Deutsche Unternehmenslenker zeigen sich erstmals seit Jahren wieder zuversichtlicher. Eine aktuelle Umfrage von KPMG belegt, dass die Mehrheit der Firmenlenker in den kommenden drei Jahren Wachstum für ihre Unternehmen erwartet. Dieser Optimismus basiert auf strategischen Investitionen in Künstliche Intelligenz und geplanten Übernahmen, weniger auf externen Konjunkturhilfen.
Stimmungswechsel in den Chefetagen
Die jüngsten Ergebnisse einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG deuten auf eine Trendwende in der deutschen Wirtschaft. 86 Prozent der befragten Firmenlenker sehen ihr Unternehmen in den kommenden drei Jahren wachsen. KPMG verzeichnet ein Plus von 14 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Auch die Erwartungen an die eigene Branche und den Standort Deutschland sind auf jeweils 78 Prozent gestiegen.
Im Vorjahr lagen diese Werte bei 71 beziehungsweise 75 Prozent.
Fast 70 Prozent der Führungskräfte rechnen zudem mit einem Gewinnwachstum von 2,5 Prozent oder mehr in den nächsten drei Jahren. Im Vorjahr lag dieser Wert bei 42 Prozent. Die Umfrage bezieht sich auf Unternehmenslenker mit einem Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen US-Dollar.
KI und M&A als Wachstumsmotoren
Mattias Schmelzer, Deutschlandchef von KPMG, hebt hervor, dass die optimistischen Erwartungen nicht auf der Hoffnung auf bessere Rahmenbedingungen oder Rückenwind aus dem globalen Handel fußen. Vielmehr resultieren sie aus Investitionen in neue Technologien wie Künstliche Intelligenz. Unternehmen möchten damit ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken und ihre Transformation vorantreiben.
So sehen 77 Prozent der Befragten KI als Top-Investitionspriorität.
94 Prozent erwarten, dass sich ihre KI-Investitionen innerhalb von drei Jahren amortisieren oder dies bereits geschehen ist. Parallel dazu ziehen 90 Prozent der Firmenlenker in den kommenden drei Jahren Übernahmen in Betracht.
Gedämpfter Blick auf die Weltwirtschaft
Trotz der gestiegenen Zuversicht für das eigene Geschäft bleibt der Blick auf die Weltwirtschaft verhalten. 62 Prozent der deutschen Firmenlenker rechnen mit globalem Wachstum. Dies ist ein leichter Rückgang gegenüber 64 Prozent im Vorjahr. International erwartet der KPMG CEO Outlook 2026, dass 65 Prozent der Unternehmenschefs weltweit Wachstum der Weltwirtschaft sehen.
Die größten Wachstumsrisiken orten die Befragten in regulatorischen Auflagen mit 30 Prozent, geopolitischer Instabilität mit 29 Prozent und einer schwachen Weltwirtschaft mit 27 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass Manager verstärkt auf interne Maßnahmen setzen, um externen Unsicherheiten zu begegnen.
Kontext und Ausblick
Die KPMG-Umfrage erfolgte zwischen dem 11. August und dem 21. September und wurde am 19. Oktober 2026 veröffentlicht. Sie liefert ein aktuelles Stimmungsbild der deutschen Top-Manager.
Andere Konjunkturindikatoren senden differenzierte Signale: Der Ifo-Geschäftsklimaindex lag im Januar 2022 bei 95,7 Punkten und stieg im Mai 2025 auf 87,5 Punkte. Der DIHK-Stimmungsindex verbesserte sich zu Jahresbeginn 2026 leicht auf 95,9 Punkte, blieb damit jedoch unter der Marke von 100 Punkten. Die Stimmung in Großunternehmen unterscheidet sich von der in kleineren Betrieben.
Eine Befragung von Kleinunternehmen im September 2023 ergab, dass 86 Prozent optimistisch in die Zukunft blickten. Eine Umfrage der Körber-Stiftung im Juli 2025 zeigte hingegen, dass 76 Prozent der Bevölkerung die wirtschaftliche Lage in Deutschland als weniger gut oder schlecht bewerteten. Die Bundesregierung hob Anfang Oktober ihre Wachstumsprognose für 2026 von 0,5 auf 1,3 Prozent an und erwartet für 2027 ein Wachstum von 1,1 Prozent.
Diese heterogenen Daten spiegeln die Komplexität der aktuellen Wirtschaftslage wider und zeigen die unterschiedlichen Perspektiven von Unternehmenslenkern und der breiteren Bevölkerung.







