Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft für das laufende Jahr 2026 deutlich angehoben. Die neue Erwartung von 1,3 Prozent Bruttoinlandsprodukt-Wachstum liegt nahezu doppelt so hoch wie die im Juli prognostizierten 0,7 Prozent. Diese Korrektur deckt sich mit den jüngsten Einschätzungen der Bundesregierung und unterstreicht die Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft trotz geopolitischer und energiewirtschaftlicher Herausforderungen.

Deutliche Korrektur nach oben

Der IWF prognostiziert für Deutschland ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent im Jahr 2026. Damit liegt die Schätzung 0,6 Prozentpunkte über der Juli-Prognose von 0,7 Prozent. Für das kommende Jahr 2027 erwartet der IWF ein Wachstum von 1,1 Prozent. Das entspricht einer Anhebung um 0,1 Prozentpunkte gegenüber der vorherigen Schätzung.

Diese Zahlen präsentierte der IWF am 13. Oktober 2026 im Rahmen seines Weltwirtschaftsausblicks (World Economic Outlook) beim IWF-Jahrestreffen in Bangkok. Die Bundesregierung hatte bereits in der vergangenen Woche eigene Konjunkturprognosen veröffentlicht, die sich mit den IWF-Zahlen decken.

Noch im Frühjahr 2026 gingen Regierungsanalysten von 0,5 Prozent Wachstum für 2026 und 0,9 Prozent für 2027 aus.

Katherina Reiche, die deutsche Wirtschaftsministerin, führt die Aufhellung zu zwei Dritteln auf staatliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung zurück. Ein Drittel sei auf Exporte zurückzuführen.

Globale Entwicklung und Treiber

Auch für die Eurozone und die Weltwirtschaft insgesamt sieht der IWF eine verbesserte Entwicklung. Für die Eurozone wird 2026 ein Wachstum von 1,1 Prozent erwartet. Dies ist eine Erhöhung um 0,2 Prozentpunkte gegenüber der Juli-Prognose. Das weltweite Wirtschaftswachstum soll 2026 bei 3,1 Prozent liegen, nach 3,0 Prozent im Juli.

IWF-Chefökonomin Silvana Tenreyro zufolge trägt der Boom im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) wesentlich zur Aufhellung bei. Tenreyro erklärte auf der Pressekonferenz in Bangkok, das Wachstum wäre ohne KI-Güter nur etwa halb so stark ausgefallen. Deutsche Zulieferer profitieren davon.

Staatliche Maßnahmen wie das Anzapfen strategischer Ölreserven und eine höhere Ölförderung außerhalb des Persischen Golfs haben die Folgen des vor gut einem halben Jahr begonnenen Krieges zwischen den USA und Israel gegen den Iran abgemildert. Dieser Konflikt führte zur Blockade der Straße von Hormus sowie zu Rohstoffknappheit und Preissteigerungen. Zugleich dämpft der Nachfragerückgang in China den Preisschock.

Chinas Binnennachfrage ist schwach, zudem hat das Land interne Probleme im Immobilienmarkt.

Für die USA werden 2,3 Prozent Wachstum für 2026 erwartet. Der IWF führt dies auf anhaltende private Konsumausgaben, kräftige Unternehmensinvestitionen in neue Technologien und staatliche Wirtschaftspolitik mit günstigen Krediten zurück. Als Nettoenergieexporteur sind die Vereinigten Staaten zudem nur begrenzt von den direkten Belastungen der Energiekrise infolge des Iran-Krieges betroffen.

Risiken und Ausblick

Trotz der positiven Zahlen warnte IWF-Chefökonomin Silvana Tenreyro vor anhaltenden Risiken. Die Weltwirtschaft habe sich zwar als widerstandsfähig erwiesen, doch diese Widerstandsfähigkeit stehe unter Druck. Die Risiken für das Wachstum seien tendenziell nach unten gerichtet.

Insbesondere ärmere und energieimportierende Staaten bleiben stark betroffen. Sie müssen mehr für Öl, Gas und Lebensmittel zahlen, und ihre Währungen verlieren an Wert. Der Rohstoffhandel durch die blockierte Straße von Hormus fließt nur noch zu einem Bruchteil, was die Preise weiter treibt.

Als weiteres Risiko nennt der IWF den „KI-Hype“. Sollte sich der Boom als ungerechtfertigt erweisen und die Erwartungen enttäuschen, könnte das zu einem deutlichen Abverkauf von Tech-Aktien und damit zu Dämpfungen des globalen Wachstums führen. Der Produktivitätsschub durch KI ist in gesamtwirtschaftlichen Daten wie Löhnen bislang nur zögerlich sichtbar.

Der IWF erwartet für die weltweite Inflation 4,7 Prozent für 2026 und 4,1 Prozent für 2027. Die stark gestiegene Verschuldung vieler Staaten bleibt eine Herausforderung. Der IWF empfiehlt gezielte und vorübergehende Maßnahmen zur Entlastung der Bevölkerung. Monetär sollte die Geldpolitik auf Preisstabilität ausgerichtet bleiben, womit Zinserhöhungen angemessen sein könnten.

Für Deutschland bleiben private Investitionen und der Konsum wegen gestiegener Energie- und Verbraucherpreise verhalten. Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz steht nach IWF-Einschätzung unter Reformdruck, um Wachstumspotenziale zu heben. Der IWF-Bericht fordert einen Übergang von der Krisenbewältigung zum strukturellen Wiederaufbau.

Er warnt davor, die Anpassungsmargen zu überstrapazieren.