Die InnoTrans 2026, die globale Leitmesse für Verkehrstechnik, verzeichnete vom 22. bis 25. September 2026 in Berlin 3.170 Aussteller aus 59 Ländern. Im Fokus standen technologische Fortschritte wie alternative Antriebe, autonomer Betrieb sowie die Integration von Künstlicher Intelligenz und Robotik.

Diese Technologien finden konkrete Anwendungen in den Bereichen Betrieb, Instandhaltung und Infrastruktur. Parallel zu diesen Innovationen thematisierte die Branche infrastrukturelle Herausforderungen, die erhebliche Investitionen und grenzüberschreitende Zusammenarbeit erfordern.

Innovationsmotor der Mobilitätswende

Mit 3.170 Ausstellern, rund 200 Unternehmen mehr als 2024, war die InnoTrans 2026 die größte Ausgabe der Messe. Auf einer Bruttofläche von 200.000 Quadratmetern präsentierte die Veranstaltung, die ihr 30-jähriges Bestehen feierte, 180 Weltpremieren. Darunter befanden sich zahlreiche Fahrzeugneuvorstellungen.

Neben etablierten Herstellern wie Siemens Mobility, Alstom und Stadler stellten auch Startups wie Zyglox aus Graz einen Radsatzsensor-Demonstrator auf Basis weltraumgestützter Sensortechnologie vor. Die Messe hob die Rolle von Spitzentechnologie für die Transformation des Bahnsektors hervor.

Schwerpunkte bildeten alternative Antriebe und autonomer Betrieb im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Künstliche Intelligenz und Robotik integrierten sich verstärkt in Anwendungen für Betrieb, Instandhaltung und Infrastruktur. Erstmals gab es zudem geführte Themenrundgänge zur Robotik.

Die Spezialbereiche Mobility Plus und das AI Mobility Lab zeigten Technologien für vernetzte Mobilitätslösungen, Cybersicherheit und KI. Die InnoTrans richtete erstmals den Hackathon „AI On Track“ aus, an dem mehr als 50 Programmierende teilnahmen. Alstom präsentierte seinen KI-Assistenten „Talk to my train“.

Michael Peter, Chef von Siemens Mobility, erörterte bei der Eröffnung die Rolle von KI.

Digitale Infrastruktur und Investitionen

Die Digitalisierung der Bahninfrastruktur ging mit großen Rahmenverträgen einher. Ein Beispiel ist der ÖBB-Rahmenvertrag über 2,6 Milliarden Euro. Die Österreichischen Bundesbahnen vergaben diesen Auftrag an Siemens Mobility und Hitachi Rail für die Einführung einer neuen Generation digitaler Stellwerke bis 2030.

Peter Hanke, österreichischer Mobilitätsminister, betonte bei der Präsentation Aspekte wie Cybersicherheit und technologische Souveränität. Tanja Kienegger, Managing Director von Siemens Mobility Austria, sprach von einem „grundlegenden Paradigmenwechsel“.

Im Bereich der Schienenfertigung erhielt Voestalpine einen Rahmenvertrag über rund 470 Millionen Euro für das Projekt Rail Baltica. Dieser umfasst die Lieferung von bis zu 1.000 Weichen und digitalen Überwachungssystemen. Das Unternehmen bezeichnete den Auftrag als größten Einzelauftrag in der Geschichte seiner Railway Systems-Sparte.

Solche Großaufträge zeigen, dass die Industrie in die Modernisierung und den Ausbau von Bahnsystemen investiert.

Fahrzeugkonzepte und Kapazitätsausbau

Auf der InnoTrans 2026 gab es mehrere Fahrzeugpremieren. Stadler und die ÖBB präsentierten einen neuen KISS-Doppelstockzug mit 486 Sitzplätzen. Nach Angaben der Hersteller bedeutet dies etwa 20 Prozent mehr Kapazität im Fernverkehr.

Der Zug soll ab Sommer 2027 als ÖBB Railjet zum Einsatz kommen. Stadler stellte zudem den weltweit ersten Schmalspur-Wasserstoffzug, den FLIRT Nordic Express und die TINA-Straßenbahn für die Rostocker Straßenbahn AG vor.

Im Regionalverkehr sieht ein 2023 geschlossener Rahmenvertrag zwischen ÖBB und Stadler die Lieferung von bis zu 120 FLIRT Akku-Zügen vor. Diese Züge sollen ab 2028 auf der niederösterreichischen Kamptalbahn Dieseltriebzüge ersetzen. ÖBB-CEO Andreas Matthä betonte die Rolle solcher Fahrzeuge für ein attraktiveres Bahnangebot und die Stärkung des öffentlichen Verkehrs.

Politische Rahmenbedingungen und Herausforderungen

Trotz technologischer Fortschritte und großer Aufträge äußerte Bundesverkehrsminister Steffen Bilger Kritik an der Leistungsfähigkeit der deutschen Schiene. Er stellte fest, dass die Schiene heute nicht die erwartete Leistung erbringe und das Konzept der Korridorsanierung die hohen Erwartungen bislang nicht erfüllt habe. Die Generalsanierung der Lehrter Bahn zwischen Berlin und Lehrte, die im Oktober 2026 beginnt und bis Ende 2027 geplant ist, zählt zu den umfangreichen Eingriffen, die nun umgesetzt werden.

International hob die Messe die Bedeutung gemeinsamer Forschungsprogramme hervor. Das Europe’s Rail Joint Undertaking läuft in seiner derzeitigen Form 2027 aus. Österreich sowie Deutschland setzen sich für dessen Fortführung ein.

Peter Hanke betonte, europäische Bahnforschung stärke die Industrie, sichere Arbeitsplätze und sei wichtig für die Mobilitätswende. Diese politischen Positionen unterstreichen die Bedeutung koordinierter europäischer Ansätze, um die Schiene als zentralen Baustein nachhaltiger Mobilität auszubauen.

Die Konferenz unterstrich somit die Notwendigkeit von Investitionen in eine robuste digitale Infrastruktur und grenzüberschreitende Kooperationen. Die Herausforderungen bleiben bestehen, doch die demonstrierten technologischen Fortschritte und die politischen Initiativen zeigen Wege auf, wie die Bahnindustrie in den kommenden Jahren ihre Leistungsfähigkeit steigern und einen maßgeblichen Beitrag zur Mobilitätswende leisten will. Marktbeobachter erwarten weitere Großaufträge und eine Intensivierung der Forschung, insbesondere im Bereich autonomer Systeme und alternativer Antriebe.