Justus Grosse übernimmt Lokviertel-Entwicklung in Osnabrück: Milliarden-Projekt vor Bauphase

Das milliardenschwere Entwicklungsprojekt Lokviertel in Osnabrück wechselt den Hauptinvestor: Die Bremer Justus Grosse Real Estate GmbH übernimmt zum 1. September 2026 als Mehrheitsgesellschafter die Federführung für das rund 22 Hektar große Areal. Mit der Übernahme der Rechte und Pflichten der bisherigen Lok-Viertel-OS GmbH durch die neu gegründete Lokviertel Entwicklungsgesellschaft mbH tritt das Großprojekt in eine neue Phase.

Das Gesamtinvestitionsvolumen für das innerstädtische Brachgelände, das seit über 20 Jahren ungenutzt ist, beläuft sich auf rund 1,5 Milliarden Euro. Geplant ist ein gemischt genutztes Quartier mit bis zu 2.000 Wohnungen für etwa 3.500 Menschen. Hinzu kommen Flächen für Gewerbe, Gastronomie und Parkanlagen.

Burkhard Bojazian, geschäftsführender Gesellschafter der Justus Grosse Real Estate GmbH, leitet künftig die Geschäfte der Lokviertel Entwicklungsgesellschaft mbH. Als Mitgesellschafterin fungiert die CIC Projects GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Aloys und Brigitte Coppenrath Stiftung. Die Transaktion erfolgte als Asset Deal und wurde von PROWL und Felke Immobilienberatung begleitet.

Der Einstieg von Justus Grosse fällt mit dem Abschluss der Initialphase der Baurechtschaffung zusammen. Damit rückt die bauliche Umsetzung des auf dem ehemaligen Güterbahnhofgelände geplanten Stadtteils nun in den Fokus.

Wegbereitung für ein neues Stadtquartier

Das Lokviertel ist als gemischt genutztes Quartier konzipiert. Es bietet neben Wohnraum auch Flächen für Forschung, Unternehmertum, Studierende und Start-ups. Am Eingang des Areals ist ein Standort mit Schwerpunkt auf Künstlicher Intelligenz vorgesehen. Die Planungen umfassen überdies innovative Energie- und Mobilitätskonzepte.

Die Stadt Osnabrück begleitet das Projekt politisch. Ein Normenkontrollverfahren, eingeleitet durch eine Klage von Volkswagen, hatte das Vorhaben zwischenzeitlich gefährdet. Laut Angaben von Beteiligten wurde eine Einigung mit Volkswagen erzielt. Diese ermöglicht die Fortführung der Planungen.

Olaf Lies, niedersächsischer Ministerpräsident und Mitglied des Volkswagen-Aufsichtsrats, wurde von Projektbeteiligten als Akteur genannt, der sich für eine Lösung eingesetzt hat.

Justus Grosse bringt die mehr als 80-jährige Unternehmensgeschichte als Erfahrung in das Projekt ein. Als Referenzprojekt nennt das Unternehmen das Bremer TABAKQUARTIER. Dieses rund 20 Hektar große Areal verbindet Wohnen, Arbeiten, Gastronomie und Freizeit.

Prof. Dr. Felix Osterheider, Vorstandsvorsitzender der Aloys und Brigitte Coppenrath Stiftung und Beiratsvorsitzender der Lokviertel Entwicklungsgesellschaft mbH, betont, dass Justus Grosse als Partner Erfahrung mit der Umwandlung großer, ehemals gewerblich genutzter Flächen mitbringt.

Start der Bauphase und erste Projekte

Mit der Übernahme der Entwicklungsaufgaben konzentriert sich die Lokviertel Entwicklungsgesellschaft mbH auf die Erschließung, technische Planung, Vermarktung und den Grundstücksvertrieb. Der Baubeginn des ersten Mobility Hubs, eines Parkhauses, ist voraussichtlich noch für 2026 vorgesehen.

Für 2027 plant Justus Grosse den Baubeginn des ersten Wohnprojekts unter dem Namen „Lok-Viertel-Höfe“. Dieses Projekt umfasst 102 Eigentumswohnungen mit ein bis vier Zimmern ab 35 Quadratmetern, die nach dem Standard KfW 40 QNG entstehen.

Die Wohnungsbaugenossenschaft Weiche eG plant im Lokviertel 77 Wohnungen, von denen 23 gefördert werden sollen. In der Vorplanung wurde auch die Regenwasserbewirtschaftung durch das Institut ITWH berücksichtigt. Das Gesamtvorhaben mit den geplanten rund 2.000 Wohneinheiten soll bis 2032 fertiggestellt sein.

Ausblick auf die weitere Entwicklung

Der Eigentümerwechsel und der bevorstehende Baubeginn markieren einen entscheidenden Einschnitt im Projektverlauf. Zu den zentralen Aufgaben der neuen Entwicklungsgesellschaft zählen nun der Grundstücksvertrieb und die Umsetzung auf Basis des rechtskräftigen Bebauungsplans. Der Markt wird genau beobachten, wie Justus Grosse die Erfahrungen aus dem Bremer TABAKQUARTIER auf das Osnabrücker Lokviertel überträgt und ob der ambitionierte Zeitplan bis zur geplanten Fertigstellung 2032 eingehalten werden kann.