Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma hat ihr Verfahren gegen Julius Bär abgeschlossen. Nach der Bekanntgabe stieg der Aktienkurs des Instituts deutlich: Quellen sprechen von einem Anstieg um rund acht Prozent, andere berichten von rund sieben Prozent im frühen Handel. Zeitweise wurden knapp neun Prozent sowie ein neues Allzeithoch von 77,92 beziehungsweise 78,02 Schweizer Franken genannt.

Ende eines belastenden Verfahrens

Die Finma stellte fest, dass Julius Bär schwerwiegend gegen aufsichtsrechtliche Bestimmungen verstoßen hatte. Die Mängel betrafen insbesondere das Risikomanagement und die Geldwäschebekämpfung. Es handelt sich um das fünfte Enforcementverfahren, das die Finma in weniger als zehn Jahren gegen Julius Bär abschließt.

Die Untersuchung stand im Zusammenhang mit Kreditvergaben an einen europäischen Konzern. Dieser wird in Berichten mit der zusammengebrochenen Signa-Gruppe des Tiroler Investors René Benko assoziiert. Zudem untersuchte die Finma Kundenbeziehungen zu zwei politisch exponierten Personen aus Russland.

Die Finma eröffnete im Dezember 2024 ein Verfahren zum Private-Debt-Geschäft. Julius Bär hatte ab 2018 dieses Geschäftsfeld aufgebaut. Hierbei wurden Kredite mit nicht-börsennotierten Aktien der Kreditnehmer besichert.

Die Finma kritisierte, dass die Bank für diese Kreditvergaben weder organisatorisch noch personell angemessen aufgestellt war. Es fehlte an einem klaren Regelwerk, an Kontrollmechanismen und an ausreichend geschultem Personal. Die Bank zeigte in diesem Segment einen zu hohen Risikoappetit.

Im Zusammenhang mit dem Signa-Engagement nahm Julius Bär 2024 eine Wertberichtigung in Höhe von 586 Millionen Schweizer Franken vor. Das Gesamtvolumen der Kredite an den europäischen Konzern überschritt in den Jahren 2022 und 2023 zeitweise die Marke von einer Milliarde Schweizer Franken. Im August 2025 eröffnete die Finma ein weiteres Enforcementverfahren.

Dieses betraf mögliche Verletzungen der Geldwäscheregeln im Umfeld von zwei russischen politisch exponierten Personen. Die Bank klärte die Herkunft von Vermögenswerten unzureichend und berücksichtigte Warnsignale sowie negative Medienberichte nicht ausreichend. Die Finma zog im Zusammenhang mit diesen Kunden einen Gewinn von rund 10 Millionen Schweizer Franken ein.

Weitreichende Maßnahmen und Führungskonsequenzen

Julius Bär hat das Private-Debt-Geschäft eingestellt, den Risikoappetit neu definiert und die Kreditvergabe reduziert. Die Kontrollfunktionen wurden gestärkt, das Vergütungssystem überarbeitet und die Organisation umgebaut.

Auf Ebene von Führung und Aufsicht gab es personelle Wechsel. Philipp Rickenbacher trat 2024 als CEO zurück. Romeo Lacher trat Anfang 2025 als Verwaltungsratspräsident zurück. Stefan Bollinger, ein früherer Goldman-Sachs-Manager, übernahm Anfang 2025 das CEO-Amt und besetzte Schlüsselpositionen neu.

Die Finma erließ bereits 2023 und 2024 Sofortmaßnahmen wegen Schwachstellen in der Kreditvergabe, der Geldwäscheabwehr und dem Risikomanagement. Einige dieser Sofortmaßnahmen im Kapital- und Liquiditätsbereich hat die Finma nun teilweise oder vollständig aufgehoben. Die zusätzliche Anforderung an hartes Kernkapital (CET1) wurde von 500 Millionen Schweizer Franken auf 250 Millionen Schweizer Franken reduziert.

Die Mindestquote für CET1 liegt damit faktisch bei 9,4 Prozent. Ende Juni 2026 wies die Bank eine CET1-Quote von 18,5 Prozent aus.

Ausblick und Bewertungen

Der Abschluss des Finma-Verfahrens eröffnet Julius Bär die Möglichkeit, wieder über Aktienrückkäufe nachzudenken. Ein entsprechender Antrag auf Genehmigung liegt der Finma bereits vor. CEO Stefan Bollinger betonte in der Vergangenheit, die Bank habe ihre Hausaufgaben gemacht, die Organisation komplett umgebaut und einen Kulturwandel eingeführt.

Das Timing liege nun schlussendlich bei der Finma. Die Verantwortlichen bei Bär sind fokussiert, ihre Strategie umzusetzen und für ihre Kunden da zu sein. Das Management hebt die Verbesserung der Strukturen, des Risikomanagements und der Kostendisziplin hervor.

Julius Bär muss der Finma bis 2032 Berichte über ihre Risikokultur einreichen. Das 2025 verhängte Verbot, neue Geschäftsbeziehungen mit politisch exponierten Personen aus Hochrisiko-Ländern einzugehen, wird schrittweise abgebaut. Beobachter gehen davon aus, dass der Abschluss des Verfahrens das Vertrauen der Investoren stärken kann.

Damit dürfte der Weg für eine stabilere Geschäftsentwicklung freigemacht werden.

Die Abschreibung im Zusammenhang mit Signa und die gestärkten Kontrollmechanismen könnten die Bank widerstandsfähiger gegenüber künftigen Schocks machen. Die Finma hat zudem separate Verfahren gegen drei ehemalige Mitarbeiter eröffnet. Die Konsequenzen daraus sind noch offen.