Forest Willard, Mitgründer des unabhängigen Entwicklers Innersloth und Leiter des Investmentfonds Outersloth, schlägt angesichts restriktiver Vertragsbedingungen im Markt für Spielefinanzierungen Alarm. Auf der Indie-Branchenkonferenz SLICE in Seattle kritisiert der Programmierer hinter dem Überraschungserfolg Among Us die Konditionen etablierter Publisher und Investoren. Viele der aktuellen Term Sheets machen es Studios faktisch unmöglich, nach der Markteinführung ihrer Titel freien Cashflow oder Gewinne zu erzielen.

Das Diktat des Kapitals: Wie Geldgeber Studios einengen

Die Machtverschiebung im Segment der Independent-Entwickler resultiert aus voranschreitender Branchenkonsolidierung, Entlassungswellen und dem Rückzug von klassischem Risikokapital. Zwar erzielte der US-Gaming-Markt 2022 rund 56,6 Milliarden US-Dollar und 2023 etwa 57,2 Milliarden US-Dollar, doch sinkende Konsumausgaben und Studio-Schließungen belasten das Investitionsklima spürbar. In Verhandlungen geraten Studio-Gründer dadurch zunehmend in die Defensive.

In der Praxis führt diese Asymmetrie zu harten Amortisationsklauseln. Übliche Verträge sichern Verlagen und Fonds oft 70 bis 80 Prozent der Nettoeinnahmen eines Titels zur Tilgung des Vorschusses. Nach vollständiger Amortisation behalten Publisher typischerweise dauerhaft 20 bis 30 Prozent des Umsatzes ein.

Bleibt der große kommerzielle Erfolg aus, trägt primär das Studio das finanzielle Risiko: Das Projekt amortisiert zwar die Kosten des Investors, erwirtschaftet für das Studio jedoch keine Reserven für den operativen Fortbestand.

Willard vergleicht die Lage betroffener Teams mit einer Geiselnahme und betont, dass Gründer bei leeren Kassen kaum eine andere Wahl haben, als solche Deals zu akzeptieren. Auch Tim Bender, CEO des Publishers Hooded Horse, teilt die Kritik. Etablierte Verlage verlagern das unternehmerische Risiko zunehmend einseitig auf die kreativen Teams.

Das Gegenmodell: Risikoteilung statt Rechteabtretung

Innersloth nutzt die Liquiditätsreserven aus dem Erfolg von Among Us, um mit dem entwicklergeführten Fonds Outersloth ein Gegenmodell zu etablieren. Among Us erschien ursprünglich im November 2018 auf Steam und fand zunächst wenig Beachtung, bevor sich das Projekt im Spätsommer 2020 zu einem weltweiten Phänomen entwickelte. Der Titel erreichte in der Spitze 3,8 Millionen gleichzeitige Spieler und verzeichnete allein auf Google Play mehr als 100 Millionen Downloads.

Die daraus resultierende finanzielle Unabhängigkeit bildete das Fundament für Outersloth. Die Initiative startete im Juni 2024. Um Transparenz im Markt zu schaffen, legte Innersloth das vollständige Vertragswerk in Form eines Public Funding Agreements offen.

Im Unterschied zu traditionellen Modellen, bei denen Publisher oft Rechte am geistigen Eigentum einfordern oder Sperrminoritäten beanspruchen, verbleibt das geistige Eigentum bei Outersloth vollständig bei den Studios. Victoria Tran, Communications Director bei Innersloth, stellt klar, dass der Fonds weder in die Entwicklung eingreift noch Markenrechte übernimmt.

Finanziell sieht das Term Sheet von Outersloth eine Amortisationsphase vor, in der 50 Prozent der Netto-Umsätze an den Fonds fließen, bis die Investitionssumme ausgeglichen ist. Anschließend sinkt der Erlösanteil des Fonds auf 15 Prozent, befristet auf sieben Jahre. Zum Start im Sommer 2024 umfasste das Portfolio sechs öffentlich vorgestellte und insgesamt neun unter Vertrag stehende Titel.

Bis März 2026 wuchs der Bestand auf 24 finanzierte Spiele an.

Die Grenzen privater Initiativen

Trotz dieses Wachstums verweist Willard auf die strukturellen Grenzen des Modells. Einzelne privat finanzierte Branchenfonds können das Marktversagen in der Frühphasenfinanzierung nicht flächendeckend auffangen. Das hierfür benötigte Kapitalvolumen übersteigt die Mittel selbst hochprofitabler Studios deutlich.

Solange institutionelle Risikokapitalgeber ihre Renditeerwartungen nicht an die wirtschaftlichen Realitäten der Gaming-Industrie anpassen, bleibt der Druck auf unabhängige Studios hoch. Für Gründer unterstreicht Willards Intervention die Notwendigkeit, Term Sheets vor Abschluss detailliert auf langfristige Ertragschancen und vertragliche Abhängigkeiten zu prüfen. Branchenbeobachter werten Initiativen wie Outersloth als wichtigen Impuls für fairere Standards, erwarten angesichts des anhaltenden Kapitalmangels vorerst jedoch eine weitere Marktbereinigung.