Der US-Immobilienmarkt, geprägt von steigenden Hypothekenzinsen und einem anhaltenden Angebotsmangel, verzeichnet eine wachsende Akzeptanz von Künstlicher Intelligenz. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 37 Prozent der US-Bürger bereit wären, den Kauf eines Eigenheims einer KI „mit minimalem menschlichem Zutun“ zu überlassen.
Fast drei Viertel der Befragten, konkret 72 Prozent, würden KI für mindestens eine Aufgabe im Zusammenhang mit dem Kauf oder Verkauf einer Immobilie nutzen. Das geht aus einer Studie des Online-Marktplatzes LendingTree hervor. Die Hypothekenzinsen für eine 30-jährige Festhypothek lagen in der Woche bis zum 17.
September bei 6,95 Prozent, nach 6,76 Prozent in der Vorwoche und 6,26 Prozent im Vorjahr.
KI als Helfer in angespannten Märkten
Die Akzeptanz von KI erstreckt sich über verschiedene Phasen des Immobilienprozesses. Laut der LendingTree-Umfrage würden 28 Prozent der Befragten KI zur Schätzung des Immobilienwerts nutzen. Rund 24 Prozent würden KI einsetzen, um Programme zur Anzahlungshilfe zu finden, und ebenfalls 24 Prozent zur Einschätzung der eigenen Leistbarkeit.
Weitere 18 Prozent würden KI für die Erklärung von Hypothekenoptionen verwenden, 16 Prozent zum Vergleich von Hypothekenangeboten.
Für administrative Aufgaben zeigen sich deutlich weniger Befürworter: Acht Prozent würden KI für die Terminplanung von Besichtigungen nutzen, acht Prozent für die Organisation von Angebotsfotos und sieben Prozent für Unterstützung bei Verhandlungen.
Eine Studie der Bank of America bestätigt den Trend zur Nutzung von KI in konkreten Kaufprozessen: 57 Prozent der KI-nutzenden potenziellen Käufer gaben an, KI zur Einschätzung der Leistbarkeit, von Hypothekenzahlungen oder Abschlusskosten zu verwenden. Laut dem Bank of America-Report hat 32 Prozent der Generation Z bereits KI im Immobilienprozess eingesetzt.
Makler adaptieren, Bedenken bleiben
Auch unter Immobilienmaklern ist die Nutzung von KI weitverbreitet: 92 Prozent nutzen KI bereits oder planen dies. Eine Umfrage der National Association of Realtors zeigt, dass 71 Prozent der Makler Zeitersparnis als Hauptgrund nennen.
Plattformen wie Zillow und Homes.com führten Anfang des Jahres KI-Assistenten ein. Zillow erklärt, KI erfinde jeden Schritt des Hauskaufprozesses neu.
Ein Einzelfall, der in Berichten hervorgehoben wird, ist Robert Levine: Er verkaufte sein Haus in Florida mithilfe von ChatGPT für 100.000 US-Dollar mehr, als Makler geschätzt hatten. Levine gab an, das Haus habe sich zu einem der höchsten Preise pro Quadratfuß in seinem Markt verkauft, nachdem er ChatGPT zur Verkaufsunterstützung genutzt hatte.
Trotz der hohen Verbreitung von KI-Nutzung bestehen unter Maklern Bedenken bezüglich der Technologie: 63 Prozent äußern Sorgen hinsichtlich der Genauigkeit von KI-Ergebnissen, 49 Prozent befürchten Compliance- oder rechtliche Probleme und 47 Prozent sehen das Risiko einer Fehlinterpretation von Marktdaten. Parisa Afkhami, eine Luxusimmobilienmaklerin in New York City, warnte gegenüber Mansion Global vor „KI-Staging“. Sie nannte ein Beispiel, in dem ein Klient eine Besichtigung abbrach, weil das Haus nicht den KI-inszenierten Online-Fotos entsprach.
Langfristige Auswirkungen und offene Fragen
In seinem White Paper „Real Estate 2036“ konstatiert der Immobilienökonom David A. Pieper, dass die Immobilienwirtschaft die Tragweite der Disruption durch KI unterschätzt. Pieper schreibt: „Eine Immobilie ist kapitalisierte menschliche Arbeit: Das Büro ist kapitalisierte Büroarbeit, die Wohnung kapitalisiertes Lohneinkommen, das Hotel kapitalisierte Dienstleistung, die Handelsimmobilie kapitalisierter Konsum aus Erwerbseinkommen.
Wenn Künstliche Intelligenz den Preis menschlicher Arbeit neu setzt, und genau das ist ihr ökonomischer Wesenskern, dann setzt sie mit Verzögerung auch den Preis der Immobilie neu.“ Pieper nennt als „realistische Transmissionszeit“ für diese Effekte rund zehn Jahre — ungefähr zwei Mietvertragszyklen, einen Bewertungszyklus und eine Refinanzierungswelle.
Diese Einschätzung steht in einer gewissen Spannung zur schnellen Adoption, die Umfragen und der Einsatz bei Plattformen wie Zillow und Homes.com zeigen. Die Frage, ob KI vorwiegend ein unterstützendes Werkzeug bleibt oder sich zu einer grundlegenden Veränderung der Branche entwickelt, bleibt offen. Ebenfalls offen ist, inwieweit die Ergebnisse der US-Studien auf andere Märkte übertragbar sind und welche Rolle künftige Regulierung von KI spielen wird.
Analysten beobachten die Entwicklung genau, um die langfristigen Auswirkungen auf Immobilienwerte und -transaktionen zu beurteilen.







