Trotz eines Zinsniveaus von rund 4,5 Prozent für zehnjährige Baugeldkredite hält die Generation Z am Erwerb von Wohneigentum fest. Laut der „Wohntraumstudie 2026“, herausgegeben von der Interhyp AG und dem Rheingold Institut, streben 80 Prozent der zur Miete wohnenden Personen im Alter von 23 bis 30 Jahren den Kauf einer Immobilie an. Damit klettert das Kaufinteresse der jungen Zielgruppe im Vergleich zum Jahr 2021, als der Anteil bei 73 Prozent lag, spürbar an.
Für Banken, Finanzierungsvermittler und die Wirtschaftspolitik gewinnt diese Dynamik an Gewicht. Die anhaltende Zinswende verteuert die monatliche Annuität erheblich und rückt eine entscheidende Hürde in den Mittelpunkt: die Bereitstellung von ausreichendem Eigenkapital.
Steigendes Kaufinteresse trotz Zinswende
Die Erhebung basiert auf einer bundesweiten Befragung von 1.523 Personen im Zeitraum vom 18. August bis 1. September 2026.
Rund die Hälfte der befragten 23 bis 30 Jahre alten Mieter berichtet, dass der persönliche Wunsch nach Wohneigentum in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Lediglich bei 15 Prozent hat sich dieses Vorhaben abgeschwächt. Altersübergreifend planen derzeit 68 Prozent der Mieter in Deutschland, künftig in den eigenen vier Wänden zu leben.
Die Motivation der jüngeren Kohorte ist dabei stark ausgeprägt. Für 93 Prozent besitzt ein ansprechendes Zuhause einen hohen Stellenwert. Gleichzeitig wollen sich lediglich fünf Prozent der kaufinteressierten Mieter dieser Altersgruppe dauerhaft mit einem Mietverhältnis abfinden.
Diese Haltung stützen weitere Erhebungen. Laut einer Wohnpsychologie-Studie von Dr. Klein und horizoom verknüpfen 78 Prozent der 18 bis 29 Jahre alten Befragten Wohneigentum primär mit Unabhängigkeit, während 65 Prozent den Schritt mit finanzieller Sicherheit verbinden.
Nur zwölf Prozent dieser Altersgruppe empfinden ein Eigenheim als Ballast. In der Kohorte der 30 bis 59 Jahre alten Personen liegt dieser Wert hingegen bei über 24 Prozent. Die Interhyp-Zahlen unterstreichen diese Zufriedenheit: 97 Prozent derjenigen, die bereits gekauft haben, bewerten ihre Entscheidung rückblickend positiv.
Hohe Kapitalanforderungen und der Faktor Familie
Die Finanzierung bleibt jedoch anspruchsvoll. Nach Angaben der FMH-Finanzberatung sowie von Interhyp bewegen sich die Konditionen für zehnjährige Darlehen bei rund 4,5 Prozent, nachdem der Vergleichszinssatz im Juni desselben Jahres noch bei 3,9 Prozent lag. Höhere Zinsen treiben die monatliche Belastung und zwingen Käufer dazu, mehr Eigenmittel einzubringen, um tragfähige Beleihungsausläufe zu sichern.
Interhyp-Daten belegen, dass Ersterwerber im Alter von 18 bis 30 Jahren im Schnitt rund 95.000 Euro an Eigenkapital in ihre Finanzierung einbringen. Um diese Summe aufzubauen, benötigten die 23 bis 30 Jahre alten Eigentümer im Durchschnitt acht Jahre. Kaufinteressierte Mieter derselben Altersgruppe sparen aktuell seit durchschnittlich 4,7 Jahren.
Während 31 Prozent der jungen Eigentümer auf feste monatliche Sparraten setzten, verfahren gegenwärtig 19 Prozent der sparwilligen Mieter nach diesem Prinzip.
Dabei spielt der Generationentransfer eine entscheidende Rolle. Rund 66 Prozent der kaufinteressierten 23 bis 30 Jahre alten Personen kalkulieren mit Hilfen aus dem Familienkreis – sei es durch Schenkungen, ein vorgezogenes Erbe, Privatdarlehen oder Bürgschaften. Mit dieser Rückendeckung halten 67 Prozent den Erwerb für sicher oder wahrscheinlich realisierbar.
Fehlt die familiäre Unterstützung, sinkt dieser Anteil auf 32 Prozent. Gleichwohl stemmt rund ein Drittel der jungen Eigentümer zwischen 23 und 30 Jahren das Vorhaben vollständig aus eigener Kraft.
Thomas Kreil, Managing Director Privatkundengeschäft bei Interhyp, betont, die Generation Z begegne den finanziellen Hürden mit Realismus: Junge Menschen seien bereit zu sparen, zu warten und gezielt Kompromisse einzugehen, was dem Klischee einer verzichtsunwilligen Generation widerspreche.
Pragmatische Anpassung statt Marktaustritt
Kaufinteressenten reagieren flexibel, wenn eine Finanzierung nicht sofort darstellbar ist. Rund 41 Prozent planen eine längere Ansparphase für mehr Eigenkapital ein, während 33 Prozent den Kauf in einen späteren Lebensabschnitt verschieben. Zudem zeigen sich 65 Prozent bereit, außerhalb der teuren Ballungsräume zu suchen. 41 Prozent akzeptieren Abstriche bei der Wohnfläche, und 40 Prozent weichen auf alternative Immobilientypen wie Bestandswohnungen oder Reihenhäuser aus.
Diese Entwicklung beobachtet auch die Projektentwicklung. Jacopo Mingazzini, Vorstand der The Grounds Real Estate Development AG, hebt hervor, dass Großstädte aufgrund knapper Angebote und hoher Quadratmeterpreise an Zugkraft verlieren. Im Umland ließen sich Wohnwünsche zu moderateren Kosten realisieren, ohne gravierende Einbußen bei der Infrastruktur hinnehmen zu müssen.
Forderungen nach Entlastung bei Erwerbsnebenkosten
Vor diesem Hintergrund fordert die Finanzierungsbranche politische Weichenstellungen. Im Zentrum stehen Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer für Ersterwerber von selbst genutztem Wohnraum. Die hohen Erwerbsnebenkosten binden in Deutschland erhebliche liquide Mittel, die bei der eigentlichen Eigenkapitalquote für das Bankdarlehen fehlen.
Zusätzlich plädieren Branchenvertreter für staatliche Bürgschaften zur Absicherung von Spitzenrisiken sowie für zinsvergünstigte Nachrangdarlehen. Solche Instrumente werden von Banken bilanziell als wirtschaftliches Eigenkapital gewertet und könnten Haushalten mit soliden Einkommen auch ohne Vermögenserbe den Markteintritt ermöglichen.
International zeigt sich die Tragweite dieser Entwicklung: In den USA stagnierte die Wohneigentumsquote der Generation Z laut dem Immobilienportal Redfin zuletzt bei 26,1 Prozent. Für den deutschen Markt signalisieren die Daten zwar eine robuste Nachfrage, doch ob dieser Bedarf zu realen Transaktionen führt, hängt maßgeblich von der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank und der Reformbereitschaft der Bundesländer bei den Erwerbsnebenkosten ab.







