deutlich teurer wird.“

Die Partner nennen als Ziel, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren und dadurch eine höhere Planbarkeit der Energiekosten zu erreichen. Henning Lustermann, Senior Vice President GETEC Deutschland, erläutert, dass der Ansatz individuelle Anforderungen jedes Standorts mit den Skaleneffekten eines großen Portfolios verbindet. „Dekarbonisierung im Gebäudebestand ist nicht allein eine Technologiefrage.

Entscheidend ist, Investitionen, Betrieb und Energieversorgung über viele Jahre zusammenzudenken“, sagt Lustermann. Er ergänzt: „Mit der G²Energy schaffen wir dafür eine langfristige Struktur. So können wir die Transformation nicht nur technisch umsetzen, sondern auch finanzierbar, betreibbar und wirtschaftlich belastbar gestalten.“

Das Modell soll perspektivisch auch über die GSG-Standorte hinaus erweiterbar sein, sofern technische, wirtschaftliche und regulatorische Bedingungen dies zulassen.

Ausblick auf Marktentwicklungen

Die Dekarbonisierung des Gebäudebestands stellt eine zentrale Herausforderung für die Immobilienwirtschaft dar. Das Joint Venture G²Energy zwischen GSG Berlin und GETEC demonstriert einen Ansatz, wie umfangreiche Bestände durch strategische Partnerschaften und Investitionen umgestellt werden können. Die Umstellung und die bis 2031 geplanten Investitionen sind Bestandteil der Projektangaben.

Sollten die Ziele der Kostenneutralität für Mieter und der signifikanten CO2-Reduktion erreicht werden, könnte dies einen Impuls für weitere großflächige Dekarbonisierungsprojekte in der deutschen Immobilienbranche geben. Die Integration der Energieinfrastruktur über Grundstücksgrenzen hinaus bietet zudem Potenzial für neue Geschäftsmodelle und Kooperationen im Bereich urbaner Energienetze. Analysten werden nun prüfen, inwieweit dieses Modell übertragbar ist und welche regulatorischen oder technischen Hürden in der Praxis zu überwinden sind.