Eine bundesweite IT-Störung legt den digitalen Zugang bei der Direktbank ING Deutschland lahm. Seit den frühen Morgenstunden scheitern Kunden beim Login im Web-Portal sowie in der mobilen Banking-App. Mit mehr als zehn Millionen Kunden zählt das Institut zu den größten Privatkundenbanken des Landes, entsprechend weitreichend fallen die Konsequenzen des Systemausfalls aus.
Login-Probleme betreffen vorrangig Ballungsräume
Die technischen Probleme beginnen am frühen Dienstagmorgen gegen fünf Uhr. Auf Überwachungs- und Störungsportalen wie Allestörungen und Netzwelt steigen die Fehlermeldungen binnen kurzer Zeit sprunghaft an. Betroffen ist das gesamte Bundesgebiet, wobei sich die Meldungen vorrangig in Ballungsräumen wie Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, München, Stuttgart, Köln und Heidelberg ballen.
Die Auswertungen der Störungsdienste belegen, dass im Zentrum des Ausfalls die Authentifizierung steht. Laut Netzwelt entfallen rund 60 Prozent der erfassten Problemmeldungen auf den klassischen Login, etwa 25 Prozent auf die App und weitere acht Prozent auf das webbasierte Online-Banking. Ein ähnliches Bild zeichnet das Portal Allestörungen: Hier beziehen sich 51 bis 52 Prozent der Meldungen auf den Login, 36 bis 37 Prozent auf die Applikation sowie sieben bis acht Prozent auf das Mobile Banking.
Nutzer der Banking-App erhalten beim Versuch einer Anmeldung lediglich den Hinweis, dass ein Fehler aufgetreten sei und man es später noch einmal versuchen solle. Um 06:49 Uhr MESZ reagiert die ING Deutschland schließlich über ihren Kanal auf der Plattform X und bestätigt die technischen Komplikationen. Das Institut arbeitet nach eigenen Angaben an der Behebung und bittet die Kundschaft um Geduld.
Auch auf der offiziellen Website schaltet die Bank entsprechende Störungshinweise.
Am Vormittag dauert die Blockade bereits vier bis sechs Stunden an. Eine verlässliche Prognose darüber, wann die Kernsysteme wieder vollständig synchronisiert und erreichbar sind, gibt das Institut zu diesem Zeitpunkt nicht ab.
Kartenzahlungen laufen weiter – Telefonbanking als Notlösung
Die digitalen Einschränkungen treffen die alltäglichen Bankgeschäfte spürbar. Über die Online-Kanäle können Nutzer vorübergehend weder Kontostände noch Wertpapierdepots einsehen, auch manuelle Überweisungsaufträge sind blockiert.
Die physische Infrastruktur bleibt von dem digitalen Ausfall hingegen unberührt. Die Bargeldversorgung an Geldautomaten funktioniert nach derzeitigem Kenntnisstand uneingeschränkt. Ebenso liegen keine Berichte über Störungen beim Einsatz physischer Debit- und Kreditkarten im stationären Handel vor.
Zudem betont die Bank, dass keine Anhaltspunkte für einen Verlust von Kontoguthaben oder einen unbefugten Zugriff auf Kundendaten vorliegen.
Als Ausweichkanal verweist die ING auf ihre telefonischen Schnittstellen. Für Transaktionen steht das Telefonbanking unter der Rufnummer 069 / 34 22 24 bereit, was allerdings das Vorliegen einer gesonderten Telefon-PIN voraussetzt. Wertpapierorders lassen sich derweil über eine Notfall-Hotline unter 069 / 50 60 30 50 platzieren.
Ob externe Multibanking-Software und Drittanbieter-Schnittstellen (FinTS/APIs) von der Blockade isoliert sind, bleibt derweil ungewiss.
Unbekannte Fehlerquelle und parallele Vorfälle im Fintech-Sektor
Zur genauen Ursache der IT-Panne äußert sich die ING Deutschland bislang nicht. Branchenbeobachter verweisen auf typische Schwachstellen wie interne Datenbankkonflikte, fehlerhafte Schnittstellen oder Komplikationen bei Software-Deployments. Ein externer Cyberangriff ist von offizieller Seite nicht bestätigt.
Ein vergleichbarer Vorfall ereignete sich bei der Direktbank am 30. Januar 2026, als ein Systemausfall nach rund zwei Stunden behoben werden konnte. Bei einer zwölfstündigen Störung der niederländischen Konzernmutter ING im Februar 2023 handelte es sich nach Unternehmensangaben um einen internen Synchronisationsfehler zwischen IT-Systemen und nicht um eine Attacke von außen.
Auffällig bleibt eine zeitliche Koinzidenz im Markt: Am selben Morgen melden Störungsportale auch bei der Neobank Revolut Funktionsstörungen im App-Zugang und im Zahlungsverkehr. Ein technischer Zusammenhang zwischen den beiden Vorfällen ist bisher nicht belegt.
Offene Fragen für Kunden und Marktteilnehmer
Für die Kunden der Direktbank bleiben vorerst entscheidende Fragen offen. Insbesondere ist unklar, ob im Hintergrund terminierte Überweisungen, Gehaltseingänge und Daueraufträge planmäßig abgewickelt werden. Marktbeobachter richten den Blick nun darauf, wie zügig die ING die Systeme stabilisieren kann und in welcher Form das Institut die Ursache der Panne transparent aufarbeitet.







