Der Börsenwert der 50 größten Bitcoin-Treasury-Firmen weltweit ist seit Mitte 2025 um mehr als 80 Milliarden US-Dollar gefallen. Besonders betroffen sind Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell auf die Akkumulation von Kryptowährungen ausgerichtet haben. Die Marktkapitalisierung dieser 50 Firmen sank von 150 Milliarden US-Dollar im Juli 2025 auf aktuell 67 Milliarden US-Dollar.
Der Rückgang von 57 Milliarden US-Dollar in den vergangenen zwölf Monaten stellt das Geschäftsmodell zahlreicher Unternehmen auf die Probe. Viele dieser Firmen, allen voran Strategy (ehemals MicroStrategy), gaben frühere Geschäftstätigkeiten zugunsten von Kryptoinvestitionen auf. Die Investmentstrategie dieser Firmen funktioniert nur, solange die Kryptokurse steigen.
Strategy im Zentrum des Verlustes
Strategy, der größte institutionelle Bitcoin-Halter, verbucht hohe nicht realisierte Verluste. Im ersten Quartal 2026 weist das Unternehmen einen unrealisierten Verlust von 14,46 Milliarden US-Dollar auf seine Bitcoin-Bestände aus. Der Buchwert des Gesamtportfolios lag am 31.
März 2026 bei 51,65 Milliarden US-Dollar, die Gesamtkostenbasis bei 58,02 Milliarden US-Dollar. Daraus ergibt sich ein bilanzielles Defizit von 6,37 Milliarden US-Dollar. Im vierten Quartal 2025 meldete Strategy bereits einen Betriebsverlust von 17,4 Milliarden US-Dollar.
Die Aktie des Unternehmens fiel im Februar 2026 innerhalb der vorangegangenen sechs Monate um rund 70 Prozent. Trotz dieser Verluste setzte Strategy seine Käufe fort. Im ersten Quartal 2026 erwarb das Unternehmen 88.594 Bitcoin für 7,25 Milliarden US-Dollar zu einem Durchschnittspreis von 80.929 US-Dollar.
Zwischen dem 1. und 5. April 2026 folgten weitere 4.871 Bitcoin für 330 Millionen US-Dollar zu einem Durchschnittspreis von 67.718 US-Dollar.
Strategy hält aktuell 766.970 Bitcoin, was rund 3,65 Prozent des gesamten Bitcoin-Umlaufangebots entspricht. Diese Bestände machen etwa 65 Prozent aller Bitcoin auf Unternehmensbilanzen aus. Bezogen auf die Käufe des ersten Quartals ergibt sich ein nicht realisierter Verlust von 1,25 Milliarden US-Dollar, etwa 14.100 US-Dollar pro erworbenem Bitcoin.
Trendwende bei den Unternehmensbeständen
Die Käufe im ersten Quartal 2026 erfolgten überwiegend durch Strategy. 94 Prozent aller Corporate-Bitcoin-Käufe entfielen auf das Unternehmen. Die verbleibenden 194 börsennotierten Firmen kauften zusammen lediglich rund 4.000 Bitcoin.
Im Juli dieses Jahres wandelten sich die 50 größten Bitcoin-Besitzer, angeführt von Strategy, von Nettokäufern zu Nettoverkäufern. Unternehmen verkauften im Juli insgesamt 2.500 Bitcoin mehr, als sie kauften. Michael Saylor, Gründer von Strategy und bekannt für das Mantra „Niemals verkaufen“, veräußerte Unternehmens-Bitcoin und begründete dies mit der Abgrenzung zwischen privaten und unternehmensbezogenen Entscheidungen sowie mit dem Ziel, Marktbefürchtungen zu zerstreuen.
Marktbeobachter äußern sich kritisch. Adam Morgan McCarthy, Forschungsleiter bei LO:TECH, kommentierte: „Es war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Der Hype ist vorbei, ich glaube nicht, dass er wiederkommt.“ Eric Benoist von Natixis CIB äußerte Bedenken zur Nachhaltigkeit des Modells und zur Finanzierung, wenn Investoren kein klares Gesamtbild erhielten.
Volatiler Markt und Rating-Sorgen
Der Bitcoin-Kurs zeigte in den vergangenen Monaten starke Schwankungen. Im Jahr 2025 wurden Höchstkurse jenseits der 120.000 US-Dollar erreicht, gefolgt von zeitweise tieferen Kursen und einer Erholung auf rund 80.000 US-Dollar nach einer Intervention der US-Regierung an den Anleihemärkten. Andere Berichte nennen Höchststände von 111.814 US-Dollar und zwischenzeitliche Einbrüche auf unter 70.000 US-Dollar im Februar 2026 oder unter 90.000 US-Dollar im Dezember 2025.
Die Volatilität betrifft auch Ethereum-spezialisierte Treasury-Firmen. BitMine Immersion Technologies hält Ether im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar und verzeichnet über 8 Milliarden US-Dollar an nicht realisierten Verlusten. Der Aktienkurs des Unternehmens fiel um etwa zwei Drittel.
Die Unsicherheit greift zudem auf Stablecoins über. S&P Global Ratings stufte im Dezember 2025 die Stabilitätsbewertung von Tether (USDT) auf die niedrigste Stufe herab. Als Gründe nannte die Agentur das Risiko einer Unterbesicherung bei weiterem Bitcoin-Wertverlust, einen Anstieg risikoreicherer Vermögenswerte in den Reserven und anhaltende Offenlegungslücken.
Ausblick: Eine ungewisse Zukunft für Bitcoin-Treasury-Strategien
Wie sich Unternehmen mit großen Bitcoin-Treasuries an die anhaltende Marktvolatilität anpassen, bleibt offen. Aggressiver Bitcoin-Zukauf während starker Kursrückgänge erhöht das Risiko für Bilanz und Aktienkurs der beteiligten Firmen. Die kommende Refinanzierung von Tech-Schulden in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar, die ab der zweiten Jahreshälfte 2026 beginnt und 2028 ihren Höhepunkt erreicht, steht dabei im Fokus.
Die Finanzierungspläne von Strategy, die bis 2027 insgesamt 84 Milliarden US-Dollar an Kapital aufnehmen will, werden ebenfalls genau beobachtet. Die Marktbewertung des Unternehmens liegt Berichten zufolge unter seinem Nettoinventarwert. Die weitere Entwicklung des Bitcoin-Kurses und die Reaktionen von Ratingagenturen auf Allokationen in volatilen Kryptowerten werden entscheidend für die Bewertung dieser Geschäftsmodelle sein.







