Japan reduziert seinen Anteil an der weltweiten Chip-Produktion seit den späten 1980er Jahren erheblich – von über 50 Prozent auf zuletzt rund zehn Prozent. Derzeit erlebt der Sektor eine staatlich getriebene Wiederbelebung. Die Regierung investiert erhebliche Mittel in die Reindustrialisierung der Halbleiterindustrie.

Ziel ist es, die wirtschaftliche Sicherheit zu erhöhen und die technologische Unabhängigkeit zu stärken.

Japans strategische Rückkehr ins Halbleiterrennen

Die japanische Regierung treibt die Wiederbelebung der heimischen Halbleiterindustrie voran. Die Strategie umfasst staatliche Subventionen, die Ansiedlung ausländischer Chipproduzenten wie TSMC sowie die Förderung von Forschung und Entwicklung für modernste Chip-Technologien. Dazu gehören auch Pläne für 2-Nanometer-Chips.

In den Fiskaljahren 2021 bis 2023 investiert der Staat 3,9 Billionen Yen (etwa 27 Milliarden US-Dollar) in die Halbleiterindustrie. Für den Zeitraum 2022 bis 2025 entspricht dies 0,71 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das liegt über den entsprechenden Anteilen in den USA (0,21 Prozent), Deutschland (0,41 Prozent) und Frankreich (0,2 Prozent).

Die weltweiten Investitionen in Halbleiterwerke in Japan steigen von prognostizierten 6,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf 13,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026. Japans Anteil an den globalen Investitionen in diesem Bereich erhöht sich somit von knapp fünf auf knapp acht Prozent.

Die Nachfrage nach Halbleitern in Japan tragen unter anderem die Elektronikindustrie, die Automobilindustrie, Anwendungen für Künstliche Intelligenz und Industrie 4.0. Schätzungen zufolge lag die Marktgröße des japanischen Halbleitermarkts 2022 bei 42,86 Milliarden US-Dollar. Prognosen sehen ein Wachstum auf 107,63 Milliarden US-Dollar bis 2032 vor (Compound Annual Growth Rate 2022 bis 2032: 9,64 Prozent).

Gründergeist trifft Spezialistentum

Trotz des Rückgangs der inländischen Fertigung haben sich in Japan zahlreiche spezialisierte Zulieferer und neue Akteure etabliert. Beispiele für gründergeführte Unternehmen mit relevanter Marktposition sind Rorze, GMO Internet Group und Sansan.

  • Rorze (TSE:6323) ist ein Hersteller von Ausrüstung für die Halbleiterfertigung. Das Unternehmen konzentriert sich auf Wafer-Handling-Roboter, Load Ports und EFEMs. Die Marktbewertung lag laut Quelle bei rund 656,6 Milliarden Yen.
  • GMO Internet Group (TSE:9449) ist in Internet-Infrastruktur, Finanzdienstleistungen, Werbung und Sicherheit aktiv und betreibt Angebote im Kryptobereich. Die Umsatzverteilung gibt das Unternehmen mit etwa 186,8 Milliarden Yen für Internet-Infrastruktur, 43,7 Milliarden Yen für Internet-Finanzdienstleistungen und 34,7 Milliarden Yen für Werbung und Medien an. Beobachter heben hervor, dass GMOs Zahlungsinfrastruktur und Fintech-Angebote auf den Trend zu bargeldlosen Transaktionen ausgerichtet sind. Dadurch könnten Wachstums- und Sichtbarkeitsvorteile bei wiederkehrenden Gebühren erzielt werden.
  • Sansan (TSE:4443), gegründet von Chika Kawasaki, bietet eine Cloud-basierte Software-as-a-Service-Suite für Visitenkarten- und Kontaktmanagement (Produkte: Sansan, Bill One, Eight). Die Umsätze für Sansan und Bill One wurden mit etwa 46,8 Milliarden Yen angegeben, für das Eight-Geschäft mit etwa 6,7 Milliarden Yen. Die Marktbewertung lag bei rund 258,4 Milliarden Yen. Eine Analyse prognostiziert ein Gewinnwachstum von 23,65 Prozent.

Japan Material ist ein weiteres Beispiel: Gründer Hisao Tanaka, der das Unternehmen im Alter von 57 Jahren gründete und heute Mitte achtzig ist, bietet laut Quellen einen One-Stop-Shop für Infrastrukturleistungen (Wasser, Gas, Chemikalien, Strom, Klimaanlagen) für Halbleiterhersteller. Zu den Kunden zählen GlobalFoundries, Micron und Kioxia.

