Die Finanzierung für spezialisierte Climate-Tech-VCs ist im Jahr 2025 um fast 40 Prozent gegenüber 2024 zurückgegangen. Gleichzeitig ziehen KI-Investitionen erhebliche Summen an und beeinflussen das Climate-Tech-Feld sowohl positiv als auch negativ.

KI als dominierende Kraft im VC-Ökosystem

Künstliche Intelligenz zieht enorme Venture-Finanzierungen an. Im Jahr 2025 erhielten KI-Startups weltweit 131,5 Milliarden US-Dollar an Venture-Finanzierung, was etwa einem Drittel der globalen VC-Investitionen entspricht. OECD-Daten beziffern die VC-Investitionen in KI-Firmen für 2025 sogar auf 258,7 Milliarden US-Dollar von insgesamt 427,1 Milliarden US-Dollar, also 61 Prozent.

Die Investitionen konzentrieren sich stark auf großvolumige Transaktionen. Deals über 100 Millionen US-Dollar machten 2025 rund 73 Prozent des gesamten KI-Investitionswerts aus. Für Greater China berichtet PitchBook 2026, dass 87,8 Prozent des Investmentwerts im VC-Bereich auf Deals über 25 Millionen US-Dollar entfielen, obwohl diese nur 8,6 Prozent der Transaktionen ausmachten.

Physische KI und Robotik im Aufwind

Physische KI und Robotik sicherten sich 2025 insgesamt 27,6 Milliarden US-Dollar über 1.009 Deals. Im Vergleich dazu waren es 2024 noch 13,7 Milliarden US-Dollar über 851 Deals. Im ersten Quartal 2026 flossen 16,3 Milliarden US-Dollar in 492 Deals im Bereich physischer KI. Autonome Maschinen verzeichneten im gleichen Zeitraum 29 Milliarden US-Dollar über 118 Transaktionen.

Mehrere Studien zeigen überdies Zusammenhänge zwischen Patentschutz und Kapitalzugang. Analysen zufolge erreichen Startups mit Patenten bis zu 93 Prozent höhere Bewertungen in der Angel-Phase und 51 Prozent höhere Bewertungen in der Late-Stage-Phase. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, Venture-Finanzierung zu erhalten, um das 6,4-fache höher.

VC-finanzierte Startups mit Patenten werden in den Daten fast doppelt so hoch bewertet und haben eine um 47 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, eine VC-Finanzierung zu erhalten. Diese Befunde deuten auf einen klaren Zusammenhang zwischen geistigem Eigentum und dem Zugang zu Kapital hin.

Climate-Tech unter Druck, KI als Lösungsansatz

PitchBook-Analyst John MacDonagh beschreibt KI als „both a headwind and tailwind for the space, but more a tailwind than a headwind.“ Er sieht, dass Rechenzentrumsentwickler nach Energiequellen suchen. Der Climate-Tech-Bereich bietet Kerntechnologien wie erneuerbare Energien, die schnell einsetzbar und relativ kostengünstig sind, aber auch Intermittenz-Herausforderungen mit sich bringen.

Diese Herausforderungen lassen sich mit Energiespeichertechnologien adressieren. Leistungsstarke Energiequellen sind potenziell besser für Rechenzentrums-Anwendungen geeignet, sind aber weniger ausgereift und erfordern erhebliche Finanzierung für Entwicklung und Kommerzialisierung.

Der Betrieb von KI-Rechenzentren erfordert erhebliche Energiemengen. Als Beispiel wird Crusoe genannt, das 3,9 Milliarden US-Dollar einwarb und mit einer Post-Money-Bewertung von 30,9 Milliarden US-Dollar beziffert wurde. PitchBook und andere Quellen sehen in der erhöhten Nachfrage nach Energie eine Verstärkung des Bedarfs an erneuerbaren Energien und Energiespeichern.

Investoren wie Mike Schroepfer, Founding Partner bei Gigascale Capital, verfolgen ebenfalls einen Climate-Fokus. Schroepfer kündigte im Juni 2026 einen 250 Millionen US-Dollar schweren Climate-Fonds an. Er betonte, dass seine häufigsten Co-Investoren Generalisten oder Follow-on-Investoren sind und dass mehr Kapital von dort kommt.

Schroepfer sieht zwei verschiedene Entwicklungen: „If you’re in the energy space, critical minerals, anything that’s supply chain, there’s more money than I’ve ever seen from an investing standpoint to do that work.“

Die erhöhten Investitionen in energiebezogene Bereiche können Analysten zufolge mit dem Energiebedarf von Rechenzentren zusammenhängen.

Parallel dazu tätigt Galvanize, eine Climate- und Immobilieninvestmentfirma, Transaktionen. Im September 2026 erwarb Galvanize einen Industriecampus in Milpitas, Kalifornien, für knapp 94 Millionen US-Dollar. Joseph Sumberg, Leiter von Galvanize Real Estate, erklärte dazu: „We plan to enhance the portfolio’s efficiency while investing to meet the growing industrial demand in Milpitas.

As advanced manufacturing expands and energy costs rise, we expect these initiatives to benefit the local grid and attract high-quality tenants looking for reliable energy and price certainty.“

Ausblick: Synergien und Marktbereinigungen

Der Markt für Climate-Tech-Investitionen befindet sich in einer Phase der Veränderung. Der Kapitalzufluss in die KI-Branche schafft Herausforderungen für Netze und treibt zugleich die Nachfrage nach Lösungen zur Energieerzeugung und -speicherung an. PitchBook weist darauf hin, dass erneuerbare Energien schnell einsetzbar und relativ kostengünstig sein können, während Energiespeicher Versorgungsschwankungen adressieren.

Berichten zufolge hat die chinesische Aufsichtsbehörde CSRC Humanoid-Roboterfirmen von öffentlichen Märkten weggesteuert. Es gibt zudem Berichte über Bewertungsabschläge im Privatmarkt von 30 bis 50 Prozent. Diese Zahlen sind als Berichte in den Quellen vermerkt und wurden nicht in offiziellen Dokumenten vollständig belegt.

Marktbeobachter sehen in den Entwicklungen eine steigende Selektivität bei Investments und Hinweise auf eine Marktbereinigung, die stärkere Anforderungen an Geschäftsmodelle und nachweisbare Einnahmen stellt. Analysten und Marktberichte deuten damit auf eine Verschiebung hin zu selektiveren Investments. Wie sich die Kapitalströme in den kommenden Monaten konkret entwickeln, bleibt abzuwarten.