Nach vier Jahrzehnten der Stille kehrt die Port Ellen Distillery auf Islay zurück. Am 19. März 2024 feiert die Brennerei ihre Wiedereröffnung.

Die Wiederbelebung ist Teil einer Investition von Diageo in Höhe von 185 Millionen Pfund Sterling (rund 216 Millionen Euro oder 235 Millionen US-Dollar). Diese Summe umfasst ebenfalls die Wiederbelebung der Brora Distillery sowie Investitionen in Besucherlebnisse für Scotch Whisky. Diageo positioniert die neue Port Ellen Distillery als Vorreiter für Innovation, Experimente und Nachhaltigkeit.

Großinvestition und Rückkehr einer Legende

Diageo tätigt mit 185 Millionen Pfund Sterling eine der größten Einzelinvestitionen im schottischen Whiskymarkt. Die Gelder fließen in die Wiederbelebung von Port Ellen und Brora sowie in die Gestaltung von Besuchererlebnissen. Port Ellen wurde 1825 gegründet und 1983 stillgelegt; die Wiedereröffnung im Jahr 2024 folgt auf knapp vier Jahrzehnte Pause.

Port Ellen galt als eine der sogenannten „Geisterdestillerien“, deren Abfüllungen auf dem Zweitmarkt hohe Preise erzielen.

Die neue Port Ellen Distillery präsentiert sich als modernes Gebäude mit einem Glas-Brennhaus, das einen Blick auf die Küste von Islay ermöglicht. In der Produktion kommen zwei Paare Kupferbrennblasen zum Einsatz. Die als „Phoenix Stills“ bezeichneten Brennblasen sind exakte Nachbildungen der ursprünglichen Anlagen aus dem Jahr 1983.

Sie sollen den klassischen rauchigen Port-Ellen-Charakter erzeugen. Ergänzend dazu sind kleinere „Experimental Stills“ für die Erforschung neuer Geschmacksrichtungen vorgesehen. Ein „Ten Part Spirit Safe“ ermöglicht bis zu zehn Trennungen (sogenannte „cuts“) des Destillats, um feine Charaktere zu isolieren.

Üblicherweise werden nur drei Trennungen vorgenommen. Master Distiller Ali McDonald und Master Blender Aimée Morrison leiten die Distillery vor Ort; ein dediziertes Labor dient der Analyse und Katalogisierung neuer experimenteller Whiskys.

Islay als Zentrum für Innovation und Nachhaltigkeit

Diageo positioniert die neue Port Ellen Distillery als Vorreiter in puncto Nachhaltigkeit. Die Anlage soll ab Betriebsbeginn kohlenstoffneutral sein. Wasser- und Wärmekreisläufe werden recycelt, und Energie wird unter anderem über Biobrennstoffkessel erzeugt. Die Brennerei bezieht Wasser vom Lourin Loch und gemälzte Gerste von den Port Ellen Maltings.

Parallel zur Wiedereröffnung von Port Ellen entstand auf Islay mit The Islay Rum Distillery die erste dedizierte Rum-Destillerie der Insel. Die Islay Spirits Company begann die Produktion im Januar 2022 und investierte mehr als eine Million Pfund Sterling in die Restaurierung der ehemaligen Limonadenfabrik und den Aufbau der Produktion. Die Rum-Destillerie läuft mit 100 Prozent erneuerbarem Strom, verwendet ein geschlossenes Kühlsystem zur Wassereinsparung und setzt auf eine Destillationsanlage, die einen Dreifach-Destillationseffekt in einem Durchgang erzielt.

Das Produkt wird als High-Ester-Spirituose beschrieben und reift in ehemaligen Islay-Whiskyfässern, wodurch ein leichter Torfeinfluss entsteht. Mitgründerin Caroline James von der Islay Spirits Company äußert sich zur Bedeutung dieses Projekts für die Insel.

Infrastrukturprojekte stützen die Entwicklung

Die Revitalisierung in Port Ellen geht mit geplanten Verbesserungen des Hafens einher. Die Maßnahmen umfassen unter anderem die Vergrößerung der Fläche für die Fahrzeugabfertigung, mehr Parkplätze für Personal und Besucher sowie Verbesserungen für den kommerziellen Hafenbetrieb. Ein verbesserter Zugang für Passagiere ist ebenfalls vorgesehen.

Für die Baustelle sind Rammarbeiten ab dem 31. August 2026 terminiert; Baggerarbeiten sind für Juli 2026 angegeben. Diese Maßnahmen sind Teil eines Pakets zur Verbesserung des Hafenbetriebs, das auch für lokale Betriebe und Besucher relevant ist.

Islay im Fokus globaler Akteure

Die Wiedereröffnung von Port Ellen ist Teil einer breiteren Entwicklung auf Islay. Weitere Projekte befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Umsetzung. Elixir Distillers baut die Portintruan Distillery; die Destillation soll dort voraussichtlich im Jahr 2024 beginnen.

Ian Macleod Distillers und The Islay Boys arbeiten an der Laggan Bay Distillery, deren Fertigstellung für das Jahr 2025 geplant ist. Ebenfalls in Planung ist die kleine Ili Distillery. Diese Projekte gelten als Zeichen der anhaltenden Attraktivität Islays für Investitionen in Spirituosen.

Diageo bietet Besuchererlebnisse an: Die „Port Ellen Reborn“-Tour dauert 90 Minuten, ist für bis zu zwölf Gäste vorgesehen und kostet 200 Pfund Sterling pro Person; monatliche „Port Ellen Open Days“ sind kostenfrei. Weitere private Erlebnisse wie das „Atlas of Smoke“ sind über das Diageo Private Client Team buchbar.

Investitionen und Projekte auf Islay tragen dazu bei, die Insel im Bereich Premium-Spirituosen stärker zu positionieren und das touristische Angebot zu erweitern.

Ausblick: Islay als Wachstumsmotor

Die Wiedereröffnung von Port Ellen gehört zu Diageos Investitionsprogramm in Scotch-Whisky-Destillerien und Besuchererlebnisse im Wert von 185 Millionen Pfund. Die erhöhten Produktionskapazitäten, neue Experimentiermöglichkeiten und das erweiterte Besuchsangebot verändern die industrielle und touristische Landschaft von Port Ellen. Diese Entwicklungen können zudem Einfluss auf lokale Wertschöpfungsketten nehmen.

Die Brennerei bezieht Malz von den Port Ellen Maltings. Die geplanten Hafenmaßnahmen sind als Vorbereitung auf eine verstärkte kommerzielle Nutzung und erhöhte Besucherbewegungen konzipiert. Marktbeobachter erwarten weitere Impulse für die gesamte Region.