Karls Erlebnis-Dorf expandiert in die USA und wagt den Sprung über den Atlantik. Gründer Robert Dahl investiert dafür sein privates Familienvermögen in den Aufbau eines US-Ablegers. Das Projekt in Oxnard, Kalifornien, ist der erste Standort des Unternehmens außerhalb Deutschlands. Die Eröffnung ist für das Frühjahr 2028 geplant.
Expansion nach Kalifornien ohne externes Kapital
Das erste Karls Erlebnis-Dorf außerhalb Deutschlands entsteht in Oxnard, einer Küstenstadt nördlich von Los Angeles. Die Region ist bekannt als „Strawberry Capital of the World“. Robert Dahl, alleiniger Gesellschafter von Karls, finanziert die Expansion ausschließlich aus dem Familienvermögen. Externe Kapitalgeber wie Banken oder Finanzinvestoren sind an der Finanzierung nicht beteiligt.
Das Investitionsvolumen für den Standort in Oxnard beläuft sich auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Dahl bezeichnet das Vorhaben als sein „außergewöhnlichstes, mutigstes und riskantestes Projekt“. Es unterstreicht die langfristige Vision des Unternehmers und seine Bereitschaft, Eigenkapital für Wachstum einzusetzen.
Der Standort in Oxnard umfasst eine Fläche von vier Hektar direkt am Hafen. Dort, wo einst die Fisherman’s Wharf lag, sollen rund 100 neue Arbeitsplätze entstehen. Die geplante Eröffnung im Frühjahr 2028 fällt in das Jahr der Olympischen Spiele in Los Angeles. Dies könnte zusätzliche Besucherfrequenzen generieren.
Die Hafenbehörde von Ventura County schrieb das Gelände aus und vergab den Zuschlag an Karls. Michael Tripp, Direktor der Hafenbehörde, betont, dass man an diesem Ort „einen Platz wollte, an dem Familien zusammenkommen“. Dies widerspricht dem Konzept einer typischen Einkaufsmeile.
Erfolgsmodell des „niedrigschwelligen“ Entertainments
Das Konzept des US-Erlebnis-Dorfes orientiert sich am Muster der deutschen Standorte. Geplant sind Manufakturen, Spielplätze, kleinere Fahrgeschäfte und Gastronomiebetriebe. Ein zentraler Aspekt ist der freie Eintritt: Besucher zahlen lediglich für einzelne Attraktionen oder Produkte.
Dahl bezeichnet das Konzept als „niedrigschwellig“. Er erklärt, dass Besucher flexibel bleiben. So können Großeltern etwa eine Fahrt für rund 3,50 US-Dollar nutzen oder eine Tasse Kaffee trinken, ohne ein teures Tagesticket erwerben zu müssen.
Die Geschichte von Karls reicht bis ins Jahr 1921 zurück, als Dahls Großvater einen Erdbeerhof bei Rostock gründete. Nach der Wiedervereinigung und unter dem Druck von Billigimporten entwickelte Robert Dahl das Geschäftsmodell weiter. Im Jahr 1992 kehrte er nach Mecklenburg zurück und gründete in Rövershagen den ersten Betrieb in seiner heutigen Form.
Mit der Eröffnung einer Traktorbahn im Jahr 2008 nahm das Erlebnis-Dorf-Konzept weitere Gestalt an. Heute betreibt Karls mehrere Erlebnis-Dörfer in Deutschland, die jährlich Millionen Gäste anziehen.
Geschäftliche Kennzahlen und zukünftige Projekte
Karls zieht nach vorliegenden Zahlen rund 9,5 Millionen Gäste pro Jahr an. Das Unternehmen beschäftigt etwa 1.300 feste Mitarbeiter und etwa 4.500 Saisonkräfte. Für 2024 wird ein Jahresumsatz von 200 Millionen Euro erwartet. Für 2025 prognostiziert das Unternehmen einen Umsatz von 220 Millionen Euro.
Die Planungen erstrecken sich über die USA hinaus. In Deutschland sind weitere Erlebnis-Dörfer vorgesehen. Für das Frühjahr 2025 ist die Bekanntgabe eines finalen Standortes im Harz geplant. Dort ist für 2028 ein weiteres Dorf in Wernigerode eingeplant.
Karls plant außerdem die Eröffnung des „Bibi-und-Tina“-Freizeitparks in Elstal für Juli 2027. Bis 2035 soll dort zudem das Mega-Resort „Karls Welt“ fertiggestellt sein. Ein Erlebnis-Dorf in Oberhausen wurde im Juli 2026 eröffnet. Diese Expansionen zeigen eine kontinuierliche Wachstumsstrategie.
Dahl betont in den Quellen, dass er alleiniger Gesellschafter bleiben und keine Anteile an Investoren verkaufen will. Dies untermauert die Unabhängigkeit als Beweggrund für die gewählte Finanzierungsstruktur. Der Bau in Oxnard ist nach Quellenangaben bereits angelaufen.
Auf dem Gelände mussten alte, von Termiten geschädigte Holzhäuser abgerissen werden, obwohl Dahl sie ursprünglich integrieren wollte. Die Investition in Kalifornien ist ein signifikanter Schritt, der die Internationalisierungsstrategie von Karls prägt und das Potenzial für weiteres Wachstum außerhalb des Heimatmarktes aufzeigt.







