Die Immobilienwirtschaft integriert zunehmend Künstliche Intelligenz (KI). Aktuell nutzen 86 Prozent der Unternehmen bereits KI-Anwendungen, wobei generative Tools wie ChatGPT dominieren. Nur 27 Prozent setzen auf integrierte KI-Plattformen, die Echtzeitdaten des Unternehmens nutzen können.

Solche Echtzeitdaten gelten als Engpass für einen umfassenden KI-Einsatz. Integrierte Plattformen könnten zudem die Wertstabilität von Immobilien erhöhen.

Effizienzsteigerung durch KI im Gebäudemanagement

KI steigert die Effizienz im Facility Management. Sie identifiziert und diagnostiziert Störungen frühzeitig und leitet Reparaturen ein. Zudem meldet KI Reinigungsbedarf und optimiert Wartung sowie Instandhaltung.

Der aktuelle Fokus liegt auf Aufgaben wie Rechnungsverfolgung, Angebotsauswertung und Vertragsprüfung. Johannes Fütterer, CEO von Aedifion, erklärt dazu: „Ein Gebäude kann heute ohne den Einsatz von KI nicht mehr effektiv betrieben werden.“ Sein Unternehmen nutzt KI zur Echtzeitanalyse und -steuerung von Heizung, Kühlung und Lüftung.

Ein erhebliches Potenzial liegt in der Vereinheitlichung der Daten. Die drei Hauptakteure im Immobilienmanagement – Asset-Manager (Eigentümer und Investoren), Property-Manager (kaufmännische Verwalter) und Facility-Manager (technischer Betrieb und Infrastruktur) – arbeiten oft mit unterschiedlichen Datensätzen und Arbeitsweisen. Dies führt zu Abstimmungsproblemen.

Integrierte KI-Plattformen sollen hier Abhilfe schaffen und eine Live-Datenwelt für alle Beteiligten ermöglichen.

Laut einer Umfrage könnten Property-Manager, die heute fünf bis acht Objekte betreuen, mit vorhandenen Daten und KI künftig bis zu zwölf Immobilien verwalten. Thomas Wiese, technischer Objektmanager bei B&L Property Management, sieht den Nutzen in zusätzlicher Arbeit: „Der Benefit kommt dann durch Mehrarbeit.“ Kunibert Lennerts vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) merkt an: „Produktivitätssteigerungen kommen in diesem Fall den Nutzern zugute, nicht dem Unternehmen.“

Herausforderungen und Investitionen

Trotz der Verbreitung einfacher KI-Tools stehen umfassende Implementierungen noch am Anfang. Lediglich 27 Prozent der Unternehmen verfügen über dezidierte Budgets für KI. 40 Prozent besitzen eine eigene Regelung für den KI-Einsatz; 30 Prozent arbeiten an deren Entwicklung. „Erst dann kann aus Zeitersparnis auch Effizienzgewinn werden“, sagt Kunibert Lennerts, Professor für Facility-Management am KIT, hinsichtlich der Notwendigkeit tragfähiger Umfelder und dedizierter Budgets für integrierte Plattformen.

Johannes Fütterer betont, dass gerade Echtzeitdaten den Engpass darstellen. Thomas Wiese ergänzt, dass innerhalb der Gebäudestruktur Anlagen umgebaut oder verbessert werden müssten, „damit KI überhaupt eine Chance hat“. Der Mensch bleibt dabei ein zentraler Faktor: Mitarbeitende müssen in die Transformation eingebunden und geschult werden, fordert Elaheh Momeni, CEO von eMentalist.

Dino Celi von EY Österreich hebt hervor, dass eine Strategie ein klares Zielbild und den konkreten Nutzen der KI-Anwendung darlegen muss.

Energieeffizienz und Fördermöglichkeiten

Ein relevanter Anwendungsbereich für KI im Facility Management ist die Energieeffizienz. Gebäude sind in der EU für rund 40 Prozent des Endenergieverbrauchs verantwortlich und verursachen über ein Drittel der energiebedingten Treibhausgasemissionen. Anbieter von KI-gestützten Energiemanagementsystemen geben typischerweise Energieeinsparungen von 10 bis 25 Prozent an.

In schlecht optimierten Bestandsgebäuden können nach Anbieterangaben auch deutlich höhere Einsparungen möglich sein.

Franka Birke, CEO von metr Building Management Systems, erklärt: „Das größte Einsparpotenzial durch KI liegt im Bestand, weil der Hebel dort sofort wirksam wird.“ Aedifion berichtet von Einsparungen zwischen 10 und 50 Prozent, abhängig von Gebäudezustand, Datenlage und Maßnahmekombination.

Cloud-basierte Proptech-Lösungen vereinfachen kleinen Unternehmen den Zugang zu Energiemanagement-Angeboten wie „Energy as a Service“. Die Investitionen können sich über Energieeinsparungen refinanzieren. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) unterstützt Investitionen in digitale Energiemanagementsysteme für kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 45 Prozent der förderfähigen Kosten (Stand: Juni 2026).

Mario Brouwers, AGEV-Vorstandsmitglied, fordert niedrigschwellige Einstiegsangebote und faire Förderbedingungen, die vor allem Mittelstand und Kleinbetriebe erreichen. Er warnt, dass KI-gestützte Gebäudetechnik „ein ernsthaftes Wettbewerbsinstrument“ sei und Unternehmen, die ihre Energiekosten nicht aktiv managen, gegenüber optimierten Wettbewerbern strukturell benachteiligt würden.

Ausblick: Die Zukunft des Gebäudemanagements

Die Integration von Echtzeitdaten und die Schaffung ganzheitlicher Plattformen für alle Beteiligten bleiben im Fokus der Immobilienbranche. Experten sehen in hoher Performance beim Einsatz solcher Technologien einen Wettbewerbsvorteil. Kunibert Lennerts resümiert: „Es ist viel Gewinn möglich, wenn man als Unternehmen in diesem Bereich eine hohe Performance hinlegt.“

Die kontinuierliche Schulung von Mitarbeitenden und transparente Kommunikation, insbesondere bei Sensoren zur Raumnutzung, sind Voraussetzungen, um Vertrauen aufzubauen und Akzeptanz zu fördern. Eine Umfrage in Österreich zeigt, dass 21 Prozent der Immobilienunternehmen KI aktiv nutzen, 42 Prozent die Technologie in Pilotprojekten prüfen, 25 Prozent abwarten und 12 Prozent KI als wenig relevant erachten. Die Adaptionskurve verläuft heterogen, und die Branche steht vor der Aufgabe, Nutzen und Investitionen für eine integrierte KI-Infrastruktur klarer zu kommunizieren.