Ein internationales Forscherteam hat einen Smartphone-Aufsatz entwickelt, der versteckte Überwachungskameras mit hoher Präzision detektiert. Die Technologie, SweepLED genannt, kombiniert rotierendes LED-Licht mit einer KI-gestützten Bildanalyse. In Tests erreichte sie eine Erkennungsgenauigkeit von 94 Prozent.
Angesichts wachsender Datenschutzbedenken und der Verbreitung von Spionagekameras in privaten Räumen könnte die Lösung den Markt für Sicherheitstechnologien beeinflussen.
Präzise Detektion durch innovative Technologie
SweepLED entstand am Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST) in Zusammenarbeit mit der National University of Singapore und der Singapore Management University. Der Smartphone-Aufsatz sendet wechselnde Lichtimpulse aus verschiedenen Winkeln. Die Smartphone-Kamera erfasst reflektierte Muster, die anschließend eine KI analysiert.
Die Methode nutzt die Eigenschaft von Kameralinsen, Licht anders zu reflektieren als gewöhnliche Oberflächen, wobei die KI subtile Unterschiede identifiziert.
Der Prototyp ist mit 15 LEDs ausgestattet und benötigt weniger als fünf Sekunden für die Analyse eines potenziellen Objekts. Herkömmliche Detektoren unterscheiden oft nur schwer zwischen einer Kameralinse und anderen reflektierenden Objekten wie Ladegeräten, Uhren oder Fernbedienungen. SweepLED analysiert dynamische Reflexionsmuster bei wechselndem Lichteinfall, um diese Unterscheidung zu treffen.
Das System benötigt keine Wi-Fi-Scans oder andere Funkabfragen. Dadurch kann es auch Kameras finden, die lokal auf einer Speicherkarte aufzeichnen und keine Funksignale aussenden.
Kosteneffizienz als Marktvorteil
Die Kernkomponenten des Aufsatzes kosten laut den Forschern unter sieben US-Dollar. Diese niedrigen Hardwarekosten könnten die Verbreitung der Technologie erleichtern. Professor Jun Han von der KAIST School of Computing betont: „Versteckte Kameras stellen eine ernsthafte Bedrohung für die persönliche Sicherheit und die Privatsphäre im Alltag dar.“
Han hebt hervor, dass die Lösung der Forscher auf kostengünstiger Hardware für Smartphones und KI-Analyse basiert. Dies ermögliche die Nutzung der praktischen Erkennungstechnologie auch durch Nicht-Experten.
Die Entwickler testeten SweepLED an 30 verschiedenen Objekten, darunter versteckte Kameras und alltägliche reflektierende Gegenstände. In diesen Tests wurde die bereits erwähnte Erkennungsgenauigkeit von 94 Prozent gemessen.
Wachsende Bedenken und unzureichende Alternativen
Die Nachfrage nach effektiven Detektionsmethoden steigt mit der zunehmenden Verbreitung versteckter Kameras in privaten und halböffentlichen Räumen. Beispiele hierfür sind temporäre Unterkünfte wie Airbnb-Wohnungen oder Hotels. Airbnb hat bereits ein globales Verbot von Innenraum-Überwachungskameras eingeführt.
Der Markt für Detektionstechnologien existiert bereits, doch viele bestehende Lösungen weisen Schwächen auf. Eine Studie des University College London aus August 2026 zeigte, dass manche kommerziellen Detektoren in Tests bis zu 59 Prozent der versteckten Geräte übersahen. Solche Geräte nutzen oft Signalstärke, Infrarot-Linsendetektion oder Wi-Fi-/Bluetooth-Scans.
Zudem sind sie in Tests häufig laut und damit weniger diskret.
Ein weiteres Beispiel ist die „Zuckoff“-App, die Smart Glasses über Bluetooth-Signale detektiert. Die App kann die Nähe solcher Geräte erkennen, aber nicht bestätigen, ob tatsächlich eine Aufnahme stattfindet. Modifikationen an den Smart Glasses können die Erkennung beeinträchtigen.
Der Entwickler Pawel Szydlowski plädiert für einen Industriestandard, um vor Smart Glasses zu warnen, ähnlich wie bei AirTags.
Ausblick: Potenzial für Konsumenten und B2B-Sektor
SweepLED ist derzeit ein Forschungsprototyp; eine Kommerzialisierung ist noch unklar. Die Kombination aus gemessener Erkennungsgenauigkeit, niedrigen Hardwarekosten und der Nutzung eines weitverbreiteten Geräts – des Smartphones – gilt als potenzieller Vorteil für Endnutzer und Unternehmen.
Für den B2B-Sektor, etwa im Gastgewerbe, in der Immobilienverwaltung und bei Anbietern temporärer Unterkünfte, könnte eine solche Lösung ein Werkzeug sein, um Kundenvertrauen zu stärken und rechtliche Risiken zu mindern. Weitere Entwicklungsschritte, mögliche Industriepartner und konkrete Pläne zur Markteinführung sind offen und werden von Marktbeobachtern verfolgt. Die Technologie könnte zudem dazu beitragen, Datenschutzfragen stärker in den gesellschaftlichen Fokus zu rücken.







