Josef Fleischmann, Mitgründer und Chief Technology Officer (CTO) von Isar Aerospace, tritt von seiner operativen Rolle zurück. Er gründet das Unternehmen Bavaria Instruments. Dieser Führungswechsel erfolgt etwa zwei Wochen nach dem ersten orbitalen Flug von Isar Aerospace.

Die Spectrum-Rakete erreichte die Umlaufbahn Anfang September 2026 beim zweiten Startversuch. Damit wird Isar Aerospace zum ersten europäischen Start-up, das die Umlaufbahn erreicht hat. Can Araz übernimmt die CTO-Position.

Strategische Neuaufstellung nach Orbitalerfolg

Fleischmanns Abgang markiert einen bedeutenden personellen Wechsel bei Isar Aerospace. Das Unternehmen, Entwickler der Spectrum-Trägerrakete, erreichte mit diesem Flug einen Meilenstein.

Josef Fleischmann bleibt als Mitgesellschafter an Isar Aerospace beteiligt. Mit Bavaria Instruments konzentriert er sich nun auf Computing-Technologien für den Orbit. Das neue Unternehmen zielt darauf ab, Daten direkt im All zu verarbeiten.

Dies soll die Echtzeit-Auswertung von Erdbeobachtungsdaten verbessern sowie ein autonomeres Agieren und Zusammenarbeiten von Raumfahrzeugen ermöglichen. Fleischmann erklärt: „Bei Isar Aerospace haben wir gezeigt, dass erstklassige Ingenieurskunst auch in Europa in echte Produktionskapazitäten übersetzt werden kann. Jetzt geht es darum, weitere kritische Technologien in Produkte, Geschäftsmodelle und Ergebnisse zu übersetzen.

Mit Bavaria Instruments setze ich diese Mission fort.“

Neuer CTO und Kapazitätsausbau

Can Araz ist der neue CTO von Isar Aerospace. Laut Fleischmann hat er von Beginn an zum Aufbau der Technologie beigetragen. Fleischmann lobte Araz’ technisches Fachwissen und sein tiefes Verständnis der unternehmenseigenen Systeme.

Isar Aerospace plant zudem einen erheblichen Ausbau seiner Produktionskapazitäten. Eine neue Anlage in der Nähe von München soll jährlich bis zu 40 Trägerraketen produzieren können. Für 2027 sind vier Flüge vorgesehen, darunter der erste voll kommerzielle Start. Die Startkadenz soll sich 2028 verdoppeln.

Marktumfeld und kommerzielle Perspektiven

Der Markt verzeichnet derzeit eine hohe Nachfrage nach Startkapazitäten. Ein Indikator dafür ist der Fünf-Starts-Vertrag, den Isar Aerospace mit SEOPS für den Zeitraum von 2028 bis 2030 abgeschlossen hat. Diesen Vertrag unterzeichnete SEOPS bereits einen Tag vor Isars erstem orbitalen Flug. Zuvor hatte SEOPS bereits im November 2025 einen dedizierten Start auf der Spectrum gebucht.

Stella Guillen, Chief Commercial Officer von Isar Aerospace, betont die Herausforderung, die hohe Nachfrage zu bedienen: „Wenn wir unsere Nachfrage im Moment decken würden, bräuchten wir fast 200 Fahrzeuge im Jahr 2028. Wir versuchen, so viel wie möglich zu skalieren und die Raketen so schnell wie möglich zum Start zu bringen.“ Isar Aerospace plant Starts vom Andøya Space Center in Norwegen sowie von einem noch in Entwicklung befindlichen Startplatz in Nova Scotia, Kanada, gemeinsam mit dem Partner Maritime Launch Services.

Die Ankündigung von SpaceX, seine Transporter-Rideshare-Missionen ab Ende 2028 oder Anfang 2029 auszusetzen, könnte die Nachfrage bei anderen Anbietern beeinflussen. Analysten sehen hier eine potenzielle Marktverschiebung.

Ausblick auf den Raumfahrtmarkt

Die Gründung von Bavaria Instruments durch Josef Fleischmann unterstreicht die wachsende Bedeutung von Orbit-Computing-Technologien im Raumfahrtsektor. Für Isar Aerospace steht unter neuer technischer Führung die Aufgabe an, die geplanten kommerziellen Starts zu realisieren und den Kapazitätsausbau voranzutreiben. Beobachter sehen in der Kombination aus gestiegener Nachfrage und Anpassungen im Rideshare-Angebot etablierter Wettbewerber potenzielle Chancen für alternative Anbieter wie Isar Aerospace, ihre Marktposition weiter zu stärken.