Der weltweite Private-Equity-Markt steuert auf eine tiefgreifende Zäsur zu. Jahrelang treibt billiges Geld die Bewertungen nach oben, nun setzen das veränderte Zinsumfeld, Bewertungskorrekturen im Technologiesektor und blockierte Ausstiegskanäle die gesamte Branche unter Druck. Scott Nuttall, Co-CEO des US-Finanzinvestors KKR, konstatiert eine K-förmige Spaltung des Sektors.

Während etablierte Großmanager weiter wachsen und Kapital anziehen, droht kleineren Fondsgesellschaften und Späteinsteigern eine anhaltende Schrumpfung.

Die Spreizung der Renditen und der Druck auf Späteinsteiger

Die Private-Equity-Branche verzeichnet in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten ein beispielloses Wachstum. Das global im Privatmarkt verwaltete Vermögen klettert von drei Billionen US-Dollar im Jahr 2010 auf rund 15 Billionen US-Dollar. Diese gewaltige Liquiditätsschwemme verdeckt über Jahre hinweg strukturelle und operative Schwächen einzelner Akteure.

Scott Nuttall warnt davor, dieses Marktumfeld falsch zu interpretieren: „Wir haben immer gewarnt, diesen Bullenmarkt nicht mit Können zu verwechseln.“ Im Segment der schuldenfinanzierten Übernahmen driftet die Wertentwicklung mittlerweile massiv auseinander. Die Renditedifferenz zwischen dem obersten und dem untersten Viertel der Fonds beträgt nach Angaben von KKR bereits 15 Prozentpunkte oder mehr, Tendenz steigend.

Für institutionelle Investoren vergrößert diese Spreizung das Ausfall- und Allokationsrisiko beträchtlich.

Zugleich fehlt vielen Marktteilnehmern die Erfahrung im Krisenmanagement. Rund 60 Prozent der heutigen Private-Equity-Häuser entstehen erst nach der globalen Finanzkrise von 2008. Sie haben bislang keinen vollständigen Abschwungzyklus erlebt.

Lediglich 17 Prozent der aktiven Firmen überstehen sowohl das Platzen der Dotcom-Blase als auch den Zusammenbruch der Märkte 2008. Manager, die auf dem Höhepunkt der Marktüberhitzung im Jahr 2021 aggressiv investieren, treffen nun auf unnachgiebige Refinanzierungswände. Wenn institutionelle Anleger ihr Kapital zurückhalten, drohen diesen Anbietern schrumpfende Nachfolgevehikel, sogenannte Apology Funds, oder das vollständige Ausscheiden aus dem Markt.

Operative Entkopplung durch Plattform-Diversifikation

Trotz des raueren Marktklimas meldet KKR robuste operative Kennzahlen. Im zweiten Quartal klettern die gebührenbezogenen Erträge (Fee-Related Earnings) um 37 Prozent auf 1,21 Milliarden US-Dollar. Die gesamten operativen Gewinne erreichen 1,5 Milliarden US-Dollar, während das verwaltete Vermögen ein Volumen von 796 bis 800 Milliarden US-Dollar umfasst.

Bis zum Jahr 2030 peilt das Führungsteam ein Anlagevolumen von mindestens einer Billion US-Dollar an.

Dieses kontinuierliche Wachstum basiert auf einem grundlegenden Konzernumbau. Machen traditionelle Buyouts im Jahr 2019 noch rund 90 Prozent der verwalteten Gelder aus, liegt ihr Anteil inzwischen bei etwa 50 Prozent. Parallel dazu forciert KKR alternative Anlageklassen wie Private Credit, Infrastrukturprojekte sowie eigene Kapitalmarktdienstleistungen.

Zudem agiert das Unternehmen als eigener Großinvestor und unterlegt seine Strategien mit einem bilanziellen Eigenkapital von rund 35 Milliarden US-Dollar.

Dass profitable Exits auch im aktuellen Umfeld möglich bleiben, belegen mehrere Transaktionen. Den Softwareanbieter OneStream veräußert KKR für 6,4 Milliarden US-Dollar an Hg Capital, was dem 4,5-fachen des ursprünglich eingesetzten Kapitals entspricht. Beim spanischen Telekommunikationskonzern MasOrange gelingt ein Teilverkauf auf Basis einer Unternehmensbewertung von über acht Milliarden Euro.

Allein im zweiten Quartal verbucht KKR dadurch realisierte Performance-Erträge in Höhe von 848 Millionen US-Dollar.

Fokus auf physische KI-Infrastruktur statt Software-Wetten

Im Technologiebereich wählt KKR einen eigenständigen Ansatz und meidet reine Wetten auf Anwendungssoftware. Stattdessen setzt der Investor gezielt auf die physische Basis der künstlichen Intelligenz. Über die Plattform Helix Digital Infrastructure fließen mehr als zehn Milliarden US-Dollar in Rechenzentren sowie die dazugehörige Energieversorgung.

Branchenexperten wie Glenn Schorr von der Analysegesellschaft Evercore sehen in diesem Marktsegment ein ambivalentes Bild. Einerseits wachsen die Sorgen vor mittelfristigen Überkapazitäten bei Rechenzentren, andererseits bleibt der Hunger der großen Hyperscaler nach frischem Rechenraum ungebrochen. KKR setzt darauf, dass die gravierenden Engpässe bei Stromkapazitäten und Netzanbindungen langfristig verlässliche Renditen sichern.

Die Mittelstandsoffensive in Deutschland und die Skepsis der Börse

Ein strategischer Schwerpunkt der europäischen Aktivitäten liegt traditionell in Deutschland. Seit 1999 investiert KKR mehr als 20 Milliarden Euro Eigenkapital im deutschen Markt, ein erheblicher Teil davon allein in den vergangenen sechs Jahren. Im Fokus steht vor allem der industrielle Mittelstand, wo Nachfolgeprobleme bei eigentümergeführten Betrieben neues Beteiligungskapital erfordern.

Um Vorbehalte abzubauen, strukturiert KKR rund 80 Prozent der hiesigen Engagements als partnerschaftliche Minderheitsbeteiligungen. Gerüchte über mögliche Konsortialgebote im Energiesektor, etwa an der Seite von RWE beim Versorger Uniper, lässt das Management offiziell unkommentiert.

An den öffentlichen Aktienmärkten spiegelt sich diese Zuversicht derzeit nicht wider. Die KKR-Aktie notiert zeitweise bei rund 87 US-Dollar und verliert seit Jahresbeginn über 30 Prozent an Wert. Investoren preisen systemische Risiken im Segment Private Credit sowie mögliche Mittelabflüsse derzeit deutlich vorsichtiger ein, als es die aktuellen Quartalsausweise der Marktführer suggerieren.

In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie belastbar das Modell der alternativen Plattformgiganten im anhaltenden Hochzinsumfeld tatsächlich ist. Entscheidend für den weiteren Kursverlauf bleibt, ob KKR die avisierte Exit-Dynamik aufrechterhält und die für das dritte Quartal erwarteten Transaktionserlöse von rund 500 Millionen US-Dollar planmäßig verbucht. Nach Firmenangaben entfallen etwa 60 Prozent dieser Summe auf erfolgsabhängige Vergütungen.

Gelingt diese Umsetzung, dürfte sich die von Nuttall beschriebene Konsolidierungswelle weiter beschleunigen – mit einer immer schärferen Trennlinie zwischen globalen Allokationsplattformen und abhängigen Nischenmanagern.