Japanische Vorreiter bei Materialien und Ausrüstung

Japan ist in der Lieferkette für Materialien und Ausrüstung stark vertreten. Laut den vorliegenden Daten hält Shin-Etsu seit 2000 konstant einen Marktanteil von 30 Prozent bei Wafern und insgesamt 53 Prozent bei Siliziumwafern. Disco wird für Schleif- und Wafermaschinen mit einem geschätzten Anteil von 80 Prozent genannt.

Tokyo Electron und Screen Holdings kommen zusammen auf 88 Prozent des globalen Marktes für Coater und Developer. Shin-Etsu, JSR und Tokyo Ohka Kogyo produzieren zusammen rund 50 Prozent der Photoresists. Bei Leistungshalbleitern erreichen japanische Hersteller wie Mitsubishi Electric, Fuji Electric, Toshiba, Renesas Electronics und ROHM etwa 36 Prozent des Weltmarktes (Stand 2021).

Diese Spezialisierung auf Materialien und Ausrüstung bildet einen Schwerpunkt der japanischen Strategie zur Wiederbelebung der Chipproduktion.

Rapidus und die Allianzen der Zukunft

Rapidus ist ein staatlich unterstütztes Konsortium japanischer Unternehmen. Es verfolgt das Ziel, die Massenproduktion von 2-Nanometer-Chips aufzubauen. Zu den acht Mitgliedern gehören Toyota, Sony, Denso, Kioxia, NEC, NTT, SoftBank und Mitsubishi UFJ.

Der Staat plant zusätzliche Mittel in Höhe von 150 Milliarden Yen. Damit steigt die staatliche Kapitalbeteiligung auf insgesamt 400 Milliarden Yen. Ergänzend sind rund drei Billionen Yen an Forschungs- und Entwicklungssubventionen vorgesehen.

Rapidus kooperiert mit Technologiepartnern wie IBM und dem europäischen Forschungszentrum IMEC. Ende 2023 war die Lieferung von EUV-Lithographie-Ausrüstung von ASML an Rapidus vorgesehen. Die Pilotfabrik in Hokkaido sollte im April 2024 in Betrieb gehen. Die Massenproduktion von 2-Nanometer-Chips ist für 2027 geplant.

Parallel fördert Japan die Ansiedlung und Expansion ausländischer Auftragsfertiger. TSMC errichtet Werke in Kumamoto in Partnerschaft mit Sony und Denso. Das erste Werk wurde im Februar 2024 in Betrieb genommen, der Baubeginn für ein zweites Werk war für Ende 2024 geplant.

Micron Technology plant ein DRAM-Werk in Hiroshima mit Produktionsstart 2025. Der taiwanesische Auftragshersteller PSMC plant nach Quellenangaben ein Werk in Japan in Partnerschaft mit der Finanzgruppe SBI.

Ausblick: Ein fragiler Pfad zur Revitalisierung

Japans Pläne zur Revitalisierung der Halbleiterindustrie basieren auf umfangreichen staatlichen Mitteln, Förderprogrammen und internationalen Partnerschaften. Die Eröffnung neuer Fabriken – etwa die erste TSMC-Anlage in Kumamoto im Februar 2024 – und die Entwicklung von 2-Nanometer-Chips durch Rapidus zählen zu den markanten Etappen dieses Vorhabens. Analysten und Behörden beobachten die Entwicklung.

Das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) positioniert die Unterstützung des Sektors als Maßnahme, um Japans strategische Bedeutung und Unabhängigkeit im globalen Technologiewettbewerb zu stärken.

Für 2024 wird die Marktgröße des japanischen Halbleitermarkts mit 47,410 Milliarden US-Dollar angegeben. Für 2025 wird ein Wert von über 51 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Der Verband SEAJ prognostizierte ein erwartetes Umsatzwachstum von rund acht Prozent für das Geschäftsjahr 2024.

Fraglich bleibt die langfristige Rentabilität der umfangreichen Investitionen und inwieweit japanische Unternehmen neben ihrer Rolle als Zulieferer wieder in die Hochvolumen-Chipfertigung zurückkehren können. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Kombination aus staatlicher Förderung, spezialisierten Zulieferern und internationalen Allianzen zu einer nachhaltigen Wiederannäherung an frühere Produktionsstärken führen kann.