Die Kryptomärkte verändern sich durch den Einsatz autonomer KI-Agenten. Diese Systeme wickeln Transaktionen zunehmend eigenständig ab und analysieren Marktdaten autonom. Branchenexperten wie Alex Svanevik von Nansen erwarten, dass agentenbasierte Werkzeuge in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle einnehmen.

Die Technologie bietet Effizienzgewinne, wirft gleichzeitig aber Fragen zur Sicherheit auf.

Autonome Akteure auf Digitalbörsen

KI-Agenten unterscheiden sich von klassischen Trading-Bots. Sie sind autonome Systeme, die Marktdaten, einschließlich On-Chain-Daten, in Echtzeit wahrnehmen. Diese Agenten entwickeln mehrstufige Strategien und passen ihr Verhalten auf Basis der Ergebnisse an.

Mehrere große Börsen und Brokerhäuser integrieren bereits Agentenfunktionen oder stellen die entsprechende Infrastruktur bereit. Dazu gehören unter anderem Robinhood, OKX, Binance, Bybit, Coinbase und Interactive Brokers.

Alex Svanevik, CEO der Blockchain-Analyseplattform Nansen, prognostiziert einen Wendepunkt: Bis 2028 werde es die Norm sein, mit Agenten zu handeln, anstatt Transaktionen nur über Benutzeroberflächen auszuführen.

Zahlen belegen die Verbreitung. Anfang 2026 stammten über 30 Prozent des Handelsvolumens auf dem Prognosemarkt Polymarket von KI-Agenten. Die kumulierte Marktkapitalisierung von Krypto-Projekten im Bereich KI-Agenten erreichte zu diesem Zeitpunkt mehr als 4,34 Milliarden US-Dollar, verteilt auf über 550 Projekte.

Das tägliche Handelsvolumen dieser Projekte lag bei 1,09 Milliarden US-Dollar. Zwischen Mai 2025 und April 2026 wickelten KI-Agenten Berichten zufolge Transaktionen im Wert von mehr als 73 Millionen US-Dollar über rund 176 Millionen Blockchain-Transaktionen ab.

Marktvolumen und Infrastruktur im Wandel

Prognosen deuten auf starkes Wachstum hin. Der Markt für KI-Agenten soll von 5,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf 47,1 Milliarden US-Dollar bis 2030 anwachsen, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 44,8 Prozent entspricht. Der gesamte Krypto-KI-Markt wird bis 2035 auf 55,2 Milliarden US-Dollar prognostiziert.

Im Jahr 2024 wies der KI-Sektor im Krypto-Bereich eine durchschnittliche logarithmische Rendite von 84 Prozent auf. KI-Agenten lagen dabei mit 186 Prozent deutlich darüber.

Die Infrastruktur entwickelt sich parallel dazu. Standards wie ERC-8004 sind in Arbeit, um Identitäts-, Zahlungs- und Vertrauensprobleme für autonome Agenten im Blockchain-Ökosystem zu adressieren. Google, Coinbase und MetaMask arbeiten Berichten zufolge mit der Ethereum Foundation an dieser Spezifikation.

Die Einführung wird mit dem Glamsterdam-Hard-Fork für das zweite Quartal 2026 erwartet. Layer-1-Protokolle wie Injective kooperieren mit Projekten wie Sonic (Solana Virtual Machine), um Smart-Agent-Hubs zu implementieren. Marktschätzungen erwarten, dass der Markt für agentenbasierte KI bis 2034 ein Volumen von 139,19 Milliarden US-Dollar erreichen kann.

Unternehmensaktivitäten und Sicherheit

Mehrere Finanz- und Kryptoanbieter treiben die Integration von KI-Agenten voran. Robinhood führte Berichten zufolge im September 2026 Trading-Agenten ein. Quellen geben zudem an, dass Ende September 2025 bereits über 150.000 Kunden agentische Konten bei Robinhood eröffnet hatten.

Robinhood setzt dabei auf Modelle von OpenAI und Anthropic. OKX, Binance und Bybit bieten ebenfalls agentische Trading-Funktionen an. Bybit führte Berichten zufolge am 24. Juni 2026 KI-Subkonten für Entwickler und Händler in der MENA-Region ein.

Coinbase ermöglichte ab dem 11. Juni 2026 Agenten wie ChatGPT und Claude, sich mit Nutzerkonten zum Handel in natürlicher Sprache zu verbinden. Liz Martin, Head of Coinbase Institutional, beschreibt agentischen Handel als nächsten Schritt nach algorithmischem Handel mit Machine Learning.

Interactive Brokers leitet seit dem 1. Juni 2026 Agentenaufträge zur manuellen Genehmigung weiter. eToro, ThinkMarkets, WeBull, Deriv und die IG Group haben vergleichbare Agentenverbindungen implementiert.

Mit der Verbreitung wachsen auch die Sicherheitsrisiken. Ido Ben-Natan, Mitgründer der Web3-Sicherheitsplattform Blockaid, weist darauf hin, dass die Krypto-Branche wegen ihrer Liquidität und des Potenzials für schnelle Gewinne ein attraktives Ziel für Cyberangriffe darstellt. Im September 2026 wurde ein Vorfall dokumentiert, bei dem autonome KI-Agenten laut Berichten am 19. und 20.

September wiederholt versuchten, Trades auf der Kryptobörse Quidax einzureichen. Dieses Ereignis dokumentierte das Non-Profit-Forschungslabor Transluce. Gleichzeitig sieht Connor Howe, Gründer der Entwicklerinfrastrukturplattform Enso, Potenzial darin, dass KI-Modelle langfristig Verträge analysieren und Schwachstellen finden könnten. Dies würde das Ökosystem robuster machen.

Ausblick auf eine agentengesteuerte Finanzwelt

Die Verbreitung von KI-Agenten im Krypto-Handel verändert die Anforderungen an Infrastruktur und Standards. Eine weitergehende Standardisierung, etwa über ERC-8004, sowie die Reaktionen großer Broker und Börsen auf agentenbasierten Handel werden die Branche in den kommenden Monaten prägen. Alex Svanevik von Nansen nennt 2027 als möglichen Wendepunkt, ab dem Retail-Investoren vermehrt mit Agenten arbeiten dürften.

Wie die Vorteile autonomer Systeme und die gestiegenen Sicherheitsanforderungen gegeneinander abzuwägen sind und welche Regulierungsrahmen entstehen, bleibt eine offene Frage.